LKA-Beamte unter Verdacht

Gegen zwei Thurau-Getreue wird jetzt wegen Geheimnisverrats ermittelt

Hessens LKA-Präsidentin Sabine Thurau konnte sich gestern erstmals seit langer Zeit über eine gute Nachricht freuen: Die Ermittlungen gegen sie wegen Verdachts der Verfolgung Unschuldiger werden vermutlich eingestellt (wir berichteten). Ganz bitter aber steht es um ihre getreuesten Vasallen: Gegen die beiden Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Verdacht: Geheimnisverrat.

Von Thomas Ruhmöller

Wiesbaden/Frankfurt. Sie mussten ihre Schreibtische bereits räumen, sitzen jetzt im Innenministerium. Zwei LKA-Beamte unter Verdacht des Geheimnisverrats – die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber dieser Zeitung entsprechende Ermittlungen. Die Vorwürfe wiegen umso schwerer, als die beiden in der Abteilung "Interne Ermittlungen" gearbeitet hatten. Diese Beamten zuständig, wenn Polizisten im Verdacht stehen, kriminell zu sein. Interne Ermittler müssten deshalb eigentlich besonders integer und loyal sein.

Die zwei LKA-Beamten aber haben offenbar ein sehr eigenwilliges Verständnis von Recht und Ordnung. Sie sollen Sabine Thurau mit vertraulichen Informationen versorgt haben, als diese in ihrer Zeit als Frankfurter Polizeivizepräsidentin teils widerrechtlich gegen ihr unterstellte Beamte vorging. Dass Thurau bei ihren Mobbingaktionen krasse Persönlichkeitsrechtsverletzungen beging, wurde ihr inzwischen gerichtlich attestiert. Dass sie von Internen Ermittlern unterstützt wurde, galt als unvorstellbar.

Doch die Auswertung zahlreicher Akten und Gerichtsprotokolle ist eindeutig: Thurau ließ sich von den Spezialbeamten mit Dienstinterna versorgen – zu Verfahren, die sie selbst eingeleitet hatte gegen missliebige Beamte. Eigentlich hätte die studierte Juristin wissen müssen, dass die Weitergabe vertraulicher Informationen in einem laufenden Verfahren nur mit Genehmigung des Staatsanwalts erlaubt ist. Ungeachtet dessen traf sie sich – das belegen Aufzeichnungen – mit den beiden LKA-Beamten zum Beispiel in einem Mainzer Bierlokal. Auch bei dieser Gelegenheit sollen vertrauliche Unterlagen ausgetauscht worden sein.

Das Verhalten der beiden LKA-Beamten wurde ruchbar, als die Leitung der Dienststelle ein behördliches "Tagebuch" auswertete. Darin waren alle Thurau-Treffen notiert. Die Beamten versuchten noch, die Ermittlungen durch eine gezielte Desinformationskampagne zu torpedieren: Sie streuten Gerüchte, wonach die Dokumente seien gefälscht, und verteilten "unter der Hand" Kopien des Tagebuchs. Umsonst . . .

Innenminister Boris Rhein bestätigte unterdessen den gestrigen Bericht dieser Zeitung, wonach Sabine Thurau auch bei Einstellung eines Verfahrens vorerst nicht zur Ruhe kommen wird: Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen sie wegen Verdachts der Falschaussage vor Gericht. Und dann müssen eines Tages in einem behördeninternen Disziplinarverfahren all ihre dienstrechtlichen Vergehen aufgearbeitet werden.

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