Happy End für Hund & Herrchen

Altenheim bewahrt blinden Mini-Bullterrier vor dem Einschläfern

Weil Helmut Scholl sich nicht mehr um seinen blinden Hund kümmern konnte, sollte der Rüde eigentlich eingeschläfert werden...

Eckenheim. Liebevoll streichelt Helmut Scholl seinen Hund "Schmittchen". Dank der Pflegekräfte der Julie-Roger-Hauses können sie auch im neuen Zuhause zusammenbleiben. Foto: Martin Weis Doch das Julie-Roger-Haus hatte Mitleid und nahm das ungleiche Paar auf.

Fast kommen Helmut Scholl (74) die Tränen, als er sich zu seinem Hund hinunterbeugt, um ihn sanft zu streicheln. Der zuckt etwas zurück bei der Berührung, schnuppert kurz und schmiegt sich dann beruhigt an die Hand seines Herrchens. Denn Schmittchen, so heißt der elf Jahre alte Mini-Bullterrier, ist seit zwei Jahren blind. "Ich habe ja sonst niemanden mehr", sagt Scholl kopfschüttelnd. Um ein Haar hätte er seinen Hund auch noch verloren. Denn Scholl kann sich um seinen vierbeinigen Gefährten nicht mehr alleine kümmern.

Sofort bereit zu handeln

Bislang lebte Scholl in einer eigenen Wohnung. Bis zur Operation. "Ich hatte eine offene Wunde am linken Fuß, die zehn Jahre lang nicht heilen wollte." Jetzt musste der Fuß amputiert werden. Scholl sitzt im Rollstuhl, kann sich nicht mehr selbst versorgen, auch nicht mit Schmittchen spazieren gehen. Einen Weg zurück in seine Wohnung gab es für ihn nicht: Er musste ins Pflegeheim ziehen. Dort sind Tiere in der Regel nicht erlaubt.

Klicken, um weiterzulesen: Todes-Spritze drohte schon
"Schmittchen kam ins Tierheim, als Herr Scholl ins Krankenhaus musste. Fast wäre er eingeschläfert worden", erzählt Hans Jürgen Hausdörfer, Pflegedienstleiter und stellvertretender Leiter des Alten- und Pflegeheims Julie-Roger-Haus. In der fremden Umgebung, ohne vertraute Personen, litt der blinde Hund trotz fürsorglicher Pflege sehr. "Er hat dort nichts gefressen."

Eine Ausnahme gemacht

Anders als in anderen Pflegeheimen dürfen Hausbewohner im Julie-Roger-Haus auch Tiere mitbringen, "aber nur, wenn sie sich selbst um sie kümmern können", sagt Sozialdienstmitarbeiterin Beate Jung – was Helmut Scholl eigentlich nicht mehr kann. Doch das Schicksal von Schmittchen und seinem Herrchen rührte die Pflegekräfte. Sie entschieden, das ungleiche Paar aufzunehmen. Auch wenn das zusätzliche, quasi ehrenamtliche Arbeit bedeutet. "Alle Mitarbeiter zogen an einem Strang", freut sich Hausdörfer.

"Mindestens dreimal am Tag müssen die Mitarbeiter mit dem Vierbeiner Gassi gehen, im Park des Julie-Roger-Hauses, erklärt Hauswirtschaftsleiterin und Hunde-Expertin Karina Löffler. "Der Spätdienst kommt meist früher, um sich um Schmittchen zu kümmern." Und ihr Ehemann, so Löffler, habe sich bereit erklärt, anfallende Tierarztkosten zu übernehmen.

Er habe immer Hunde gehabt, 40 Jahre lang, sagt Helmut Scholl. "Die Hunde gehörten selbstverständlich zur Familie." Vor elf Jahren starb seine Frau, dann sein 44-jähriger Sohn. Ihm blieb nur noch der Hund.

Klicken, um weiterzulesen: Mensch und Hund blühen auf"Drei Tage nach Herrn Scholl zog auch Schmittchen hier ein", sagt Hausdörfer. Es sei toll zu sehen, wie Mensch und Hund dadurch aufgeblüht seien. Inzwischen hat sich der Hund eingewöhnt, lässt sich von Beate Jung und Karina Löffler mit Leckereien und Kauknochen versorgen. "Im umzäunten Garten kann er frei herumlaufen. Dafür, dass er nichts sieht, ist er recht flott", sagt Karina Löffler.

Als sie hörten, dass es sich bei Schmittchen um einen Bullterrier handele, seien sie etwas skeptisch gewesen, ihn aufzunehmen. "Wir dachten, er sei ein Kampfhund, wussten nicht, ob wir ihn hier im Haus wirklich halten können", sagt Beate Jung. Doch selbst die Heimleitung habe zugestimmt. "Dann hätten wir eben alle notwendigen Qualifikationen und Zertifikate erworben." Zum Glück war bald klar: Schmittchen ist ein Mini-Bullterrier, für dessen Haltung es keine Auflagen gibt. "Und Schmittchen ist ein ganz liebes Tier", sagt Karina Löffler. Sie sitzt neben dem Vierbeiner auf dessen Decke. Der hat sich genüsslich auf den Rücken gerollt, lässt sich kraulen und ist glücklich.

Kein Geld mehr für Essen

Auch wenn Helmut Scholl mit seinem Schmittchen nicht mehr spazieren gehen kann, freut er sich über seinen Kameraden. "Als ich die teure Beerdigung meines Sohnes bezahlen musste, habe ich manchmal nur ein Brötchen am Tag gegessen, damit ich Geld für Hundefutter hatte."

Auch die anderen Hausbewohner hätten sich an Schmittchen inzwischen gewöhnt, sagt Beate Jung. "Nicht jeder ist ja den Umgang mit Tieren gewohnt." Selbst auf dem Balkon gegenüber von Helmut Scholls Zimmer könne der Rüde nun oft liegen. "Die Dame, die sich dort um die Blumen kümmert, kommt inzwischen gut mit dem Hund aus."hau

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