Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 23.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Wie der Terror das Leben einer Familie zerstörte
Angelina Jolie ist vor der Berlinale-Premiere ihres Regiedebüts in politischer Mission unterwegs. Stephen Daldry zeigte am ersten Tag seine Romanverfilmung "Extrem laut und unglaublich nah" mit Tom Hanks und Sandra Bullock.
Von A. Nassoufis und E. Vogel (dpa)
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Tom Hanks (l.) und Thomas Horn in "Extrem laut und unglaublich nah" – eine Geschichte über den Terror-Anschlag vom 11. September. Foto: dpaEinen Tag vor der Berlinale-Premiere ihres Regiedebüts "In The Land Of Blood And Honey" machte Angelina Jolie (36) gestern klar, dass sie mehr will als Glanz und Glamour auf dem roten Teppich. Am Nachmittag hatte die US-Schauspielerin ein Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle geplant. Dabei sollte es um ihr Engagement als Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks gehen.
Die Lebensgefährtin von Brad Pitt unternahm in den vergangenen Jahren mehr als 40 Reisen in Krisengebiete und Flüchtlingscamps. Auch Jolies Film nimmt Partei für die Opfer von Krieg und Gewalt. Mit serbischen, kroatischen und bosnischen Schauspielern erzählt "In The Land Of Blood And Honey" die Geschichte einer tragischen Liebe während des Balkankrieges – Täter und Opfer verlieben sich ineinander. "Ich war schon oft in der Region, aber ich konnte nicht wirklich verstehen, was damals passiert war", sagte Jolie. "Ich war extrem frustriert, vor allem wegen der Gewalt gegen Frauen." Um die Hintergründe des Konflikts besser zu verstehen, habe sie begonnen zu recherchieren. Daraus sei ein Drehbuch entstanden. "Die Uno spielte in dem Konflikt keine Glanzrolle", sagte Jolie.
Der Brite Daldry ("Der Vorleser", "Billy Elliot") hat den Bestseller "Extrem laut und unglaublich nah" von US-Autor Jonathan Safran Foer verfilmt, der aus der Sicht des neunjährigen Oskar (sehr einfühlsam gespielt von Thomas Horn) von den Folgen der Attentate auf das World Trade Center am 11. September 2001 erzählt. Bullock und Hanks, die in der Rolle von Oskars Eltern zu sehen sind, waren allerdings nicht nach Berlin gekommen, um den Film, der außer Konkurrenz lief, persönlich vorzustellen. "Es gibt sehr viele Geschichten, die über den 11. September erzählt werden könnten. Das hier ist nur eine über einen einzelnen katastrophalen Verlust innerhalb einer Familie", sagte Daldry. "Mich irritieren immer noch viele Dinge, zum Beispiel, dass das Thema in amerikanischen Schulen nicht auf dem Lehrplan steht. In den USA wachsen Kinder auf, die schlichtweg nicht wissen, was passiert ist, warum es passiert ist und welche Konsequenzen es hatte", sagte Daldry.
Im Film findet Oskar im Schrank seines bei den Anschlägen ums Leben gekommenen Vaters einen Schlüssel. Er ist sich sicher, dass sein Vater ihm etwas hinterlassen hat – und so streift der Junge durch New York, immer in der Hoffnung, das zu dem Schlüssel passende Schloss zu finden. Max von Sydow spielt einen älteren Mann, der bei Oskars Großmutter zur Untermiete lebt und dem Jungen bei seiner Suche hilft. Es sind tragische Bilder, die der Film in Erinnerung ruft. Menschen, die in einem der Hochhaustürme gefangen sind. Menschen, die ihre Liebsten ein letztes Mal anrufen, die zurückbleiben, ohne wirklich zu leben.
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