Deutsche Bank schließt Norisbank-Filialen

Die Deutsche Bank räumt ihr Privatkundengeschäft weiter auf. Die 2006 gekaufte Norisbank soll nur noch als Direktbank über das Internet ihre Dienste anbieten. Mit der Übernahme der viel größeren Postbank musste ein neues Konzept her.

Schließung der Norisbank-Filialen geplant. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv Frankfurt. Nach der Übernahme der Postbank treibt die Deutsche Bank den Umbau ihrer Privatkundensparte voran. Die bundesweit rund 100 Filialen der Tochter Norisbank sollen nach dpa-Informationen geschlossen, die etwa 400 Mitarbeiter des Instituts von der Postbank übernommen werden. Die Norisbank soll künftig nur noch als Direktbank über das Internet auftreten.

Die Deutsche Bank wollte einen entsprechenden Bericht der Financial Times Deutschland (Mittwoch) nicht bestätigen. Ein Sprecher sagte lediglich: "Es wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen Postbank und Norisbank geschlossen, nun stehen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zu den Details an."

Über die Aufgabe des Filialnetzes der Norisbank wurde seit längerem spekuliert. Die Deutsche Bank hatte das Institut mit inzwischen rund 650.000 Kunden im August 2006 für 420 Millionen Euro von der genossenschaftlichen DZ Bank übernommen, um ihr Privatkundengeschäft zu stärken. Damals hatte die lange favorisierte Commerzbank den Kürzeren gezogen. Die Marke "easyCredit", unter der Konsumentenkredite vertrieben werden, behielten die Genossen.

Trendwende im Jahr 2006

Bei der Deutschen Bank läutete das Jahr 2006 eine Trendwende ein: Vorstandschef Josef Ackermann, einst oberster Investmentbanker des größten deutschen Geldhauses, erkannte, dass das Kapitalmarktgeschäft allein auf Dauer nicht der Heilsbringer sein kann. Unter der Führung des Schweizers investierte die Deutsche Bank Milliarden in das lange eher vernachlässigte Privatkundengeschäft: Berliner Bank und Norisbank (beide 2006), Sal. Oppenheim (2009), Postbank (2010).

Bei seiner letzten Bilanz-Vorlage Anfang Februar 2012 bilanzierte der scheidende Vorstandschef Ackermann: "Wir haben uns von riskanten Geschäftsaktivitäten verabschiedet und durch den massiven Ausbau des klassischen Bankgeschäfts unsere zweite Ertragssäule erheblich gestärkt." Während es im Investmentbanking herbe Rückschläge gab, war das Privatkundengeschäft zuletzt eine Stütze des Konzerns.

Übernahme der Postbank

Mit der Übernahme der viel größeren Postbank, die ein ähnliches Geschäftsmodell hat, verlor die Norisbank im Deutsche-Bank-Konzern an Bedeutung. Der Branchenprimus hatte sich Ende 2010 die Postbank-Mehrheit gesichert und hält derzeit rund 52 Prozent des Bonner Konzerns mit seinen etwa 14 Millionen Kunden. Ab diesem Februar erhält der Dax-Konzern von der bisherigen Postbank-Mutter, der Deutschen Post, weitere rund 40 Prozent.

Im Januar hatte die Deutsche Bank mit der Postbank Verhandlungen über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag aufgenommen. Ende 2011 einigte sie sich mit den Gewerkschaften über die Ausgliederung der Postbank-Mitarbeiter in selbstständige Gesellschaften.

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