Hessische Narren trotzen der Eiseskälte

Auch bei Dauerfrost bereiten die Narren in Hessen eifrig Fastnacht vor. Trotz Gefrierschrank-Graden soll es Süßigkeiten regnen - und die Lärmgegner stimmen mit einem Kinderfasching am Flughafen mit ein.

Frankfurt. Närrinnen und Narren feiern beim Fastnachtsumzug in Frankfurt im vergangenen Jahr auf dem Römer. (Archivbild: dpa) Bei eisigen Temperaturen fiebern die hessischen Narren Fastnacht entgegen. Bis Rosenmontag sind es zwar noch rund zwei Wochen, aber schon diesen Samstag wollen die Narren in Oberursel das Rathaus erstürmen. Hunderttausende Narren werden in den Hochburgen erwartet. Ausgefallenes soll auch wieder dabei sein: Von hüpfenden Narren beim Springerzug in Herbstein im Vogelsbergkreis bis hin zum Frankfurter Flughafen, an dem die Narren am kommenden Montag mit einem Kinderfasching gegen Fluglärm demonstrieren wollen.

Noch größer als im vergangenen Jahr wird aller Voraussicht nach der größte hessische Umzug in FRANKFURT. Der Zug am Fastnachtssonntag steht unter dem Motto «Frankfurt lacht und Frankfurt singt, Fassenacht am Main beschwingt». Obwohl der Anmeldeschluss erst am kommenden Freitag endet, haben sich schon jetzt mehr Gruppen angemeldet als im Vorjahr, wie der Sprecher des Großen Rates, Peter Ruhr, berichtete. 2011 waren 3200 Narren auf der Strecke, 350 000 bis 400 000 Zuschauer säumten die Straßen.

In FULDA als weiterer Hochburg sollen rund 220 Zugnummern und 4500 Teilnehmer durch die Innenstadt ziehen. Das Motto lautet: «Narretei bleibt krisenfrei.» Je nach Wetter werden bis zu 70 000 Zuschauer erwartet. Problematisch wäre es für die Organisatoren nur, wenn es schneit. Dann drohen die Wagen in den teils engen Straßen und Gassen in die Zuschauerreihen hineinzurutschen. «Die Kälte aber kann uns nichts anhaben. Man kann sich mit Skiunterwäsche und Tee warmhalten», sagt Christian Wighardt, Präsident der Fuldaer Karneval-Gesellschaft.

In DIEBURG feiern sich die Narren des Karnevalsvereins schon seit mehr als 500 Jahren. Mit rund 1700 Mitgliedern nennt sich der Karnevalsverein der südhessischen Kommune auch stolz «Deutschlands größter Karnevalsverein». Kein Wunder, dass alljährlich Zehntausende von Fastnachts- und Karnevalsfreunden in Dieburg jubelnd den großen Fastnachtszug begleiten. Unter dem Motto «Ob Ludwigs- oder Römerhall - wir feiern Fastnacht überall» erwartet der Vereinsvorsitzende Friedel Enders rund 70 000 Besucher. Die Aktiven des Fuldaer Karnevals wollen mit gutem Beispiel vorangehen und weitgehend auf Alkohol verzichten.

Der wohl ungewöhnlichste Rosenmontagszug des Landes steht wieder im fastnachtsverrückten HERBSTEIN auf dem Programm: Beim traditionellen Springerzug tanzt der Karnevalsprinz, stundenlang bunt kostümiert, in bestimmter Schrittfolge durch die Straßen der Kleinstadt im Vogelsberg. Vor den Häusern von Geschäftsleuten bittet er die Frauen zum Tanz. Seinen Platz mittendrin hat sich Michael Ruhl ersteigert. Schlappe 1300 Euro legte er bei der traditionellen Auktion auf den Tisch und darf nun als «Bajazz» mit rotem Kostüm und im Hopserlauf den Springerzug anführen. Manuel Hensler von der Fastnachtsvereinigung erwartet zum Rosenmontag zwischen 6000 und 7000 Menschen. Kälte stört die Narren nicht, meint er. «Wenn das Wetter so sonnig und trocken bleibt, könnten wir uns nichts besseres wünschen.»

