Die Schuld, die Sühne und die Folgen

Georg HauptDie Schuld des als "Flughafenattentäter" bekannt gewordenen Arid U. ist zweifelsfrei festgestellt, das Frankfurter Gericht hat für den zweifachen Mord an unschuldigen Menschen die härteste Sühne gewählt, die das deutsche Recht vorsieht: Eine lebenslange Freiheitsstrafe mit der Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld. Wahrscheinlich wird Arid U. den Rest seines noch jungen Lebens hinter Gefängnismauern zubringen. Immerhin wird er das als Person der Zeitgeschichte tun, denn der Mann hat sich den zweifelhaften Ruhm verschafft, den ersten islamistischen Anschlag auf deutschem Boden verübt zu haben.

Den ersten. Wenn man allen Beteuerungen der Sicherheitsbehörden Glauben schenkt, ist es vor allem ihrer Arbeit und "Kommissar Zufall" zu verdanken, dass nicht schon längst mehr und möglicherweise noch Schlimmeres passiert ist. Von den grausamen Attentatsplänen jener politisch wie seelisch Verirrten, ob sie nun als "Koffer-Bomber" oder "Unterhosen-Bomber" bekannt geworden sind, haben wir erfahren, gottlob vor Begehung der Taten. Bei Arid U. kamen alle zu spät.

Das Tat-Muster dieses jungen Mannes, der jahrelang unauffällig seinem Job am Frankfurter Flughafen nachging, muss uns alle beunruhigen. Er hatte keine Verbindungsleute, keine Auftraggeber, keine persönlichen Kontakte zu islamistischen Zellen. Arid U. hatte nur sein Internet.

Der Film von einer angeblichen Vergewaltigung einer Muslimin durch US-Soldaten, aller Wahrscheinlichkeit nach sogar eine Fälschung, hatte ihn zu einem selbsternannten Rächer seiner Glaubensbrüder werden lassen. Arid U., kurz vor der unfassbaren Tat gerade strafmündig geworden, sehr religiös, aber leider auch sehr fanatisch, fasste den Entschluss, seinen Beitrag zum Dschihad, dem Heiligen Krieg, zu leisten, und lud seine Pistolen durch.

Eine Gesellschaft muss sich fragen, wie sie derartige Anschläge auf Leib und Leben ihrer Mitglieder verhindern kann. Im Fall der beispiellosen Mordserie von Neonazis versucht dieses gerade ein Untersuchungsausschuss. Dort, bei der Zwickauer Terror-Zelle, hatte man Hinweise, ja es gab sogar Verbindungsleute in der Szene.

Bei Arid U. war alles anders. Kein Fahndungsraster hätte einen Hinweis auf die Bluttat des jungen Islamisten geben können, kein Nachbar etwas von dessen skurrilen Ansichten erzählen können. Der Mörder kam aus dem Nichts.

Es sind Taten wie die des Attentats am Flughafen, die die Grenzen unseres Rechtsstaats aufzeigen. Weder dürfen wir Fälle wie diesen zum Anlass nehmen, nun alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen, aber wir dürfen auch nicht bei dem Bemühen resignieren, die Suche nach kranken Hirnen wie dem des Arid U. immer wieder als eine neue Herausforderung der zivilisierten Welt durch den Terrorismus zu begreifen. Bericht Seite 1

georg.haupt@fnp.de

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