Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 25.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Genetische Geschichte der Schafe geklärt
Die seit Jahrtausenden währende Nutzung von Schafen als Fleisch-, Milch-, und Woll-Lieferanten hat rund um den Erdball Spuren im Erbgut der Tiere hinterlassen.
Bestimmte Gene der Schafe haben sich als Anpassung an die menschlichen Züchtungsbemühungen verändert, berichten Wissenschaftler im Journal "PloS Biology". Die genetische Vielfalt sei aber weiter so groß, dass die Tiere auch in Zukunft eine bedeutende Rolle für die Versorgung der Menschen spielen können.
Das Schaf ist eines der ersten vom Mensch domestizierten Tiere. Zunächst wegen ihres Fleisches begannen vermutlich vor etwa 11 000 Jahren Menschen damit, sich Schafe zu halten. Vor 4000 bis 5000 Jahren wurden die Tiere dann zunehmend wegen ihrer Milch und ihrer Wolle gehalten – und auch gezüchtet.
Vor Beginn der Domestizierung war die genetische Vielfalt unter den Schafen sehr groß, berichten die Forscher um James Kijas von der nationalen australischen Wissenschaftsorganisation CSIRO (Brisbane/Australien). Sie hatten das Erbgut von mehr als 2800 Schafen aus 74 Zuchten in Asien, Afrika, Nord- und Südamerika, Australasien, der Karibik, dem Nahen Osten sowie aus Europa analysiert. Im Besonderen untersuchten sie die Variabilität an 50 000 Stellen im Genom.
Im Gegensatz zu vielen anderen domestizierten Tieren, wie zum Beispiel den Hunden, hätten die Schafe nach der Domestizierung eine hohe Variabilität im Erbgut behalten. Zum einen seien vermutlich schon relativ viele verschiedene Wildschafe mit unterschiedlichen Erbgutmerkmalen domestiziert worden. Zum anderen habe es möglicherweise immer wieder Kreuzungen mit Wildschafen gegeben.
Aber auch der Mensch hat dazu beigetragen, dass die Schafe genetisch nicht verarmten, schreiben die Forscher: Züchter und Händler transportierten immer wieder Tiere von einem Land zum anderen. So seien vom frühen Mittelalter an britische Zuchttiere auf den europäischen Kontinent gebracht worden; Wollschafe wurden zu bestimmten Zeiten aus Italien exportiert. So kam es immer wieder zu neuen Kombinationen.
Die Wissenschaftler identifizierten insgesamt 31 Regionen im Erbgut der Schafe. dpa
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