Weltuntergangspropheten liegen auch 2011 daneben

Roßdorf. Was wurde nicht alles für 2011 vorausgesagt: Natürlich mal wieder der Weltuntergang, Spaniens Staatspleite, Borussia Mönchengladbach steigt aus der Bundesliga ab und ein "geniales Jahr" für den mittlerweile über eine Sex-Affäre gestrauchelten ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Doch der Weltuntergang und auch alles andere traf nicht ein. Die Hellseher tappten auch 2011 mal wieder im Dunkeln.

Dieses Mal sollte sich der Weltuntergang gleich monatelang hinziehen: Losgehen sollte es am 21. Mai - das zumindest hatte der kalifornische Prediger Harold Camping "errechnet". Die völlige Zerstörung der Erde erwartete er zum 21. Oktober - sie fiel aber aus.

Der Mathematiker Michael Kunkel sammelt seit Jahren Voraussagen von Astrologen und Wahrsagern und prüft, inwieweit die Prognosen eingetroffen sind. Er tut dies für die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), einen als gemeinnützig anerkannten Verein, in dem sich mehr als 1000 Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte für Aufklärung und kritisches Denken einsetzen. 2011 wertete Kunkel rund 160 Prognosetexte und Internetseiten aus. Sein Fazit für die Augurenzunft im zu Ende gehenden Jahr: wie in den Vorjahren katastrophal.

Im Kaffeesatz, in Glaskugeln oder anderen Gegenständen sahen die Hellseher vor allem Dunkles: Naturkatastrophen, Terroranschläge oder Flugzeugabstürze. "All diese Prophezeiungen nennen weder Ort noch Zeit des prognostizierten Geschehens und sind damit absolut wertlos", sagt Kunkel. Solche Ereignisse gebe es in jedem Jahr. Die tatsächlichen Katastrophen des Jahres 2011 fehlten indes in den Prognosen der Auguren. "Die Uranus-Pluto-Verbindung lässt hinkünftig vermehrt auf Vulkanausbrüche und Erdbeben schließen", sagte die österreichischen Astrologin Susanne Eder voraus. Beschreibungen der Fukushima-Katastrophe lesen sich gemeinhin anders.

Um eine baldige Schwangerschaft bei der Frau des britischen Prinzen William, Kate Middelton, zu erwarten, bedarf es wohl keines Hellsehers. Um dem ehemaligen IWF-Chef Strauss-Kahn für 2011 "ein geniales Jahr" vorherzusagen, schon. In der Tat hatte der Franzose wohl ein Jahr, an das er sich lange erinnern wird, aber ob die Pariser Astrologin Elisabeth Teissier dies meinte, als sie ihm das "Jahr seines Lebens" prophezeite? Wohl kaum. Als richtig erwies sich dagegen die Prognose des - allerdings schon Ende 2010 von vielen erwarteten - Rücktritts von Guido Westerwelle als FDP-Parteichef.

Der wohl erfolgreichste Sport-Wahrsager des vergangenen Jahres, Krake Paul, ist mittlerweile tot, und seine tierischen Nachfolger schlugen sich nur mittelmäßig. Bei der Fußball-WM der Frauen schaffte keiner mehr als vier Treffer bei sechs Versuchen. Das bei der Rugby-WM in Neuseeland eingesetzte Schaf "Sonny Wool" erzielte zwar sieben richtige Vorhersagen bei Spielen der Gastgeber, versagte aber bei Partien anderer Mannschaften.

Für 2012 wagt Kunkel selbst eine Prognose: "Den deutschen Fußballern werden mehrere Astrologen und Wahrsager den EM-Titel prophezeien, und die Welt wird auch 2012 nicht untergehen." Dafür passiert aber etwas Großartiges - vielleicht: Dem Zukunftsseher Thomas Ritter zufolge soll 2012 in der Schweiz und in Australien die Möglichkeit von Zeitreisen entdeckt werden. Dies will er aus altindischen Palmblättern herausgelesen haben. Na dann, mal sehen.

GWUP

GWUP-Bilanz 2011

Wahrsagercheck

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