Oppositionsführer-Check: TSG oder Al-Wazir?

Das Regierungslager im hessischen Landtag lästert gern: Wer ist bei der Opposition eigentlich der Herr im Haus? Denn die Spitzenmänner von Rot und Grün sind trotz gemeinsamer Ziele auch Konkurrenten.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel (l) und Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir unterhalten sich während einer Plenarsitzung des hessischen Landtages in Wiesbaden. (Archivbild) Wiesbaden. Im hessischen Landtag gibt es einen Wettstreit zwischen SPD und Grünen: Wer ist der Chef der Opposition? Die alte Volkspartei SPD nimmt für sich in Anspruch, das Lager der Regierungsgegner anzuführen. Thorsten Schäfer-Gümbel hat sich zum Herausforderer von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) küren lassen. Doch die verpatzte Regierungsübernahme 2008 hat die Vorrangstellung der Genossen erschüttert, sie müssen sich noch zurückkämpfen.

Die Grünen sehen sich schon länger als «Premium-Opposition». Ihr Vorsitzender Tarek Al-Wazir ist trotz seiner 40 Jahre dienstältester Fraktionschef im Landtag und nach Umfragen beliebtester Politiker in Hessen. Er hat Schäfer-Gümbel einen «konstruktiven Wettstreit um die inhaltlich führende Kraft der linken Mitte in Hessen» angekündigt.

Thorsten Schäfer-Gümbel (im Landtagsjargon kurz TSG genannt) und Tarek Al-Wazir (TAW) im Oppositionsführer-Check:

PERSON: Al-Wazir ist der Offenbacher Junge mit jemenitischem Vater, ökobewegt aufgewachsen, politisch ein Ziehkind von Joschka Fischer. «Der kann Kanzler», befand 2009 das SZ-Magazin. Einen Wechsel nach Berlin hat TAW bislang abgelehnt. Schäfer-Gümbel (41) ist der Junge aus der ärmlichen Gießener Nordstadt, der Abitur machen und studieren durfte - eine klassische sozialdemokratische Erfolgsgeschichte. TSG hat Talent zur Selbstironie und arbeitet bienenfleißig am Wiederaufstieg seiner Partei.

RHETORIK: Ein Oppositionsführer muss reden können, seine Bühne ist der Landtag. Im Hessen-Parlament galten über Jahre Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und Al-Wazir als die besten Redner. Nun ist Koch weg, und TAW wird seltener zur Höchstform herausgefordert. TSG spricht auf Parteitagen besser als im Landtag. Dort schwanken seine Reden noch zwischen bürokratischem Tonfall und großer Schärfe.

FRAKTION: Ein Oppositionsführer ist nur so gut wie seine Truppe im Parlament. Und da hat die kleinere Grünen-Fraktion (17 Abgeordnete) oft die Nase vorn. Die Ökotruppe ist straff organisiert, reagiert schnell und hat viele profilierte Fachsprecher. Die SPD-Fraktion zählt 29 Abgeordnete. Trotzdem scheint sich die Arbeit nur auf wenige Schultern zu verteilen. Es fehlt an Köpfen neben TSG.

PARTEI: Seit der Niederlage 2009 legt die SPD in ihrem Stammland Hessen in Umfragen wieder zu und erzielt mehr als 30 Prozent. Die Grünen sind weiter im Umfrage-Höhenflug mit etwa 20 Prozent. TSG und TAW sind sich in ihrer Analyse einig, dass baden-württembergische Verhältnisse mit Grün vor Rot bei einer Hessen-Wahl unwahrscheinlich sind. Deshalb legt sich Al-Wazir auch nicht auf eine Kandidatur als Ministerpräsident fest.

VERNETZUNG: Ein Oppositionsführer braucht gesellschaftliche Kontakte, um als der mögliche Regierungschef von morgen anerkannt zu werden. TAW gehört schon ein Jahrzehnt zur hessischen Elite und sitzt beispielsweise im hr-Rundfunkrat. TSG baut seine Kontakte methodisch auf, pflegt den Draht zu Gewerkschaften und Kirchen. In Wirtschaftskreisen wird seine Kompetenz in Energiefragen anerkannt. Bei Sozial- und Bildungspolitik müsse er noch nachlegen.

FAZIT: Al-Wazir hat als Oppositionsführer einen Startvorteil. Für ihn ist wohl die Herausforderung, nach langen Jahren an der Partei- und Fraktionsführung nicht müde zu werden. Schäfer-Gümbel hat in zwei Jahren an der Parteispitze eine Aufholjagd hingelegt und dürfte sich weiter entwickeln. Ministerpräsident kann in Hessen wohl nur TSG als SPD-Chef werden, aber er braucht dazu TAW von den Grünen als

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