Am Autobahntunnel wird‘s laut

Experten sagen mehr Lärm für Bornheim und den Riederwald voraus

Behauptet haben es die Gegner des Autobahnausbaus in Frankfurts Osten schon immer, jetzt haben sie es erstmals schwarz auf weiß: Das Land habe den Lärm falsch berechnet, habe falsche Daten zugrunde gelegt, bestätigt ein Gutachten.

Riederwald. Schon beim Spatenstich für den Riederwaldtunnel gab es Protest wegen der befürchteten künftigen Lärmbelastung. Foto: Martin WeisRund um das Autobahndreieck Erlenbruch und die Tunneleinfahrten werde es lauter als gedacht. Schallschutzwände reichten nicht, nur die Einhausung helfe.

Es ist ein zähes Ringen, seit vielen Jahren schon. Gerade erst hat das hessische Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) den Frankfurtern erläutert, dass die Schallschutzwände rund um das neue Autobahndreieck Erlenbruch höher werden, dass sie den Lärm für die Anwohner um drei Dezibel reduzieren (wir berichteten). Nun melden sich die Ausbaugegner zu Wort. Sie haben von Marburger Verkehrsplanern ein Gutachten erstellen lassen und sehen bestätigt, was sie seit Jahren sagen: Die Zahlen des Landes stimmen nicht.

Weil mehr Lastwagen unterwegs sind, wird es lauter. Um drei Dezibel etwa, um soviel also, wie die höheren Schutzwände im Riederwald den Lärm dämpfen. Drei Dezibel rauf, drei wieder runter – am Ende bleibt alles gleich. Und auf noch etwas sind sie gestoßen: Das ASV habe bei seinem Gutachten 2008 völlig ignoriert, dass der Riederwaldtunnel Bornheim mehr Lärm beschert statt weniger.

Endlich Nägel mit Köpfen

Wegen des ewigen Hin und Hers ist Friedhelm Ardelt-Theek, Sprecher des Aktionsbündnisses Unmenschliche Autobahn, frustriert. Bei der Präsentation des neuen Gutachtens bleibt er aber ruhig, fordert sachlich: Statt immer nur kleiner Zugeständnisse nach Protesten der Bürger solle das Land Hessen endlich Nägel mit Köpfen machen. Die Einhausung des Erlenbruch-Dreiecks müsse her – statt fast nutzloser Lärmschutzwände. Am Abend vorher klang das noch anders, da platzte es aus ihm heraus: "Wieso machen die ihren Job nicht richtig? Wieso müssen die Betroffenen immer wieder um ihr Recht kämpfen?" Alle Zugeständnisse des Landes – wie der Bau des Tunnels, wie die höheren Schallschutzwände – seien eine Reaktion auf den Protest der Bürger, auf ihre Einsprüche und Klagen. Das sei teuer, es koste die Betroffenen viel Zeit, Geld und Nerven. "Wir wollen auch unsere Ruhe haben. Wir wollen nicht immer streiten." Und auch den Steuerzahler kosteten die immer neuen Untersuchungen viel Geld.

Tunnel bündelt den Lärm

Die Grafik der Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung zeigt, wo an den Autobahnen A 661 und A 66 Schallschutzwände geplant sind (grün). Wir machen anschaulich, was Kritiker fürchten: Der Riederwaldtunnel bündelt den Autolärm und schickt ihn zum Bornheimer Hang. Grafik: HSVV/ FNPDoch wie begründen die Ausbaugegner ihre Kritik? "Nirgendwo im Gutachten des ASV ist die Rede davon, wie viel es durch die westliche Einfahrt zum Riederwaldtunnel lauter wird", sagt Wulf Hahn, einer der Marburger Verkehrsplaner von Regioconsult. Ein Tunnel bündele den Lärm an der Ein- und Ausfahrt, strahle ihn vor allem nach vorne ab –in diesem Fall zum Bornheimer Hang und den Hochhäusern an der Inheidener Straße. Zehn, zwölf Dezibel mache das aus. "Das heißt: Es wird dort doppelt so laut." Schallschutzwände helfen nicht, sagt Hahn. Das einzige Mittel sei: Das Autobahndreieck muss komplett unter die Erde.

Auch für den Riederwald werde es lauter, wenn auch nicht ganz so viel wie am Bornheimer Hang, sagt Hahn. "Der gleiche Effekt wie am Westportal tritt auch an der östlichen Einfahrt des Tunnels auf, in Enkheim und Fechenheim. Auch dort wird es lauter", sagt Ardelt-Theeck. Das habe das ASV damals ebenfalls nicht berücksichtigt. "Wenn die Autobahn in Betrieb geht, hält es im Fechenheimer Wald vor Lärm niemand mehr aus", prophezeit er. Betroffen sei auch ein Kindergarten direkt neben dem östlichen Tunnelportal. Je genauer die Ausbaugegner hinschauten, desto klarer werde: Schallschutzwände können den Lärm nicht ausreichend verringern. Die einzige Lösung: Eine komplette, große Einhausung. Mehrere Kilometer lang, vom Dreieck Erlenbruch bis an östliche Ende Frankfurts.

Auch belege das neue Gutachten, dass das ASV von falschen Verkehrszahlen ausgegangen sei, sagt Ardelt-Theek. Hahn begründet das wie folgt: Die Behörde habe alte Zahlen zum Lastwagen-Anteil am Verkehr zugrunde gelegt, gehe tagsüber von zehn, nachts von 20 Prozent aus. Es beziehe sich auf Zählungen aus dem Jahr 2003. Recherchen von Regioconsult hätten ergeben: Tagsüber hätten Lastwagen 20 Prozent Ánteil am Verkehr, nachts seien es 36,6 Prozent. Das bedeute rund um den Erlenbruch: Drei Dezibel mehr Lärm. Hinzu kommen weitere drei Dezibel, weil doppelt so viele Fahrzeuge wie vom ASV angenommen auf der Autobahn A 661 unterwegs seien: 80 000 statt 40 000 am Tag. Auch gehe das ASV von Tempo 100 für Pkw aus, dabei dürften sie dort künftig so schnell fahren wie sie wollen – was wieder ein Dezibel mehr Lärm bedeutet. Drei plus drei plus eins – macht sieben Dezibel mehr Lärm. Hinzu komme etwas, so Sabine Hohendahl aus dem Riederwald, das selbst das ASV zugestehen musste: Trotz verbessertem Lärmschutz würden im Riederwald die gesetzlichen Grenzwerte bei 370 Wohnungen überschritten –das seien fast viermal so viele Objekte wie in Bornheim. Und je höher die Wände, desto hässlicher seien sie. Nur mit der kompletten Einhausung hätten die Riederwälder ihre Ruhe hau

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