Aus für ein Apfelwein-Urgestein

Wilhelm Dauth gab seine Wirtschaft Dauth’s Hinnerkopp auf, weil er keine Perspektive mehr sah

Die Wirtschaft Dauth’s Hinnerkopp war eine der letzten urigen Apfelwein-Kneipen in Alt-Sachsenhausen. Dessen Besitzer Willi Dauth stammt aus einer Apfelwein-Dynastie, freut sich aber auf das Leben nach dem letzten Schoppen.

Von Mirco Overländer

Sachsenhausen. Willi Dauth mit Polizeihauptkommissar Heinz Becker anno 2006 in Dauth’s Hinnerkopp. Foto: dpa Als Wilhelm Dauth (62) und seine Frau Eva (60) 1987 die traditionsreiche Apfelweinwirtschaft Dauth’s Hinnerkopp in der Großen Rittergasse 53 eröffneten, da zeichnete sich der Niedergang der Apfelweinkultur in Alt-Sachsenhausen bereits ab. Ein Vierteljahrhundert später sitzt Dauth, der von seinen Bekannten nur Willi genannt wird, in seiner Wohnung und erzählt aus seinem Leben. Bereits im Alter von acht Jahren habe er hinter dem Tresen gestanden und die Bembel gefüllt.

"Einen Gespritzten hat damals fast niemand bestellt", sagt Dauth, der den vorgekelterten Apfelsaft bis zuletzt selbst im Keller seiner Wirtschaft zum edlen Ebbelwei verarbeitete. "Zu den Hochzeiten von Dauth-Schneider haben wir 250 000 Liter pro Jahr ausgeschenkt. Im Hinnerkopp waren es maximal 60 000 Liter", bilanziert der Schankwirt, dessen Traditions-wirtschaft Ende Januar für immer schloss. "Das Haus habe ich 2011 verkauft. Was jetzt passiert, geht mich nichts mehr an."

Schleichender Niedergang

Für den Spross einer waschechten Sachsenhäuser Apfelwein-Dynastie ist es besonders ärgerlich, dass der stetige Niedergang des einstigen Apfelwein-Viertels zwar schon Anfang der 1970er-Jahre begann, die Stadtverwaltung aber über Jahrzehnte hinweg alle Warnungen in den Wind schlug. "Als immer mehr der dutzenden Straußwirtschaften in neue Kneipen umgewandelt wurden, habe ich einen Konzessionsstopp gefordert", erinnert sich Willi Dauth. Spätestens als sich die Kleine Rittergasse von einer Einkaufs- in eine Kneipenmeile wandelte, sei es den Einwohnern Alt-Sachsenhausens an den Kragen gegangen: "Zwischen zwei und fünf Uhr nachts ist hier jetzt ständig Remmidemmi", klagt Dauth.

Während die von der Stadt in Angriff genommene Wiederaufwertung des in Verruf geratenen Kneipenviertels erste Früchte trägt, ist Willi Dauth noch immer der Ansicht, dass "die Tradition hier mit Füßen getreten wurde." Nun komme es darauf an, ein neues, weniger krawallträchtiges Publikum ins Viertel zu locken. Dass es in Alt-Sachsenhausen nur noch eine Handvoll Apfelwein-Lokale gibt, während viele Wirtschaften an den Rand des Quartiers zogen, zeuge ebenfalls von dessen schlechtem Ruf.

"Ich habe immer gerne Apfelwein gemacht und mich gefreut, wenn mich die Leute für meine Arbeit gelobt haben", sagt Willi Dauth, dessen Familienname den Sachsenhäusern noch in Form der Apfelweinwirtschaft Dauth-Schneider erhalten bleiben wird.

Vielleicht ein Äppler-Buch

Obwohl der Apfelwein-Veteran die meiste Zeit seines Lebens im und vom Kneipenviertel lebte, blickt er ohne Wehmut in die Zukunft: "Über die Sache mit der Kneipe bin ich hinweg. Meine Frau und ich ziehen jetzt nach Norddeutschland. Gut möglich, dass ich dort ein Buch über die Apfelweinkelterei schreibe", sagt Dauth. Dieser sieht sich selbst eher als konservativen Gastwirt und entsinnt sich gerne der guten alten Zeit, in der sein fideles Viertel noch ein gemütlicher Treffpunkt mit beschwingter Live-Musik war. Umso trauriger sei dessen Mutation zu einer "Einwohner-feindlichen Saufmeile".

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