29.05.2010 Rhein-Main/Hessen

Bundesregierung soll Federführung übernehmen und Verkehrslärm mitberücksichtigen

Von Christiane Warnecke

Zur Vorlage seines Nachhaltigkeitsberichts hat Fraport ausgerechnet auf die Baustelle für die neue Landebahn eingeladen. Kein Widerspruch, meint Vorstandschef Schulte. Er will zeigen, wie sich der Flughafen für die Region engagiert – trotz des Eingriffs in die Natur. Zum Beispiel mit einer Lärmstudie.

Frankfurt. Die Ausmaße sind gewaltig. Lastwagen und Kräne wirken wie Spielzeuge auf der riesigen Sandfläche, die schon bald mit Asphalt bedeckt wird. Hier, wo einst Vögel im Wald zwitscherten, werden in gut einem Jahr die ersten Flieger aufsetzen. Auf der Landebahn Nordwest, um die so lange und erbittert gestritten wurde.

Erstmals hat Fraport gestern Journalisten auf die Baustelle eingeladen, aber nicht etwa um den Baufortschritt zu demonstrieren, sondern um den Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens zu präsentieren. Unter dem Begriff versteht der Flughafenbetreiber nicht nur ökologische Bautechniken und die Umsiedlung von Kröten und Fledermäusen. Auch die Schaffung von Arbeitsplätzen gehöre dazu, betonte Vorstandschef Stefan Schulte.

Die zentrale Botschaft war jedoch die Bereitschaft des Unternehmens, eine Lärmstudie mitzufinanzieren. «Ich unterstütze ausdrücklich die Erstellung einer Lärmwirkungsstudie», sagte Schulte und erläuterte, was er sich darunter vorstellt. Er wünsche sich eine unabhängige Untersuchung unter der Führung eines Bundesministeriums, methodisch aufwendiger als die umstrittene Greiser-Studie.

Der Epidemiologe Eberhard Greiser hatte im Auftrag des Umweltbundesamts die Gesundheitsgefahren durch Fluglärm in der Region Köln-Bonn untersucht und einen Zusammenhang mit Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hergestellt. Zahlreiche Flughafengegner haben daraufhin eine solche Studie auch für Rhein-Main gefordert und bereits Gelder dafür gesammelt. Schulte hofft nun, die Anlieger-Kommunen für die von ihm geforderte Studie mit ins Boot holen zu können. Allerdings besteht er darauf, dass Straßen- und Schienenlärm mit untersucht werden. Und dass verschiedene Metropolregionen verglichen werden.

«Diese Idee betrachten wir mit großer Skepsis, weil sie vom eigentlichen Problem Fluglärm ablenkt», sagte gestern Gert-Uwe Mende für die SPD im Landtag. Der Grünen-Abgeordnete Frank Kaufmann sprach gar von einem «vergifteten Vorschlag», der nur zur Beruhigung der Anwohner dienen solle. Der von Schulte geforderte Untersuchungsgegenstand sei so groß, dass man nie zu einem Ergebnis kommen werde. CDU und FDP hingegen sind auch dafür, alle Verkehrslärmquellen zu untersuchen.

Für den Fraport-Chef lautet die Fragestellung: «Welches Lärmniveau können wir uns in Deutschland leisten?» Ein Workshop mit Wissenschaftlern aus ganz Deutschland habe ihm klargemacht, dass die subjektive Belästigung durch Lärm im Unterschied zur messbaren Belastung bislang zu wenig berücksichtigt worden sei.

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