Auch Radler können im Stau stehen

Rund 2000 Teilnehmer bei der ersten Frankfurter „Bike Night“ – Plädoyer für mehr Miteinander im Verkehr

Es war die ungewöhnlichste Fahrradtour des Jahres: Die erste Frankfurter Bike Night führte rund 2000 Radler durch Tunnel und über die Autobahn. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub wollte ein Zeichen für mehr Miteinander im Verkehr setzen.

Frankfurt. Das hat es in Frankfurt noch nie gegeben: Eine Autobahn voller Radfahrer. Foto: Bernd KammererFür Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Erstmals konnte er vom Römer für den Weg nach Hause mit dem Fahrrad den kürzesten Weg nehmen – durch den Theatertunnel. Normalerweise ist der für Radler tabu. Aber für die erste Frankfurter Bike Night durften Strecken befahren werden, die sonst den Autos vorbehalten sind. Sogar ein Stück Autobahn war für die Demonstration unter dem Motto "Für mehr Miteinander aller Verkehrsteilnehmer" am Samstagabend gesperrt.

Noch am Nachmittag ist Organisator Werner Buthe vom ADFC frustriert: Eine Schlechtwetterfront kündigte sich für den Abend an. Sollten sechs Wochen Vorbereitung umsonst gewesen sein? Doch am Abend versammeln sich dann doch trotz Nieselregens rund 2000 Radler auf dem Römerberg, um anschließend von der Polizei eskortiert zweieinhalb Stunden lang durch Frankfurt zu fahren. "Heute Nacht ist die Stadt euch", ruft Buthe den Teilnehmern zu.

Buntes Publikum

Es hat sich ein buntes Publikum vom Schüler bis zum Rentner gefunden. "Ich will die Chance nutzen, über Straßen zu fahren, die man sonst nicht nutzen kann", sagt Klaus Hoffmann aus Frankfurt. Wohin es geht, weiß er noch nicht – die Route ist geheim. Alexandra Müller-Schmieg hat ihre 14 Monate alte Tochter mitgebracht. "Ich hoffe, dass sie einmal ohne Angst Rad fahren kann", begründet sie ihre Teilnahme an der Bike Night.

Das Spektrum der eingesetzten Räder ist groß, vom bequemen Cruiser bis zum sportlichen Mountain-Bike. Nicht alle sind verkehrssicher ausgerüstet. Doch die Polizei, die zahlreiche Beamte zum Schutz der Radler im Einsatz hat, drückt ein Auge zu. Erst nach der Veranstaltung wird für den Nachhauseweg eine ordnungsgemäße Beleuchtung angemahnt.

Denn schließlich geht es an diesem Abend auch um Verkehrssicherheit. "Mehr Miteinander" fordert Buthe beim Zwischenstopp am Rebstock ein. "Denkt daran, was ihr für ein Bild abgebt, wenn ihr bei Rot über die Ampel fahrt", ruft er den Radlern zu. "Und steckt einfach mal zurück, wenn euch jemand die Vorfahrt nimmt. Wir alle verhalten uns mal falsch." Politische Forderungen gibt es an diesem Abend nicht. Es geht vielmehr um die Erfahrung des gemeinsamen Radelns. "Heute ist es zu spüren, dass Frankfurt eine Fahrradstadt ist", sagt Majer.

Ordner mahnen zur Eile

Johanna Maria Fischer hat da so ihre Zweifel. Sie hat früher in Hannover gelebt, ist dort immer Fahrrad gefahren. Als sie vor ein paar Jahren nach Frankfurt gezogen ist, hat sie es erst einmal gelassen. "Die Radwege sind hier viel zu schlecht vernetzt", klagt die Kostümbildnerin. Erst seit einiger Zeit ist sie wieder mehr mit ihrem bequemen Damenrad ohne Gangschaltung unterwegs. Langsam, wie sie betont. "Man muss beim Radfahren die Blumen wahrnehmen."

Die sind mittlerweile nicht mehr zu erkennen, es ist dunkel geworden in Frankfurt. Und die rund 100 ehrenamtlichen Ordner mahnen zur Eile, denn bei zu gemächlichem Tempo ist der Zeitplan in Gefahr. Doch selbst auf der für die Radler gesperrten A 648 geht es wegen einer Engstelle an der Ausfahrt Rebstock nicht schneller voran. Eine neue Erfahrung: Auch Radfahrer können im Stau stehen.

Nach einer Fahrt über die auf voller Breite gesperrte Mainzer Landstraße, durch die City und Bornheim endet die Tour dann doch pünktlich an der Eissporthalle. Kurz darauf fängt es an, in Strömen zu regnen. Organisator Werner Buthe hat Glück gehabt – und denkt schon an die nächste Bike Night in einem Jahr. mu

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