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Das Leiden der Zirkus-Tiere
Bislang sind die meisten Versuche für eine artgerechte Haltung gescheitert – Hessen soll aktiv werden
Wenn dressierte Wildtiere Kunststücke vorführen, zeigen sich die Menschen begeistert. Die vorangegangenen Qualen sieht man ja auch nicht.
Von Jassem Imsameh
Berlin/Wiesbaden. ![]()
Selbst der beste Stall ist für einen Tiger kein Ersatz für die verlorene Freiheit. Foto: ArchivZirkusse geraten in Deutschland wegen ihrer stark umstrittenen Wildtierhaltung immer mehr in die Kritik. Laut Bundestierärztekammer ist die artgerechte Haltung in Zirkussen praktisch unmöglich. Erst kürzlich scheiterte im Bundestag jedoch ein erneuter Versuch, ein Verbot dieser Wildtierhaltung durchzusetzen.
Dabei waren die Weichen schon gestellt: Im November 2011 hatte der Agrarausschuss des Bundesrats mit deutlicher Mehrheit für ein Verbot von Wildtieren (insbesondere Affen, Elefanten, Bären, Nashörnern, Flusspferden und Giraffen) in Zirkussen gestimmt. Auch das Plenum der Länderkammer zeigte sich sehr tierfreundlich und stimmte dem Antrag überfraktionell zu. Im Bundestag allerdings erhielt die Bundesratsinitiative dann nicht genügend Zustimmung, und somit war das Unternehmen wieder einmal gescheitert.
Bereits im März 2011 war ein Antrag der Grünen zum Verbot der Haltung von Wildtieren im Bundestag abgelehnt worden. SPD und Linke stimmten für das Verbot, CDU und FDP mit Mehrheit allerdings dagegen.
Der erste große Versuch, nicht artgerechte Wildtierhaltungen in Zirkussen zu verbieten, scheiterte bereits im Jahre 2003. Ein Antrag Hessens fand zwar ebenfalls eine breite Mehrheit im Bundesrat, konnte sich im Bundestag aber ebenfalls nicht durchsetzen.
Register bietet wenig Schutz
Ganz erfolglos war das Unternehmen dann aber doch nicht. Er enthielt nämlich auch die Forderung nach einem zentralen Zirkusregister, das zur Überwachung der Tierschutzvorgaben dienen sollte. Solch ein Register wurde tatsächlich im Jahr 2008 angelegt und erfasst nun rund 250 Zirkusbetriebe.
Tierschützer halten diese Maßnahme jedoch nicht für ausreichend, sie kritisieren, dass Tiere, deren Artgenossen in freier Wildbahn riesige Reviere beherrschen, einen Großteil ihres Lebens in Transportwagen und Käfigen verbringen müssen. Die SPD-Bundestagsfraktion, wo derartige Bestrebungen stark sind, startete im Dezember einen erneuten Versuch, ein Verbot durchzusetzen – jetzt auf der Basis des inzwischen von der Verfassung erfassten Staatsziels zum Tierschutz.
Dompteure und Zirkusmanager betonen, dass es gar nicht erwiesen sei, ob der Transport oder die Haltung für Zirkustiere Leid oder Stress bedeute. Vielmehr fordern sie Kontrollen und Strafen gegenüber denjenigenen, die Tiere nicht artgerecht behandeln.
Deutsche Tierschützer erhoffen sich von einem Verbot vor allem, dass die von ihnen als Tierquälerei eingestufte Dressur ein Ende hat. Hierbei sollen Tritte, Schläge und Elektroschocks zum Einsatz kommen, was Zirkusvertreter natürlich vehement abstreiten. Bereits 13 europäische Staaten haben übrigens bereits mindestens Einschränkungen vorgenommen. Österreich und England haben sogar ein Auftrittsverbot eingeführt.
Auch in Hessen stoßen die bisherigen Entscheidungen der Bundesregierung auf Protest. Judith Pauly-Bender, die tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, will den Kampf nicht aufgeben. "Dieses Verbot bestimmter Wildtierarten im Zirkus ist notwendig, weil es nicht möglich ist, für eine artgerechte Haltung dieser Tiere im Zirkus zu sorgen." Das neue Jahr 2012 biete dafür auch neue Chancen, erklärt Pauly-Bender.



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