Ganz schön Up-gefahren: großer Kleiner von VW
Der Lupo war seiner Zeit voraus, aber zu teuer. Der aus Brasilien eingeschipperte Fox nicht mehr als eine Notlösung. Doch jetzt geht’ s up: Dieser Mini von VW hat das Zeug zum Erfolgsmodell.
Frankfurt. ![]()
Nur die Start-Stopp-Automatik fehlt: der kleine VW Up. Foto: fnp Warum nicht gleich so, möchte man fragen. Wir lassen es, da man aus großen Konzernen zu solchen Fragen ohnehin keine verwertbaren Antworten bekommt. Wir überlassen also dem Up die Bühne. Klein ist er, oh ja, und gerade mal dreieinhalb Meter lang. Trotzdem wirkt er recht erwachsen. Kein Retro, kein Gekünstel. Stattdessen: eine Optik der modernen Sachlichkeit. VW eben. Im Innenraum setzt sich das fort: kein spleeniges Gefummel, sondern ergonomisch stimmige Übersichtlichkeit und solide Verarbeitung. VW eben – hatten wir das nicht gerade?
Volkswagnerisch gibt der Up sich auch unterwegs. Vorne sitzt es sich ausgesprochen bequem, hinten hält man es zu zweit auch mal ein paar Stunden aus, ohne ein Liebespärchen sein zu müssen. Und hinter der zweiten Reihe bietet der Kofferraum trotzdem noch 251 Liter Schluckvermögen, denen sich allerdings eine recht hoch geratene Ladekante entgegen sperrt. Auch am Fahrverhalten des Fronttrieblers lässt sich kaum herumnörgeln: Das Leichtgewicht wieselt munter um die Ecken, die Federung bügelt Schlampereien und Winterschäden im Asphalt ordentlich flach.
Geschmacksache ist dagegen das Motörchen. Der kleine Dreizylinder werkelt in Verbindung mit einem leicht und exakt schaltbaren Fünfganggetriebe zwar recht munter vor sich hin – aber erst, nachdem die 75 Pferdchen der Topmotorisierung beim Anfahren via Gaspedal einen beherzten Tritt in den Hintern bekommen haben. Und jenseits von Tempo 130 wird die Angelegenheit dann auch wieder reichlich zäh. An ersteres kann man sich gewöhnen, zweiteres stört bei überwiegendem Stadteinsatz nicht weiter.
Dagegen bleibt immer und überall der knurrende Klang der drei Töpfe unter der Haube präsent – Wunder können sie eben auch bei VW nicht vollbringen. Ein bisschen mehr Einsatz wäre aber an anderer Stelle weiß Gott keine große Sache gewesen: Warum, bitte sehr, verzichtet ausgerechnet das Stadtauto von VW auf die Segnungen einer Start-Stopp-Automatik für den Ampelverkehr? Das Ende vom kernigen Lied: Unser Testverbrauch von fast sechseinhalb Litern setzt in der Klasse der automobilen Winzigkeiten nun nicht gerade neue Maßstäbe.
Fazit: Man kann in einem Stadtauto nicht alles haben. Mit dem Up gibt es jedoch sehr viel Auto zu einem noch überschaubaren Preis. Und wer bei Ausstattung und Leistung (60 PS) knausert, kommt mit 9850 Euro davon.
Kurzsteckbrief
VW Up 1.0 Black: Dreizylinder, 999 ccm, 75 PS, 95 Nm bei 3000 U/min, 0-100 km/h in 14,0 Sek, Spitze 171 km/h, EU-Normverbrauch 4,7 l/100 km (Super), Testverbrauch 6,4 l/100 km, CO2-Emission 108 g/km, Länge 3540 mm, Gewicht 938 kg. Preis: 14 300 Euro. mahu


