Die zementierte Meinung des Volkes
Die Zahlen sprechen für sich: Die Wähler wollten den Wechsel im Rathaus. Amtsinhaberin Dr. Ursula Jungherr gelang es lediglich, drei Wahlbezirke und zwei Briefwahlbezirke zu gewinnen. Alle anderen fielen an Michael Korwisi.
Bad Homburg. Solch einen klaren Wahlausgang hatte wohl keiner erwartet. Schließlich schien die höhere Wahlbeteiligung von 45,8 gegenüber 41,4 Prozent vor zwei Wochen für Dr. Ursula Jungherr (CDU) zu sprechen. Doch Michael Korwisi (unabhängig mit Grünen-Parteibuch) gelang es, ebenfalls «Neu»-Wähler zu mobilisieren. Und da auch die SPD-Wähler des ersten Wahlgangs der Empfehlung ihrer Partei gefolgt waren, Korwisi zu wählen, hatte Jungherr keine Chance.
Insgesamt konnte Jungherr 7151 Wähler für sich gewinnen – lediglich 942 mehr als vor 14 Tagen. Korwisi konnte 10 513 Personen hinter sich vereinen. Das bedeutet, er hat nicht nur die 3447 Krug-Wähler, sondern auch 817 Nichtwähler des ersten Wahlgangs mobilisiert.
Der Sieg Korwisis zieht sich durch alle Wahlbezirke (Wb) und Stadtteile. Lediglich im Wahlbezirk 11, Volkshochschule, im Vereinshaus Dornholzhausen (Wb 25) und an der Ellerhöhe (Wb 14) erzielte Jungherr Ergebnisse über 50 Prozent. Selbst in den 8 Briefwahlbezirken, die sonst von der CDU dominiert wurden, konnte sie nur 2 gewinnen.
Nur Dornholzhausen geht an Jungherr
Besonders deutlich lag Korwisi – wie auch schon vor zwei Wochen – in der Berliner Siedlung und dem Gebiet rund um den Platzenberg vorne. Hier erreichte er Ergebnisse von über 70 Prozent. Im Wb 5 (Humboldtschule) erreichte er mit 78,1 Prozent das beste Ergebnis. Offenbar nutzte auch die Entscheidung des Planungsverbandes, den strittigen Acker am Bommersheimer Weg aus dem Flächennutzungsplan zu nehmen, Jungherr nichts. Aber auch in Gonzenheim und Ober-Eschbach lag der ehemalige Stadtrat durchgehend mit über 60 Prozent deutlich vor der Amtsinhaberin. Im Ortskern Ober-Eschbach erzielte er sogar über 70 Prozent Zustimmung. Und dass Jungherr gegen den Ur-Kirdorfer in dessen Stadtteil nicht den Hauch einer Chance hatte, stand von Anfang an fest.Etwas knapper ging die Stichwahl in Ober-Erlenbach aus, aber auch hier gewann der 57-Jährige alle Wahlbezirke. Ähnlich das Bild in der Innenstadt. Jungherr gelang es allenfalls, das Rennen offen zu gestalten, doch am, Ende stand stets Korwisi als Sieger fest.
Wenn es in dieser für Jungherr so verkorksten Wahl noch so etwas wie eine Hochburg gab, so war es Dornholzhausen. Aber selbst hier musste sie sich in zweien der drei Wahlbezirke knapp geschlagen geben. Dafür gewann sie den dritten deutlich.
Offenbar ist es der Rathaus-Chefin und der CDU nicht gelungen, im gegnerischen Lager zu «wildern». Der schleppende Beginn des Wahlkampfs konnte dann auch durch großen Einsatz der vergangenen Tage nicht mehr wettgemacht werden. Die Meinung der Wähler war zementiert. Pestalozzischule, Albin-Göhring-Halle und Diskussionen um den Krankenhaus-Standort waren zu viele Baustellen, als dass sie die Rathaus-Chefin hätte an anderer Stelle (Kindergartenbetreuung) hätte ausgleichen können – und die offenbar auch eine Sogwirkung entwickelt haben, die dem «Kirdorfer Volkstribun» in die Hände spielte.
Umso bemerkenswerter, dass ein Thema kaum eine Rolle spielte: das Louisen-Center. Die Vorgänge um das Einkaufszentrum waren den Wählern offenbar zu abstrakt.aw