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«Altenhainer mögen verzeihen»
Krimi-Autorin Nele Neuhaus verlegt den Tatort mitten ins Dorf
Premiere in Königstein: Erfolgsautorin Nele Neuhaus stellte ihren neuen Roman «Schneewittchen muss sterben» vor. Wie die Vorläufer spielt auch dieser Krimi an wohlbekannten Orten im Taunus.
Königstein. Aufgebahrt wie Schneewittchen liegt die stumme, wächserne Frau in einem überheizten, schummrigen Raum. Wer sie ist, warum sie dort als Objekt der schaurig-bizarren Verehrung eines Mannes dient, das verriet Erfolgsautorin Nele Neuhaus nicht. Neugierig auf ihren neuen Roman «Schneewittchen muss sterben» machte sie allerdings schon. Das jüngst erschienene, mehr als 500 Seiten starke Opus, aus dem sie im gut besuchten Foyer der Frankfurter Volksbank las, schaffte es auf Anhieb auf die vorderen Ränge der Spiegel-Bestsellerliste.
Dass dem so ist, mag zum einen mit der wachsenden Bekanntheit der Autorin zusammenhängen. Zum anderen aber auch mit ihrer gereiften, «professionelleren» Art zu schreiben. «Die Figuren eines Romans müssen leben», sagte sie zwischen den Ausschnitten aus der Kriminalgeschichte. Sie wolle keine «Scherenschnitte», sondern lebendige Charaktere, die sich entwickeln.
Bei ihren vorangegangenen Erzählungen habe sie meist mehr oder weniger drauflosgeschrieben. Heute entwickele sie vorher sehr genau sowohl die Handlung als auch das Personal. «Für jede Person schreibe ich vorher einen detaillierten Lebenslauf», berichtete sie aus ihrer Werkstatt.
Für «Schneewittchen muss sterben» hat sie sich ein Dorf im Vordertaunus als Schauplatz ausgesucht. Im Tal kauert diese Siedlung, verziert mit zwei plumpen Hochhäusern aus den 70er Jahren. Name und Lage sind echt, das Gewerbegebiet und die Straßennamen erfunden. Neuhaus: «Die Altenhainer mögen mir verzeihen.»
Um das faszinierende Doppelgesicht der Dorfgemeinschaft ging es ihr. Um Verwurzelung und Vertrautheit sowie deren Kehrseite, eine beklemmende Nähe, aus der es kein Entrinnen gibt und der jedes Neue, Andersartige fremd bleibt. In diesen Mikrokosmos kehrt Tobias Sartorius, ein verurteilter Mädchenmörder, nach zehn Jahren Gefängnis zurück. Eisig die Atmosphäre, die Eltern geschieden, verwahrlost der einst blühende Hof und die Gaststätte. Zum Säufer geworden der Vater eines der beiden ermordeten Mädchen. Zehn Jahre besäuft sich der Mann in aller Öffentlichkeit, ohne dass ihm die ach so fürsorgliche, ehrenwerte Dorfgemeinschaft hilft. Ein anderes ruiniertes Leben.
In einem weiteren Handlungsstrang erzählt Neuhaus von einem Skelettfund auf einem ehemaligen amerikanischen Kasernengelände in Eschborn. Wie die Stränge zusammenlaufen? Nun, das müsse der Leser selbst herausfinden, lesend natürlich, meinte verschmitzt die Autorin. Zur Lesung nach Königstein zu kommen, hatte Buchhändler Thomas Schwenk angeregt, und Nele Neuhaus sagte gerne zu.
Königstein sei eben für sie nicht irgendeine Stadt, sondern wichtiger Bezugspunkt in ihrem Leben. bol bol


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