Bürger besetzen Bankenviertel

Mit „Occupy Frankfurt“ formiert sich eine Protestbewegung gegen die Macht der Finanzwelt

In Frankfurt formiert sich gerade eine Bewegung, die in den USA ihren Ursprung hat, dort erst wenige Wochen alt ist und am vergangenen Wochenende mit einer Großdemonstration erstmals die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich lenkte, weil die Polizei in der Folge Hunderte von Protestierenden in der Wall Street festgenommen hat.

Frankfurt. „Amerika in Not“ lautet die Übersetzung des Mottos auf dem Transparent, mit dem Demonstranten von „Occupy Wall Street“ ihren Protest in New York ausdrücken. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Protest via Internet auch nach Frankfurt kommt. Foto: APWall Street ist nicht einfach eine Adresse in New York. Wall Street ist das Symbol für die Finanzwelt – und seit jüngster Zeit auch für die Finanzkrise. "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") ist die Antwort amerikanischer Bürger darauf. Die locker organisierte Bewegung prangert die soziale Ungleichheit in den USA an und sieht in sich die 99 Prozent der Bevölkerung, "die nicht länger die Gier und Korruption von einem Prozent der Bevölkerung hinnehmen wird", wie es in Verlautbarungen der Gruppierung heißt. Die Kritik richtet sich gegen einen zu starken Einfluss der reichsten Amerikaner auf die Politik und Gesetzgebung, sowie eine zu banken- und wirtschaftsfreundliche Politik. Durch eine friedliche, längerfristige Besetzung der Wall Street wollen die Aktivisten entsprechende politische Änderungen bewirken.

EZB im Visier

Frankfurt ist an Symbolen für die nationale wie die europäische Finanzwirtschaft nicht eben arm. Das Bankenviertel mit repräsentativen Prachtbauten, die Europäische Zentralbank (EZB) und deren entstehender Neubau stehen für viele offenbar zunehmend auch für die Ohnmacht der Politik gegenüber der Allmacht der Finanzwirtschaft.

Im Frankfurter Bankenviertel soll demnächst "gegen das korrupte System" unter dem Motto "Occupy Frankfurt" demonstriert werden. Dazu ruft im Internet das Kollektiv "Anonymous" auf. In einem Video wendet es sich folgendermaßen an die Öffentlichkeit: "Die Menschen auf der Welt beginnen so langsam zu begreifen, dass sie die einzigen auf diesem Planeten sind, die etwas gegen die Finanzkrise tun können. Kein Politiker dieser Welt schafft es, aus eigener Kraft den Mächten des Wahnsinns zu widerstehen, und viele wollen das auch nicht, weil sie Angst vor der Veränderung haben," so die Botschaft.

Vorbild Wall Street

Deswegen sollen auch hierzulande Menschen nach dem Vorbild der New Yorker "Occupy Wall Street"-Demonstranten, die bereits seit dem 17. September und trotz vieler Widerstände protestieren, auf die Straße gehen. Ausdrücklich betont wird, dass man einen friedlichen Protest plant. "Es wird Zeit, dem System zu zeigen, wessen Stimme zählt, eure Stimme", heißt es in dem Video.

Auf Facebook

Auf Facebook hat "Occupy Frankfurt" eine interaktive Seite.Auch im sozialen Netzwerk Facebook ist "Occupy Frankfurt" seit kurzem vertreten. Knapp 1100 Personen haben mittels "Gefällt mir"-Funktion ihre Sympathie für die junge Bewegung kundgetan. Es sind nicht unbedingt die Querulanten, Spinner und Berufsnörgler, die sich der Bewegung anschließen, sondern auffallend viele Vertreter der Mittelschicht, nicht selten sind Ökonomen unter ihnen. Sie wollen deutlich machen, dass sie nicht zahlen wollen für die Fehler der Finanz- und Politikentscheider. In den USA bekunden auch Prominente wie der Filmemacher Michael Moore unverhohlen ihre Sympathie für die neue Bewegung.

Auf Facebook formieren sich jetzt die "Occupy Frankfurt"-Anhänger zu Taten. Nachzulesen ist, dass sie sich dem "globalen Aktionstag" am 15. Oktober in der Frankfurter City anschließen wollen. Aufgerufen dazu haben die spanische Demokratiebewegung "Democracia Real Ya" und die deutsche Organisation Attac. enz

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