Russland liefert weniger Gas nach Westen

Moskau/Brüssel/Essen. Das Konsortium Nord Stream teilte mit, die Liefermengen durch die Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland seien unabhängig von der Eiseskälte stabil. Foto: Stefan SauerEuropa erhält mitten im eiskalten Winter weniger Gas aus Russland. Zwar streiten der russische Staatskonzern Gazprom und westliche Abnehmer sowie die Ukraine als wichtigstes Transitland über die Ursache für die Kürzungen.

Doch alle Seiten versicherten, es herrsche kein Notstand. Die Verträge erlaubten Moskau durchaus, die Mengen zu reduzieren, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Freitag in Brüssel. Verbraucher und Industrie müssten keine Engpässe fürchten. "Die Erdgaslager in der EU sind voll."

Gazprom wies jede Schuld von sich. "Die Europäer bitten um mehr, als wir zu liefern verpflichtet sind", sagte Sergej Komljew vom Tochterunternehmen Gazprom-Export nach Angaben der Agentur Interfax. Zuvor hatte Gazprom wie in der Vergangenheit der Ukraine indirekt vorgeworfen, illegal Gas aus Transitleitungen abzuzapfen. Wegen der extremen Kälte erreichte der Verbrauch dort Rekordwerte. Die EU forderte, dass die Ukraine zu allen Transit-Zusagen stehe.

Der deutsche Energieriese Eon reagierte gelassen. "Gazprom liefert uns heute eine um rund ein Drittel eingeschränkte Gasmenge", sagte Sprecher Adrian Schaffranietz der Nachrichtenagentur dpa in Essen. Das Unternehmen sei aber für diesen Fall gut gerüstet. Das Konsortium Nord Stream, an dem Gazprom die Mehrheit hält, teilte der dpa mit, die Liefermengen durch die neue Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland seien unabhängig von der Eiseskälte stabil.

Die EU beschwichtigte. Jeder Mitgliedstaat habe Vorräte für einen Monat, sagte Oettingers Sprecherin. Zudem könnten sich Länder bei anderen Staaten Gas zukaufen. Russland ist der wichtigste Gaslieferant der EU. Gazprom liefert nach eigenen Angaben wegen der extremen Kälte mehr Gas als sonst Richtung Westen.

Dagegen sagte der ukrainische Energieminister Juri Boiko in Kiew, Gazprom pumpe jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas in die Pipelines durch die Ukraine als vereinbart. Die Ex-Sowjetrepublik beteuert, alle Verträge zu erfüllen. Das finanziell angeschlagene Land habe allein an den vergangenen drei Tagen wegen der Eiseskälte etwa eine Milliarde Kubikmeter Gas verfeuert, sagte Regierungschef Nikolai Asarow. Diese Menge würde sonst zwei Wochen reichen.

"Die Ukraine trägt als Transitland für Erdgas eine besondere Verantwortung", sagte Präsident Viktor Janukowitsch der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag). Er warf Russland vor, mit hohen Gaspreisen die nationale Sicherheit der Ukraine zu gefährden. Zwischen den Nachbarländern gibt es immer wieder Streit um Gaslieferungen und -preise. 2009 hatte ein "Gaskrieg" zu wochenlangen Engpässen auch in der EU geführt. Danach hatten die EU-Staaten ihre Lager ausgebaut und nach Alternativen gesucht.

Nach EU-Angaben ist die Liefermenge besonders in Österreich dramatisch gesunken, wo 30 Prozent weniger Gas angekommen seien als gewöhnlich. Italien klagte über eine Kürzung von 29 Prozent.


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