Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 24.05.2012 als PDF zum Downloaden.
"Nicht alles passt zu meiner Stimmlage"
Der britische Sänger Paul Potts hat Puccini hinter sich gelassen und widmet sich nun bekannten Filmmelodien. Der Tenor, der mit der Arie "Nessun dorma" bekannt wurde, hat für seine Tournee, die über Frankfurt führt, Musik aus "Der Pate" und "Gladiator" ausgewählt.
Frankfurt. ![]()
Paul Potts (41) bewundert den Tenor José Carreras. Foto: dpaEin Werbespot im Fernsehen und eine britische Castingshow machten Paul Potts quasi über Nacht berühmt. Der lyrische Tenor gilt inzwischen als Spezialist im Crossover, also in der Verschmelzung von klassischer Musik mit populären Melodien. Bevor der Brite, der stets mit einer Kanne Tee die Bühne betritt, am 18. November auch in der Frankfurter Jahrhunderthalle gastiert, hatte Joachim Schreiner die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm.
Mr. Potts, Sie wurden berühmt durch einen Videospot, in dem Sie die Arie "Nessun Dorma" sangen. Würden Sie an einem solchen Castingwettbewerb noch einmal teilnehmen, und wenn ja, würden Sie die selbe Arie wieder wählen?
PAUL POTTS: Wenn ich noch mal die Gelegenheit hätte, würde ich alles genauso machen. "Nessun Dorma" ist ein kraftvolles Stück Musik im typischen Puccini-Stil. Es hat auch Symbolkraft, denn es geht im Text ums Gewinnen gegen alle widrigen Umstände, und ich glaube, das spricht alle Menschen an.
Haben Sie sich schon einmal gewünscht, an einem Opernhaus aufzutreten, dort zu singen?
POTTS: Natürlich, ich liebe die Oper. Aber ich habe erkannt, dass ich nicht den formalen Weg gegangen bin, den ein Opernsänger eigentlich gehen muss. So werde ich es wohl nicht auf die große Opernbühne schaffen. Trotzdem ist es für mich ein Thrill, einige der größten Arien der Opernliteratur live zu singen.
Ihre neue CD gilt der Filmmusik. Was bedeuten Ihnen das Medium Film im allgemeinen und die einzelnen Songs im besonderen? Haben Sie die Lieder alleine ausgewählt, oder haben da Berater oder Produzent mitgewirkt?
POTTS: Schon im Alter von zehn Jahren schaute ich Filme und entwickelte Interesse an Orchestermusik. Von da an entdeckte ich die Musik von Mozart, Brahms und Tschaikowsky. Filmmusik ist ein großer Teil dessen, was den Film eben ästhetisch ausmacht. Und es ist eine wirkliche Herausforderung, die Stücke zu singen. Komponisten wie Nino Rota, Hans Zimmer und Ennio Morricone haben Bahnbrechendes auf diesem Gebiet geleistet. Stücke wie "Cinema Paradiso’s Love Theme", "Parla più piano" aus "Der Pate" und Zimmers exzellentes Thema aus "Gladiator" repräsentieren das neue Album. Auf Tour werden mehr Morricone- und Rota-Klassiker, zudem "Nella Fantasia" und "Un Giorno per noi" aus "The Mission" sowie "Romeo and Julia" gesungen. Es war ein harter Job, aus einer Liste von 300 Titeln die passenden Stücke auszuwählen. Dabei hat mich meine Plattenfirma Sony unterstützt.
Sie arbeiten mit der Neuen Philharmonie Frankfurt zusammen. Wie würden Sie den Arbeitsprozess beschreiben?
POTTS: Es ist fantastisch, mit diesem Klangkörper so eng zusammenzuarbeiten. Sie spielen immer unglaublich gut und brachten mich sogar zum Lachen, als sie meinen Ingwer-Tee mit Honig gegen Bier bei einem Auftritt in Basel eintauschten. Ein kleiner Spaß, der den Touralltag lustig auflockerte.
Gibt es Arien oder Lieder, die Sie schon immer mal singen wollten, an die Sie sich aber noch nicht rangetraut haben?
POTTS: Für einen lyrischen Tenor wie mich gibt es immer Arien, die nicht gut zur Stimmlage passen. Viele Wagner-Arien zum Beispiel sind da nicht geeignet; obwohl es mir gelang, große Rollen wie Chevalier Des Grieux in Puccinis "Manon Lescaut" oder Radames aus Verdis "Aida" zu meistern. Es ist einfach wichtig, mit seiner natürlichen Stimme zu singen und nicht zum jugendlich-dramatischen Tenor zu wechseln – das kann sehr gefährlich sein für die Stimme.
Wie gestaltet sich Ihr Konzertprogramm?
POTTS: Die Konzerte werden weitgehend aus Filmsongs bestehen. Es gibt aber auch eine Hommage an Mario Lanza. Und natürlich singe ich auch Stücke von meinen Alben "One Chance" und "Passione".
Jahrhunderthalle Frankfurt, 18. November, 20 Uhr. Karten zu 54,55 bis 78,70 Euro unter Hotline 01805-36 012 40.
Internet http://www.jahrhunderthalle.de
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