Wende auf dem Pharmamarkt: Preisverhandlungen

Berlin. Jahrelang galten die Preise für neue Arzneimittel als zu hoch. Nun handeln Krankenkassen und Industrie den Preis erstmals aus - Ausgang offen. Foto: Armin WeigelBei den ersten Preisverhandlungen über Arzneimittel nach den Regeln der schwarz-gelben Pharmareform deutet sich ein hartes Ringen an. "Das werden sehr intensive Gespräche werden", sagte der Verhandlungsführer des Pharmakonzerns AstraZeneca, Claus Runge, der Nachrichtenagentur dpa.

An diesem Montag starten in Berlin die ersten Verhandlungen nach den Vorgaben des Arzneigesetzes AMNOG, mit dem Ex-Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) das Preismonopol der Pharmaindustrie brechen wollte. Der Spitzenverband der Krankenkassen verhandelt mit AstraZeneca bis Mitte des Jahres über den Erstattungspreis der Kassen für den neuen Blutverdünner Ticagrelor (Brilique), der ein großes Umsatzpotenzial hat.

Beide Seiten betonten, ihnen gehe es um einen fairen Preis. Doch ist es wahrscheinlich, dass sie keineswegs dasselbe darunter verstehen. Der Vizechef des Kassen-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, hatte der dpa bereits zu Jahresbeginn gesagt, dies bedeute für ihn, "dass sich die Gewinne der Pharmaindustrie am Zusatznutzen für die Patienten orientieren und nicht an den Wunschvorstellungen der Aktionäre". Runge betonte, das neue Präparat sei eine echte Innovation.

Bei den Verhandlungen allein über dieses Produkt für Herzinfarktpatienten geht es unterm Strich um mögliche Einsparungen bei den Arzneikosten im zweistelligen Millionenbereich. Zuletzt gaben die Kassen rund 32 Milliarden Euro für Arzneimittel aus.

Von den ersten Verhandlungen wird eine Signalwirkung für Dutzende weitere Verhandlungsrunden zu anderen Mitteln erwartet, die nun anstehen. Solchen Verhandlungen geht eine Prüfung des Zusatznutzens dieser Mittel gegenüber Altbewährtem durch den Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Kassen und Kliniken voraus.

Strittig dürfte unter anderem werden, wie stark sich der Erstattungspreis in Deutschland an Preisen in anderen europäischen Ländern orientiert. Diese sind zwar niedriger als in Deutschland. Aber sie sind im Fall von Ticagrelor nach Angaben aus Kassenkreisen deutlich höher als Kosten für Standardtherapien mit älteren Mitteln, die die Kassen als wesentlichen Vergleichsmaßstab heranziehen wollen.



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