Unterhaltsame Zeitreise ins Mittelalter

Altes Gemäuer und malerische Gassen sorgen beim Hayner Burgfest für eine einmalige Atmosphäre

Dank des Ambientes der Burg und der Altstadt von Dreieichenhain gehört der Mittelaltermarkt sicherlich zu den attraktivsten Veranstaltungen in Deutschland. Mehr als 12 000 Besucher kamen zum Burgfest.

Von Nicole Jost

Dreieich. Vorsicht, heiß: Der "Feuerfussel vom Orient" verzauberte die Gäste mit züngelnden Flammen aus "Drachenrotze-Pulver". Fotos: Nicole Jost Im opulenten roten Samtkleid, goldglitzerndem Kopfschmuck und sehr feinen Samtschühchen flaniert Sandra durch die alte Burganlage. Die junge Frau steckt in der Kleidung der Renaissancezeit. "Ich weiß, so richtig mittelalterlich ist das nicht mehr, das ist schon der Übergang in die Neuzeit, aber die Kleidung, mit all dem Samt, Rüschen und Goldfäden macht sehr viel mehr her, als die einfache Baumwollkluft des Frühmittelalters", sagt die Maid mit den langen, blonden Zöpfen.

Die 27-jährige Frankfurterin kennt sich gut aus. Ist das Mittelalter schließlich ihre größte Leidenschaft. Wie Sandra spazierten tausende Mittelalterfreunde am Wochenende durch die Burg Hayn.

Beste Voraussetzungen

Es gibt inzwischen ziemlich viele solcher Feste im Bundesgebiet, das Hayner Burgfest hat aber doch ein ganz besonderes Flair. Das bestätigt auch Sandra: "Diese alten Burgmauern, die tolle Naturbühne, die alten Häuser in den Gassen, das sind einfach Voraussetzungen, die nicht jeder Festort hat", sagt die Mittelalterprinzessin. Sie lobt aber auch die Veranstalter, die Kultur-Gesellschaft Hayner Vereine: "Es gibt an jeder Ecke was zu erleben, tolle Kunsthandwerkerstände und ganz besonders freuen wir uns immer auf ,Schelmish‘, die grandiose Mittelalterband."

Ohne die ist das Hayner Burgfest auch kaum denkbar und die Mittelalterrocker mit den Dudelsäcken sorgten beinahe für Hysterie im Burggarten, als sie am späten Samstagabend "zum Konzerte aufspielten". Kein Plätzchen war mehr zu ergattern, dabei hatten die ehrenamtlichen Helfer extra alle Bänke rausgestellt.

Auf Ritterspiel verzichtet

Der eigentliche Festbetrieb stand 2011 unter dem Motto "Charivari – Gaukelspiel und Narreteyen" und der kreative Leiter Roger Heil verzichtete dabei völlig auf Ritterspiel mit Pferden oder Shows mit Falken und Wolfshunden, die sonst meist zu sehen waren. Es waren hunderte von Spielleuten, mit Jonglage, Feuer oder Gaukeleien.

Durch die Straßen zogen Narren, Bettler und Künstler und wo der Besucher hinblickte, gab es was zu sehen. Ob es das kleinste Riesenrad der Welt war, natürlich mittelalterlich handbetrieben, oder der Waschzuber auf dem Festplatz, in dessen warmen Wasser splitternackte Männer Platz nahmen.

Das Mäuseroulette, mit dem die mittelalterlichen Zocker ihre Edelsteine verspielten, war ebenfalls ein besonderer Anziehungspunkt. Auch heimische Künstler kamen auf dem großen Fest zum Zug: Die "Firedancer" sorgten mit der atemberaubenden Feuershow am Samstagabend für einen fantastischen Schlusspunkt im voll besetzten Burggarten.

Die als "Improgarage" inzwischen gut bekannten Schauspieler Martin Schäfer und David Schulze sorgten mit der "wahren Nibelungen-Sage" mit Unterstützung der Musiker von "Schelmish" für Bauchmuskelkater vom vielen Lachen. "Wir sind sehr zufrieden", blickte Ingo Holzmann vom Organisationsteam des Burgfestes auf das dichte Gedränge am Samstagnachmittag in der Burg.

Dank der Kooperation mit dem Frankfurt-Ticket Rhein-Main, welche die Eingangskassen übernommen hatte, und dem RMV, der den Besuchern eine kostenlose Anreise ermöglichte, seien gute Weichen für die Zukunft gestellt worden. Inzwischen müsse man die Künstler für die drei Festtage nicht mehr suchen, sondern die Anfragen seien so hoch, dass es Wartelisten gebe. "Wir haben uns einen fantastischen Ruf in der Mittelalterszene erarbeitet," erklärte Ingo Holzmann.

Getrübt wurde die ausgelassene Festtagsstimmung rund um die Burg durch einen Angriff auf einen der Marktbeschicker. In der Nacht zum Sonntag hatte ein Unbekannter das Zelt eines Trommelbauers aufgeschlitzt, die Trommeln zerstört und eine übelriechende Flüssigkeit verteilt. Der Abschnitt des Festes musste mehrere Stunden gesperrt werden, bis die Polizei geklärt hatte, dass es sich um eine ungiftige Flüssigkeit handelt.

Als die Einlasstüren am Sonntagnachmittag abgebaut wurden, dürften rund 12 000 zahlende Besucher das Festgelände betreten haben. Hinzu kommen viele Kinder, für die der Eintritt frei war.

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