Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 24.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Ich mach’ mein Ding!
Nach acht Jahren harter Arbeit in jeder freien Minute war mein Manuskript fertig, und ich schickte es voller Euphorie an verschiedene Verlage. Doch ich erntete nur höfliche, vorgedruckte Absagen, und so beschloss ich, mein Schriftstellerglück in eigene Hände zu nehmen. Books on demand war das Zauberwort, auf das ich im Internet stieß. Die Book-on-demand-Dienstleister drucken Bücher – und genau das wollte ich ja. Ich wollte einen ganzen Haufen Bücher zum Anfassen, darin blättern und lesen. Meinem Mann, der meine schriftstellerischen Ambitionen seit jeher belächelt hatte, wollte ich beweisen, dass die Stunden am Computer, die er als vergeudete Zeit zu bezeichnen pflegte, einen Sinn hatten.
Ich bestellte also mutig eine Auflage von 500 Exemplaren und überlegte, wie ich diese Menge Bücher zu den Lesern bekommen könnte. Sollte das Experiment schiefgehen, so hätte ich mir auf Jahrzehnte hinaus wenigstens keine Gedanken mehr um etwaige Geschenke machen müssen. Aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich zu schnell Sorgen machen. Eine eigene Webseite war schnell gebastelt, die Presse informiert, ein Saal angemietet, Einladungen zur "Buchpremiere" verschickt, Flyer und Plakate gedruckt. Dann kamen die Bücher, eine ganze Palette voll "Unter Haien"!
"Kannst sie in die Garage stellen", sagte mein Mann nach einem knappen Blick auf meinen papiergewordenen Traum. "Die brauch ich den Winter über nicht."
Sein mangelndes Zutrauen in meine Fähigkeiten weckte meinen Ehrgeiz. Dir zeig ich’s, dachte ich und schritt voller Elan zur Tat. Eine Woche später fand die Buchpremiere statt. Auf einem Tisch stapelten sich sämtliche Bücher und pünktlich um 19 Uhr strömten die Leute herbei. Meine Erinnerung an jenen Abend ist verschwommen, ich signierte an einem Tischchen sitzend zum ersten Mal in meinem Leben meine eigenen Bücher. Als ich schließlich erschöpft und mit schmerzendem Handgelenk aufblickte, waren die Leute weg – und die Bücher auch! Ich konnte es kaum fassen. Mein Mann prostete mir sichtlich erleichtert mit einem Glas Sekt zu.
"Gott sei Dank, es ist vorbei!", sagte er, wohl in der Annahme, mein verrückter Ausflug in die Welt der Bücher sei damit ein für alle Male beendet. Wie sehr er sich doch irren sollte!
Nele Neuhaus ist Krimi-Autorin und lebt in Kelkheim im Taunus.
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