Bücherschrank statt Bibliothek

Die Lesezelle soll ihren Platz vor der Philippuskirche finden

Der Magistrat unterstützt den Ortsbeirat dabei, einen öffentlichen Bücherschrank im Riederwald einzurichten. Die Stadtteilbibliothek wird Ende 2011 trotzdem geschlossen.

Riederwald. Die Stadtteilbibliothek Riederwald soll bis Jahresende schließen. Nun will der Ortsbeirat einen Bücherschrank aufstellen. Foto: Archiv Viele Stadtteile haben schon einen, viele andere wollen einen. Ob auf der Bergerstraße, im Oeder Weg oder in einer alten Telefonzelle am Dornbusch: Öffentliche Bücherschränke liegen voll im Trend. Nun will auch der Ortsbeirat 11 einen solchen im Riederwald einrichten.

Stehen soll die Selbstbedienungsbücherei auf dem Platz vor der evangelischen Philippuskirche. Der Ortsbeirat verspricht sich davon eine Aufwertung des Platzes. Mitglieder der Pfarrgemeinde und der Förderverein der Stadtbibliothek Kulturbeutel haben sich bereiterklärt, das Projekt als Paten zu betreuen. Der Ortsbeirat will die Maßnahme mit höchstens 6000 Euro aus seinem Budget finanzieren.

Der Magistrat hat sich bereit erklärt, die Einrichtung des Bücherschranks zu unterstützen. Jedoch wendet dieser ein, dass der Platz vor der Kirche ein privates Grundstück sei und schlägt daher vor, dass der Schrank "im Gehwegbereich" vor der Philippuskirche aufgestellt werden könne. Dabei sollen die unterirdischen Versorgungsleitungen berücksichtigt werden. Die Stadt will sich mit dem Ortsbeirat in Verbindung setzen.

Der Bücherschrank soll, so heißt es in dem Antrag des Ortsbeirats, Einwohnern einen "kostenfreien und unbürokratischen Zugang zu Belletristik, Fachliteratur und Kinderbüchern" ermöglichen. Doch es gibt noch einen anderen Hintergrund: Während in Frankfurt immer mehr Bücherschränke aufgestellt werden, werden immer mehr Stadtteilbibliotheken geschlossen – und zum Jahresende soll es auch die Bücherei im Riederwald treffen.

Der Ortsbeirat hat gegen die Pläne der Stadt protestiert. Dieser wollte die Stadtteilbibliothek im Rahmen des Programms "Aktive Nachbarschaft" durch das Sozialdezernat finanzieren lassen. Eine Schließung bedeute das Ende für die "letzte kulturelle Einrichtung im Stadtteil, in der sich die Menschen treffen und austauschen" können", heißt es im Antrag.

Bei der Stadt hatte der Antrag keinen Erfolg. Diese beruft sich auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, der die "Sicherung eines qualitätsvollen Bibliothekssystems im Rahmen notwendiger Konsolidierungsleistungen" vorsieht. Im Zuge dessen sind bereits die Stadtteilbibliotheken Bergen, Bockenheim und Oberrad geschlossen worden. Dem Frankfurter Programm "Aktive Nachbarschaft" und dem Sozialdezernat stünden nicht genügend Mittel zur Verfügung, um die Bibliothek im Riederwald dauerhaft zu erhalten.

Der Magistrat weist darauf hin, dass die bibliothekarische Versorgung des Riederwalds durch das Bibliothekszentrum Bergen-Enkheim und die Stadtteilbibliothek Bornheim mit ihrer Zentralen Kinder- und Jugendbibliothek gesichert sei. Einen Teil des Riederwald-Bestandes soll die Schulbibliothek der Pestalozzischule übernehmen. Außerdem soll der Bücherbus ab Januar 2012 eine neue Haltestelle im Riederwald erhalten.

Der Ortsbeirat findet, dass ein Bücherbus oder eine Schulbücherei keinen Treffpunkt für Jung und Alt im Stadtteil ersetzen könne.leg

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