Kommentar: Eine Pflege-WG macht Sinn

Lothar KleinAls die Pflegeversicherung 1995 eingeführt wurde, dachten die damaligen Sozialpolitiker der regierenden bürgerlichen Koalition, Norbert Blüm (CDU) und Dieter-Julius Cronenberg (FDP), noch nicht einmal im Traum daran, dass sich pflegebedürftige Menschen in Wohngemeinschaften zusammenfinden könnten. Die damalige Philosophie und Realität der neuen Sozialversicherung kannte eigentlich nur zwei Formen der Unterstützung: Die Pflege zu Hause im Kreis der Familie oder in schwierigeren Fällen im Heim.

Beinahe 20 Jahre nach ihrer Einführung hat sich nicht nur die Zahl der Pflegefälle erheblich vergrößert. Die Bedürfnisse der hilfesuchenden Kranken und deren Angehörigen unterliegen ebenfalls einem gesellschaftlichen Wandel. Bislang standen sogenannte Pflege-Wohngemeinschaften aber erhebliche bürokratische Hürden im Weg, um sich Wohnung und Pflegedienstleistungen zu teilen. Ähnlich wie vor Jahren bei der Kleinkinderbetreuung vollziehen Union und FDP diesen veränderten Bedarf jetzt gesetzlich nach.

Es macht sowohl im Interesse der Betroffenen als auch im Interesse der Solidargemeinschaft Sinn, die Pflege-WG zu fördern. Solche Lebensgemeinschaften entsprechen dem Bedürfnis der Pflegebedürftigen, so lange als möglich in einer privaten Umgebung leben zu können. Dort finden sich Menschen zusammen, die sich noch gegenseitig helfen und/oder notwendige Hilfsleistungen sinnvoll bündeln können. Es ist gut und richtig, dass der Staat solchen Wohngemeinschaften mit Investitionszuschüssen zum pflegegerechten Umbau der Wohnung unter die Arme greift. Häufig mangelt es am Geld, weil die sonstigen Pflegekosten bereits die Ersparnisse aufgefressen haben.

Mit dem neuen Pflege-WG-Modell können Kranke nicht nur gemeinsam Pflegedienstleistungen finanzieren. Sie können auch Hilfskräfte anheuern, die stundenweise Botengänge oder Einkäufe erledigen. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe und ermöglicht den Erhalt der Selbstständigkeit, auf die Pflegebedürftige besonderen Wert legen.

Auch für die hinter der Pflegekasse stehende Solidargemeinschaft zahlt sich die Pflege-WG aus. Nichts ist teurer für die Pflegekasse als das Pflegeheim. Jeder Tag in einer WG entlastet die Beitragszahler. Es ist zu hoffen, dass die Pflegeversicherung sich in Zukunft rascher neuen Formen des Zusammenlebens oder der gemeinsamen Organisation von ambulanten Hilfestellungen öffnet. Es gibt beispielsweise Nachbarschaftsgemeinschaften und Mehrgenerationenhäuser, in denen hilfsbedürftige Menschen kooperieren. Vermutlich werden sich in Zukunft weitere Formen entwickeln.

Bericht Seite 2

politik@fnp.de

  • Zurück
  • Versenden
  • Kommentar
  • Druckansicht
    • Delicious
    • Mr. Wong
    • Linkarena
    • Google
    • Yigg
    • Oneview
    • Facebook
    • Facebook

Wetter in Frankfurt am Main

Jetzt

sonnig

16 °C

Morgen

sonnig

12 °C | 21 °C

Übermorgen

sonnig

10 °C | 21 °C

Anzeige

Nachrichten-Archiv

April
1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30
Mai
123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031

Zum Thema

FNP-Testabo bestellen

Lesen, was Sache ist: Das FNP-Probeabo! 14 Tage kostenlos.

Umfrage: Tempo 30 in der Nacht

Um die Lärmbelästigung für die Anwohner zu reduzieren, testet die Stadt Frankfurt ab Herbst ein Tempolimit von 30 Km/h auf den Hauptverkehrsstraßen. Was halten Sie davon?

Ihre Tageszeitung als PDF

Frankfurter Neue Presse

Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 24.05.2012 als PDF zum Downloaden.

Ihre Meinung

Anzeige

Extras

Die FNP mobil lesen

Tausende lesen die FNP schon auf dem iPhone. Die neue Version der App ist noch umfangreicher und schneller. Es gibt sie im App-Store.

Wir bei Twitter

Folge uns unter twitter.com/fnp_zeitung. Ständig aktuelle Tweets zu Nachrichten aus der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis.