Über 100 000 Griechen kassieren Geisterrenten

Dass Griechenlands Bürokratie-Krake riesig, aber völlig ineffizient ist, hat sich mittlerweile in ganz Europa herumgesprochen. Über eine Schlagzeile des Frühsommers, wonach 321 der über Hundertjährigen die regelmäßig Rente beziehen, längst tot waren, schüttelten wir noch schmunzelnd den Kopf. Die Hinterbliebenen hatten deren Ableben verschwiegen, um weiter die Rente zu kassieren.

So mancher Grieche verschwieg dem Staat bisher das Ableben eines lieben Verwandten und kassierte weiter dessen Rente. Das soll nun anders werden. Symbolfoto: dpa Frankfurt. Doch bei den jüngst veröffentlichten Zahlen der größten griechischen Rentenkasse IKA stockt einem der Atem: Danach drängen sich im Himmel über Hellas weit mehr Geisterrentner – also Verstorbene, auf deren Namen weiterhin Rentenzahlungen laufen – als bislang vermutet. Über 100 000 sollen die Sozialkassen auf diese krumme Tour plündern.

Um diesem unglaublichen Phänomen der Geisterrenten auf die Spur zu kommen, sollten sämtliche bei der IKA gemeldeten Anspruchsberechtigten bis zum 30. September bei ihrer Bank vorsprechen, um sich dort registrieren zu lassen. Das Erstaunen war groß: Erschienen waren knapp 900 000 Rentner. Geld fließt aber an 109 421. IKA-Geschäftsführer Rovertos Spiropoulos rechnete hoch und kam zum Ergebnis, dass 110 000 Geisterrentner der Rentenkasse einen jährlichen Verlust von 1,5 Milliarden Euro verursacht. Das macht 15 Milliarden Euro in zehn Jahren. Eine gewaltige Summe angesichts der 6,5 Milliarden Euro, die allein sein Arbeitsministerium laut neuestem Sparplan einsparen soll.

Griechenlands Arbeitsminister George Koutroumanis nannte die Entdeckung "unglaublich". Dabei war vor allem unglaublich, dass der Staat etwa einem 130-Jährigen jahrzehntelang klaglos Rente gezahlt hatte, ohne auch nur ein einziges mal zu prüfen, ob der Mann überhaupt noch lebt.

Das seien "Dritte-Welt-Phänomene", die man in einem europäischen Land nicht dulden dürfe, schimpfte Koutroumanis. Der schockierte Arbeitsminister will nun sämtlichen Rentenkassen und Versicherungen des Landes einen solchen Zensus vorschreiben.

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