Am Marktplatz in SELIGENSTADT (Kreis Offenbach) treffen sich die Narren am Rosenmontag um 07.11 Uhr. «Moins früh geht's schon los, da wird der Prinz geweckt», berichtet Richard Biegel vom Heimatbund der Stadt. Der Royal zieht zusammen mit dem Volk und der «Weckhex'» zum Palais seiner Prinzessin, klopft an ihr Fenster und küsst sie wach. Zum Umzug am Nachmittag werden 30 000 bis 50 000 Menschen erwartet. «Wir sind in Seligenstadt stolz darauf, einen werbefreien Zug zu haben», sagt Biegel. Finanziert werden die rund 100 Zugnummern mit Einnahmen aus Plaketten.

Zum Knall eines Kanonenschusses stürmen bereits am kommenden Samstag um 11.11 Uhr Narren in der Taunusstadt OBERURSEL das Rathaus. Am Wochenende drauf zieht sonntags der Taunus-Karnevals-Zug mit rund 140 Wagen und Gruppen durch die Stadt. «30 000 bis 40 000 Zuschauer haben wir bei schönem Wetter bestimmt», sagt eine Sprecherin der Stadt. Finanziert wird das bunte Treiben vom Vereinsring und mit Zuschüssen der Stadt.

Und an Aschermittwoch ist alles vorbei - eigentlich. Im nordhessischen HELDRA allerdings vertreiben traditionell am Mittwoch nach Karneval die Strohbären den Winter. Junge Männer werden über Stunden in Roggenstroh eingewickelt, um einem hugenottischen Brauch zufolge als Strohbären durch den 500-Einwohner-Ort zu laufen. «Je kälter es ist, um so besser für die Strohbären», sagte Mario Nemeth von der Strohbärengesellschaft. Begleitet werden sie von hunderten Zuschauern und selbstgemachter «Katzenmusik» aus Trompeten und Trommeln. Nach dem Marsch werden die Strohbären verbrannt - natürlich ohne die jungen Männer.

  • Zurück
  • Versenden
  • Kommentar
  • Druckansicht
    • Delicious
    • Mr. Wong
    • Linkarena
    • Google
    • Yigg
    • Oneview
    • Facebook
    • Facebook

Wetter in Frankfurt am Main

Jetzt

sonnig

12 °C

Morgen

sonnig

12 °C | 21 °C

Übermorgen

sonnig

10 °C | 21 °C

Rhein-Main-Map

Frankfurter Neue Presse

Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.

Anzeige

Nachrichten-Archiv

April
1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30
Mai
123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031

Ihre Tageszeitung als PDF

Frankfurter Neue Presse

Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 25.05.2012 als PDF zum Downloaden.

Zum Thema

Meine Eintracht

In unserer Arena erzählen Prominente aus der Region von ihren persönlichen Erlebnissen mit der SGE. Die Serie "Meine Eintracht" gibt's natürlich auch online.

Gratis: Eintracht-Newsletter

Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.

Kinofilme – wann und wo

Einfach hier abfragen.

FNP-Testabo bestellen

Lesen, was Sache ist: Das FNP-Probeabo! 14 Tage kostenlos.

Nichts wie weg

Die Leserreisen Ihrer Zeitung – alle online!

Umfrage: Tempo 30 in der Nacht

Um die Lärmbelästigung für die Anwohner zu reduzieren, testet die Stadt Frankfurt ab Herbst ein Tempolimit von 30 Km/h auf den Hauptverkehrsstraßen. Was halten Sie davon?

Ihre Meinung

Rhein-Main-Wiki

Anzeige

Extras

Die FNP mobil lesen

Tausende lesen die FNP schon auf dem iPhone. Die neue Version der App ist noch umfangreicher und schneller. Es gibt sie im App-Store.

Wir bei Twitter

Folge uns unter twitter.com/fnp_zeitung. Ständig aktuelle Tweets zu Nachrichten aus der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis.