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Anne Franks Erbe kehrt heim
Das Jüdische Museum wird zum Zentrum für die Familie des weltberühmten Mädchens ausgebaut
Seit Jahrhunderten lebte die Familie Frank in Frankfurt, dann kamen die Nazis und trieben sie ins Exil und in den Tod. Jetzt kehrt das Erbe Anne Franks zurück – und findet im Jüdischen Museum eine neue Bleibe.
Frankfurt. ![]()
Buddy Elias, der Cousin von Anne Frank, zeigt ein Gemälde seiner Urgroßeltern. Es ist die erste von vielen Dauerleihgaben fürs Jüdische Museum. Fotos: dpa/Museum Buddy Elias lächelt, als er das Gemälde seiner Urgroßeltern in die Kameras hält. Es ist ein besonderer Augenblick für den 86-Jährigen. Als Cousin von Anne Frank verwaltet Elias die Autorenrechte am weltberühmten Tagebuch des jüdischen Mädchens, das 1945 im KZ Bergen-Belsen starb; jetzt ist er aus Basel nach Frankfurt gekommen, um gemeinsam mit dem Jüdischen Museum das "Familie Frank Zentrum" zu begründen.
Das Gemälde ist das erste Stück aus dem Familienbesitz, das an den Main umgezogen ist. Bis 2015 sollen Hunderte weitere Objekte folgen: Fotografien, Möbel, Briefe, Hausrat und vieles mehr. Denn der Anne Frank Fonds Basel und die Familie Elias-Frank wollen ihre Archive vereinen und dauerhaft dem Jüdischen Museum Frankfurt überlassen. Das Erbe der Anne Frank kommt zurück in die Stadt, wo ihre Familie bis zur Machtergreifung lebte – Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sprach von einem "kulturpolitisch bedeutsamen Moment".
Gute Gründe
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Fonds und Familie hätten sich "nach genauer Abwägung mehrerer Standorte" für Frankfurt entschieden, hieß es bei der Präsentation des "Familie Frank Zentrums". Buddy Elias nannte "gute Gründe" für die Stadt am Main: Mit dem S. Fischer Verlag sei hier einer der führenden Tagebuch-Verleger ansässig, außerdem gebe es mit dem Fritz Bauer Institut und dem Jüdischen Museum "wichtige Institutionen zur Aufarbeitung der Shoah".
Das Zentrum soll nach den bisherigen Plänen aus drei Bereichen bestehen: aus einer Dauerausstellung, einem Archiv und einer Abteilung für Forschung und Pädagogik.
In der Ausstellung sollen laut Raphael Gross, Direktor des Jüdischen Museums, vor allem Objekte aus dem Haus der Franks in der Mertonstraße 4 (der heutigen Dantestraße im Westend) präsentiert werden.
Die Exponate, darunter eine Erstausgabe von Goethes Werken, erzählten in eindrucksvoller Weise die Geschichte einer typischen, jüdischen Familie aus Frankfurt über 200 Jahre hinweg, sagt Gross. Der "spektakuläre Bestand" lasse eine vergangene, bürgerlich-jüdische Welt wiederauferstehen.
Erweitertes Museum
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Anne Franks Vater Otto (r.) und Familie bei einem Frankfurt-Spaziergang im Jahr 1927.Das Archiv soll im Erweiterungsbau des Jüdischen Museums untergebracht werden, der noch nicht existiert. Felix Semmelroth berichtet, dass das Raumprogramm für den 3000-Quadratmeter-Bau bereits verabschiedet worden sei. Eine Eröffnung 2015 bezeichnete der Stadtrat als "realistische Perspektive". Eingang ins Archiv sollen Briefe, Fotos und Dokumente aus 150 Jahren finden, unter anderem die bewegenden Briefe, die Anne Franks Vater Otto in Auschwitz schrieb.
In der Abteilung für Forschung und Pädagogik schließlich soll die jahrhundertealte Geschichte der Familien Elias-Frank erforscht werden können. "Damit wird die oft isoliert wahrgenommene Geschichte von Anne Frank in den Zusammenhang der deutsch-jüdischen Geschichte gestellt", kündigt der Museumsdirektor an. Für die pädagogische Museumsarbeit – vor allem mit Schulklassen – erwartet er durch die Dauerleihgaben "einen starken Schub".
Das berühmte "Tagebuch" bleibt übrigens in Amsterdam, wo es geschrieben wurde. Während dort die Verfolgungsgeschichte im Mittelpunkt steht, soll es in Frankfurt um die Familiengeschichte gehen. "Mit dem heutigen Tag schließen wir einen Kreis", sagte Buddy Elias. "Wir verbinden die Wurzeln der Familie mit der Zukunft."chc



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