Darmstädter Intendant bekommt Aufpasser

Mobbing-Affäre: Untersuchungskommission spricht von „Klima der Angst“ am Staatstheater

Am Staatstheater Darmstadt tobte wochenlang eine üble Schlammschlacht. Nun werden Konsequenzen gezogen. Reicht das?

John DewGerüchte, Intrigen, Lagerbildung gehörten wohl zu jedem Theaterbetrieb, sagt der Kulturmanager Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: "Aber nicht in diesem Ausmaß." Was der ehemalige Düsseldorfer Staatssekretär von den Mitarbeitern des Staatstheaters Darmstadt zu hören bekam, habe er in seinen 30 Jahren Berufsleben noch nicht erlebt.

Intendant John Dew und Generalmusikdirektor Constantin Trinks tragen ihre Fehde schon lange nicht mehr nur hinter den Kulissen aus. Über Anwälte und die Presse tobt eine Schlammschlacht, die ihresgleichen sucht. Auslöser waren Besetzungsfragen. Die Lebensgefährtin des Generalmusikdirektors wollte die Lucia in Donizettis Oper "Lucia di Lammermoor" singen, der Ehemann des Intendanten den Loge in Wagners "Rheingold" – der Intendant aber hat die Lucia umbesetzt, der Dirigent wollte den Loge nicht haben. Zwar komme es auch andernorts ab und zu vor, dass Verwandte Rollen bekämen, sagt der Ermittler, in Darmstadt sei das aber eine "auffallend häufig geübte Praxis".

Schwere Fehler

Die zweite Zutat zu dem "hochexplosiven Gemisch", das in Darmstadt hochging, ist aus Sicht des Ermittlers der Intendant. John Dew pflege einen "autokratischen Führungsstil", der "alles seinem künstlerischen Willen unterordnet", sagt Grosse-Brockhoff nach mehr als 40 Gesprächen mit Mitarbeitern. "So führt man kein Haus." Es herrsche ein "Klima der Angst und des Misstrauens". Auch die hessische Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) findet, dass Dew Grenzen überschritten und "schwere Fehler begangen hat". Sie schloss sich dem Vorschlag des Ermittlers an und setzte Dew einen Aufpasser vor die Nase. Der heißt "Moderator", soll aber vor allem auf Dew einwirken. Dews Stelle wird schon jetzt ausgeschrieben, obwohl sein Vertrag erst im Sommer 2014 endet. Für eine außerordentliche Kündigung gebe es "auf den ersten Blick keine verwertbaren Anhaltspunkte".

Der zweite Kampfhahn, Constantin Trinks, hat bereits von sich aus hingeworfen. Im Dezember hat er eine außerordentliche Kündigung ans Ministerium geschickt – aber eine Abfuhr erhalten. Kühne-Hörmann wollte Trinks ins Amt zurückzwingen und ging sogar juristisch gegen die Kündigung vor. Die Klage wurde zurückgezogen, Trinks darf gehen. Statt gegen seine Kündigung zu klagen, hat das Ministerium jetzt arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet: Trinks hatte ein Vier-Augen-Gespräch mit einem Kollegen mitgeschnitten und dem Ermittler als vermeintlichen Beweis für Mobbing vorgespielt.

Darmstadts OB Jochen Partsch (Grüne) hofft, "dass künftig wieder Theater auf der Bühne inszeniert wird und nicht hinter den Kulissen". Dazu soll auch eine weitere Anordnung beitragen, die Kühne-Hörmann aus Grosse-Brockhoffs Vorschlagsliste übernommen hat: Besetzungen von Partnern aus der Führungsetage sind in Darmstadt ab sofort verboten. Der Ermittler riet, dies künftig generell in die Verträge aufzunehmen.trau

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