Bei der Union setzt sich "Neuer Realismus" durch

Fondsgesellschaft reagiert auf den Strukturwandel der Branche mit der zunehmenden Abkehr von klassischen Publikumsfonds

Kunst und Kapitalanlage zeigen gemeinhin keine historischen Parallelen. Bei der Strategie der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken wird nun eine sichtbar.

Von Panagiotis Koutoumanos

Frankfurt. Union-Vorstandschef Hans Joachim Reinke Erringt die Union Investment für die deutsche Fondsbranche die Bedeutung, die der französische Maler Gustave Courbet für die europäische Kunst inne hat? Courbet gilt als der bekannteste Vertreter des "Neuen Realismus", der sich Mitte des 19. Jahrhunderts als Gegenbewegung gegen die historisierenden und idealisierenden Darstellungen des Klassizismus durchsetzte. Als "Neuer Realismus" bezeichnet nun auch die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken ihre neue Sicht auf das Fondsgeschäft – vor allem auf die zunehmende Abkehr der Privatanleger von klassischen Fondsprodukten wie Aktien- oder Rentenfonds.

Im Zuge dessen "ersetzen wir in unserem Produktangebot den klassischen Fonds zunehmend durch langfristige, am Kundenbedarf orientierte Anlagelösungen", wie Union-Vorstandschef Hans Joachim Reinke gestern in Frankfurt betonte. Ein Prozess, der als Gegenbewegung zur historisierenden und idealisierenden Darstellung klassischer Fonds verstanden werden könnte, die in weiten Teilen der Branche weiter vorherrscht – wo beispielsweise immer wieder die Charts auf den Tisch kommen, die die erfolgreiche Performance vergangener Jahrzehnte nachzeichnen, die Anleger aber immer seltener von Investments zu überzeugen vermögen. "Das Umfeld ist seit der Beginn der Krise nicht mehr dasselbe und die Kundenbedürfnisse haben sich erheblich geändert", kommentierte Reinke die Entwicklung.

Privatanleger bleiben aus

So will der Union-Chef verstärkt Produkte zur Altersvorsorge, Sparpläne und die relativ neue Fondsgruppe PrivatFonds anbieten, bei der die Anleger je nach Sicherheitsbedürfnis unter verschiedenen Mischfonds auswählen, die zum Teil auch Wertsicherungskonzepte beinhalten. Produktkategorien, in denen die Union im vergangenen Jahr zirka anderthalb Milliarden Euro an Nettomittelzuflüssen verbuchte. Die branchenweite Talfahrt im Publikumsgeschäft konnten diese Produkte aber auch beim Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken nicht abbremsen: Nachdem 2010 die Privatanleger bei der Union 0,3 Milliarden Euro netto abgezogen hatten, verstärkten sich diese Abflüsse im vergangenen Jahr auf 2,1 Milliarden Euro. Zum größten Verlierer wurden dabei die Rentenfonds, wo aufgrund des Niedrigzinsumfeldes allein der UniOpti4 unterm Strich 2,2 Milliarden Euro verlor. Die Aktienfonds wurden um 797 Millionen erleichtert. Die Union reagierte bereits 2011 auf die Entwicklung, bereinigte ihre Fondspalette gleich zweimal um Produkte aus diesen Kategorien. "Die Schließung und Zusammenlegung von Fonds wird weiter zunehmen", bestätigte Reinke gestern.

Zu den ganz wenigen Gewinnern unter den Asset-Klassen gehörten auch bei der Union die Immobilienfonds. Von den 1,2 Milliarden Euro netto, die diese Klasse 2011 branchenweit einsammelte, entfielen 537 Millionen Euro auf die Union – obwohl die Gesellschaft die Anteil-Rücknahme für ihren Uniimmo Global nach dem Atom-Unglück in Japan vorübergehend aussetzte. Die Union teilt sich die Gesellschaft im wesentlichen mit dem Sparkassen-Fondsdienstleister Deka und der CommerzReal.

Profis kommen wieder

Die insgesamt schlechte Entwicklung bei den Publikumsfonds hält laut Reinke in diesem Jahr an. Demnach flossen da im Januar rund 200 Millionen Euro unterm Strich ab. Gut, dass sich im Vergleich dazu das Geschäft mit den professionellen Anlegern offenbar wieder erholt: 522 Millionen Euro netto sammelte die Union in den ersten Wochen 2012 bei den Spezialfonds ein. Im gesamten vergangenen Jahr investierten institutionelle Anleger nur 600 Millionen Euro – nach 9,0 Milliarden Euro im Vorjahr. So sackte auch der Vorsteuergewinn von 372 Millionen Euro im Vorjahr auf 266 Millionen Euro ab. Das gesamte verwaltete Vermögen sank von 177,4 auf 170,3 Milliarden Euro.

Zumindest im Vergleich zu Courbet befindet sich die Union mit ihrer Ertragslage in einer komfortablen Situation – in einem politischen Prozess gegen den Maler wurde dessen gesamtes Vermögen konfisziert, so dass dieser 1877 völlig verarmt in der Schweiz starb.

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