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Angst vor Armut schon bei Kindern weit verbreitet
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Viele Kinder sorgen sich um ihre Zukunft. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv Frankfurt. Jedes dritte Kind in Hessen hat Angst, als Erwachsener einmal arm, arbeitslos oder sogar obdachlos zu sein. Das ist das Ergebnis des repräsentativen LBS-Kinderbarometers, dessen Länderbericht für Hessen am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde. Auch Probleme in der Familie oder Krankheiten sind Grund für Zukunftsängste bei Kindern. Ganz oben in der Beliebtheitsskala der Schüler stehen allen Vorurteilen zum Trotz nicht Computerspiele: Den meisten Spaß haben sie beim Sport und bei Aktivitäten mit Freunden. Mehr als jedes dritte Kind treibt am liebsten Sport.
Für die Studie wurden vor einem Jahr rund 10 000 Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren in ganz Deutschland befragt, wie die Landesbausparkasse Hessen-Thüringen berichtete. In Hessen haben 731 Schulkinder die Fragen beantwortet, sagte Anja Beisenkamp vom Prosoz-Institut für Sozialforschung. Die LBS Hessen-Thüringen und die "hessenstiftung - familie hat zukunft" (Bensheim) haben den Länderbericht gefördert. Vergleiche zum letzten LBS-Kinderbarometer von 2009 gebe es nicht, sagte Beisenkamp. Damals seien andere Fragen gestellt worden.
Die Furcht vor Armut und Arbeitslosigkeit sei sicher geprägt durch Gespräche in den Familien und die Berichterstattung in den Medien, sagte Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). Um den Kinder die Angst zu nehmen, müsse ihnen vermittelt werden, dass Bildung dieses Schicksal abwenden kann. "Bildung ist der Schlüssel gegen Zukunftsangst", sagte Grüttner als Schirmherr des LBS-Kinderbarometers. Eltern sollten ihren Kindern ihre Sorgen zwar nicht verschweigen, aber sie ihnen kindgerecht erklären, meint der baden-württembergische Psychotherapeut Roland Raible. "Wenn Eltern ihre Sorgen um die eigene Arbeitslosigkeit unreflektiert in die Familien tragen, ist es denkbar, dass dies das eigene innere Verhältnis der Kinder zur Arbeitswelt vorprägt", sagte Raible der dpa. Kinder könnten so die Arbeitswelt als etwas Gefährliches erleben. Das Thema "Arbeit und Arbeitswelt" müsse weit mehr als bisher in den Schulen thematisiert werden.
Auf die Frage, wovor sie am meisten Angst haben, wenn sie an die Zukunft denken, konnten die Kinder mit ihren eigenen Worten antworten. Nur sieben Prozent sagten, sie fürchteten sich vor gar nichts. Jeweils elf Prozent haben Angst vor Krankheit oder Problemen in der Familie wie Trennung. Sechs Prozent fürchten sich vor Krieg, fünf Prozent machen sich Sorgen um die Umwelt, und ebenfalls fünf Prozent haben Angst davor, Opfer eines Verbrechens zu werden.
Dass Computerspiele erst auf Platz elf bei den liebsten Aktivitäten der Kinder stehen, findet Prof. Wassilo Fthenakis vom Beirat der hessenstiftung überraschend, aber auch nicht ganz unproblematisch. Die Zukunft sei in höchstem Maß von Medientechnologien bestimmt, deshalb müsse Medienkompetenz möglichst früh erworben werden. Das klassische Bildungssystemsei aber dafür nicht ausreichend - auch in den Familien müsse dafür gelernt werden.
Fthenakis, Pädagoge und Psychologe, rief dazu auf, für politische Entscheidungen immer auch die Kinder selbst zu befragen. "Wir unterschätzen die Kinder systematisch, sie können Ideen liefern." Erst allmählich würden die Kinder in der Gesellschaft ernst genommen, Zeichen dafür seien die UN-Konvention zu den Rechten des Kindes oder das im Bürgerlichen Gesetzbuch ausdrücklich festgehaltene Recht der Kinder auf den Umgang mit den Eltern - etwa nach einer Scheidung.



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