Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 24.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Extra für Erwachsene
Die Hollywood-Verfilmung von Stieg Larssons Krimi „Verblendung“ kommt ins Kino
In der amerikanischen Fassung des ersten Buchs aus der schwedischen "Millennium"-Krimireihe spielt Daniel Craig den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist.
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Der schwedische Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) recherchiert im Auftrag eines Industriellen das rätselhafte Verschwinden von dessen Nichte. Foto: SonyGerade mal zwei Jahre ist es her, dass die schwedische Erstverfilmung von "Verblendung" im Kino lief, da gibt es schon ein Remake. US-Regisseur David Fincher ("The Social Network") hat Regie geführt, die Rolle der ComputerHackerin Lisbeth Salander wird von Rooney Mara gespielt, und Daniel Craig ist als Journalist Mikael Blomkvist zu sehen. Zur Deutschland-Premiere des Films kam der englische "James-Bond"-Darsteller (43) nach Berlin. Dort hatte Martin Schwickert Gelegenheit zu einem Interview.
Mr. Craig, Stieg Larssons "Verblendung" ist ein internationaler Bestseller. Über 30 Millionen Exemplare der "Millennium"-Trilogie wurden verkauft. Wann sind Sie erstmals auf den Roman gestoßen?
DANIEL CRAIG: Wenn so ein Bestseller herauskommt und alle sagen "Das musst du unbedingt lesen", reagiere ich meistens ablehnend, weil ich ein Buch für mich selbst entdecken will. Aber dem Roman von Stieg Larsson konnte man damals einfach nicht entkommen. Auf dem Bahnhof oder am Flughafen sah man immer mindestens zwanzig Leute, die ihre Nase in dieses Buch steckten. Ich habe es mir dann im Urlaub ausgeborgt und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Es ist einfach großartig geschrieben. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander haben mich sehr fasziniert. Vor allem natürlich Lisbeth Salander, die ihr ganzes Leben lang missbraucht und von Männern erniedrigt wurde, die keinem mehr traut und es dennoch schafft, ihre Menschlichkeit zu bewahren.
Haben Sie damals schon beim Lesen gedacht, dass die Rolle des Journalisten Mikael Blomkvist genau das Richtige für Sie wäre?
CRAIG: Da bin ich wie jeder Schauspieler. Wenn ich eine gute Figur in einem Buch entdecke, möchte ich sie auch spielen. Aber ich habe jetzt nicht meinen Agenten darauf angesetzt. Das hat sich einfach so ergeben.
Sind Sie in letzter Zeit einer Romanfigur begegnet, die Sie gern spielen würden?
CRAIG: Zurzeit lese ich eher Sachbücher. Zuletzt eines über Russland unter Putin…
Und jetzt möchten Sie unbedingt Wladimir Putin spielen?
CRAIG: Nein, bloß nicht. Da würde ich doch zu sehr um mein Leben fürchten. Schließlich möchte ich nicht radioaktiv verstrahlt in einem Bleisarg enden.
Wie wichtig war es für Sie, dass "Verblendung" auch wirklich in Schweden gedreht wird?
CRAIG: Es gab Gerüchte, dass die Geschichte in den USA angesiedelt werden sollte. Das hätte ich nicht gemacht und David Fincher sicherlich auch nicht. Dies ist eine skandinavische Geschichte. Meine Figur raucht, trinkt, geht mit einer Frau nach der anderen ins Bett – er tut all die Dinge, die in den USA als inakzeptabel gelten. Stockholm und die nordschwedische Landschaft bieten den perfekten Hintergrund für diese Geschichte. Allein das Licht im düsteren schwedischen Winter – das kann man nicht künstlich herstellen.
Der Roman wurde bereits in Schweden verfilmt. Hatten Sie keine Bedenken, in einem Remake mitzuwirken?
CRAIG: So eine Geschichte mit David Fincher als Regisseur – das war ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen konnte. Dass es sich um ein Remake handelte, war mir vollkommen egal. Ich wollte das Projekt unterstützen, weil solche Filme, die sich explizit an ein erwachsenes Publikum richten, in Hollywood kaum noch gedreht werden. Dieser Film behandelt sehr wichtige Themen und setzt sich mit dem Missbrauch von Macht auf verschiedenen Ebenen auseinander. Ich habe die Hoffnung, dass, wenn dieser Film an der Kinokasse erfolgreich ist, andere Studios sich auch wieder an solche Projekte herantrauen. Ich möchte im Kino wieder Werke wie "Der Pate" sehen, die beste Unterhaltung bieten und sich trotzdem mit eindeutig erwachsenen Themen beschäftigen.
Wenn der Film erfolgreich ist, werden auch noch die beiden Folgeromane verfilmt, und Sie werden die nächsten Jahre allein mit James Bond und Mikael Blomkvist verbringen…
CRAIG: Was für einen Schauspieler ja ein sehr luxuriöses Problem ist. Ich habe unterschrieben, dass ich für zwei weitere Folgen zur Verfügung stehe und würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung gibt. Aber das liegt nicht in meiner Hand. Das ist eine ökonomische Entscheidung, die allein beim Studio liegt.
Wie gehen die Dreharbeiten zum neuen Bond voran?
CRAIG: Zurzeit drehen wir gerade in den Studios in London. Mit einem Regisseur wie Sam Mendes und einer Traumbesetzung von Ralph Fiennes über Javier Bardem bis zu Judi Dench genieße ich jede Minute beim Dreh. Stilistisch versuchen wir, verschiedene Themen aus den alten "Bond"-Filmen aufzunehmen.
Und über die Story dürfen Sie uns nichts verraten? Es wird gemunkelt, dass Bond sich mit seiner Vorgesetzten "M" in die Wolle kriegt.
CRAIG: Dazu kann ich nichts sagen, aber ich persönlich habe mit "M" kein Problem.
Vom 12. Januar an in den Kinos
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