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Der alte Rechner geht in Zahlung
Ex-Investmentbanker Michael Sauer gründete den ersten Gebraucht-Computerhandel
Reiche Auswahl: Ab fünf Euro verkauft Michael Sauer gebrauchte Handys, Computer oder Spielkonsolen. Foto: Helmut Seuffert
Bei fast allen Autohändlern ist es möglich: Der alte Wagen wird in Zahlung gegeben, dafür wird der Neuwagen günstiger. In Frankfurt geht das auch mit Computern.
Frankfurt. Apple-Rechner, einige PCs, Bildschirme, Digitalkameras, Handys, iPods, Spielekonsolen und Spiele aller Art: Das Lager der Firma flip4new ist ein Paradies für Technik-Freaks. Es gibt Handys ab fünf Euro und zum Beispiel das MacBook, zwei Jahre alt, für rund 1500 Euro. Das aktuelle Modell kostet 1000 Euro mehr.
Michael Sauer (32) ist der Chef in dem kleinen Unternehmen. Früher war er Investmentbanker. «Aber ich wollte mein eigener Herr sein, darum habe ich gekündigt», sagt er mit heiserer Stimme. Ja, er sitze noch selbst am Kundentelefon, wenn Not am Mann ist, aber den ganzen Tag reden, das sei er nicht gewohnt. Er räuspert sich. «Wenn man eine Idee hat, muss man an sie glauben und für sie arbeiten.» Er hat seine Ersparnisse ins Geschäft gesteckt.
Schon in der Studienzeit war ihm aufgefallen: Es gibt keine Möglichkeit, noch funktionsfähige Rechner in Zahlung zu geben. «Dabei sind die Geräte oft noch gut. Es ist nicht einzusehen, dass es keinen Markt dafür geben soll.» Im Oktober hat Sauer flip4new eröffnet – mit zwei Mitarbeitern. «Inzwischen sind wir zehn. Und die Räume in der Niddastraße sind zu klein. Wir ziehen in eine Halle in Rödelheim.» Internet-Millionär Lars Hinrichs steht hinter Sauer und hat sich beteiligt. Und noch ist das ein Zuschussgeschäft.
Auf der Homepage http://www.flip4new.de kann man sich, wenn man ein Altgerät verkaufen will, durch ein Menü klicken. Beispiel: Unser altes Navigationsgerät Tomtom Go 630 Traffic von 2008, Neupreis rund 300 Euro. Ein Klick auf das Symbol mit den Navis, dann im Menü bis zum Tomtom Go, jetzt anklicken: In welchem Zustand befindet sich das Gerät? Gibt’s Zubehör? Unser Gerät war «In Ordnung» und hatte Zubehör. 55,50 Euro bietet Sauer dafür.
Internet als Marktplatz
«Wir müssen die Homepage täglich pflegen, Preise ändern, neue Geräte einstellen», sagt Sauer. 90 Prozent seines Geschäfts läuft über das Internet, und die Post-Tochter DHL verdient monatlich einen «vierstelligen» Euro-Betrag fürs Porto. Der Kunde kann sich direkt den Paket-Aufkleber ausdrucken – für ihn portofrei.
Dann kommt die Post mit dem Navigationsgerät. «Am Anfang waren es noch einige Päckchen täglich», sagt Sauer. «Inzwischen sind es mehrere Dutzend.» Und immer heißt es: Päckchen öffnen, Gerät in Augenschein nehmen, gegebenenfalls Festplatte neu formatieren, Programme wieder aufspielen und danach: Gerät weiterverkaufen. Bei flip4new können die Kunden Alt- gegen Neugeräte eintauschen, müssen es aber nicht. Sauer zahlt den ermittelten Wert auch in Bar aus. Und sitzt anschließend auf dem alten Gerät.
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