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Demo für eine Klassenlehrerin
Die Klasse 2a der Mühlbergschule hat seit ihrer Einschulung fast keinen geregelten Unterricht gehabt
Verzweifelte Schüler, erzürnte Eltern und ein hilfloses Kollegium: Seit ihrer Einschulung wird eine Sachsenhäuser Grundschulklasse von Lehrer zu Lehrer weitergereicht. Da an geregelten Unterricht nicht zu denken ist, erheben die Eltern schwere Vorwürfe gegen die Schulleitung.
Von Mirco Overländer
Sachsenhausen. ![]()
"Ich will Frau Campanella zurück" steht auf ihren Plakaten: Mit diesem Slogan demonstrieren die Schüler der Klasse 2a für die Rückkehr zu einem geregelten Klassenunterricht. Fotos: Martin Weis Morgens um 8.30 Uhr versammeln sich die 21 Schüler der Klasse 2a auf dem Pausenhof der Mühlbergschule. Mit dabei sind fast alle ihre Eltern, die sich für ein Kreppel-Frühstück verabredet haben. Doch zum Feiern ist niemandem zumute – vielmehr gehen die Eltern zum wiederholten Male gegen die unhaltbaren Zustände auf die Barrikaden, denen ihre Kinder seit beinahe zwei Jahren ausgesetzt sind: Seit der Einschulung wurde die Klasse von einer Lehrerin betreut, die aufgrund Schwangerschaft oder Krankheit öfters fehlte als unterrichtete.
Nach unzähligen Vertretungsstunden gab es im Oktober 2011 einen Silberstreif am Horizont: Die neue Klassenlehrerin Giovanna Campanella half den völlig verunsicherten Schülern, den auf der Strecke gebliebenen Lehrplan im Eiltempo aufzuholen. Doch kaum hatte die Pädagogin das Vertrauen der Klasse gewonnen, wurde sie Anfang Februar urplötzlich in eine Parallelklasse abgezogen (wir berichteten). "Das ist eine ganz miese Informationspolitik der Schulleitung – uns hat keiner Bescheid gesagt. Wir haben immer nur Gerüchte gehört", klagt Klassenelternbeirätin Cora Walker-Minneker. Deren Tochter Nila (8) freute sich einst auf die Schule. Inzwischen geht sie "nicht mehr so gerne" zur Schule.
Die Eltern glauben, dass der stete Personalwechsel, der ihre Kinder so belastet, nur deshalb erfolgte, weil sie bis zu den Herbstferien stillhielten. Damit ist es nun vorbei: In ihrem Frust über die Untätigkeit der Schulleitung wandte sich die Elternschaft an das Staatliche Schulamt und an die Presse. Zudem setzten sie dem Schulleiter eine Frist: Bis zum 20. Februar habe Giovanna Campanella in die Klasse zurückzukehren. Andernfalls werde das Klassengefüge vollends zerstört. Ein Schüler hat bereits die Schule gewechselt, zwei weitere verlassen sie zum kommenden Schuljahr. Die restlichen Eltern überlegen inzwischen ebenfalls, ihre Kinder die Schule wechseln zu lassen.
Schule lenkt ein
Nach einer Viertelstunde auf dem nasskalten Pausenhof läutet der Pausengong, die Schüler eilen in ihre Klasse. Zu diesem Zeitpunkt stellt sich Konrektorin Doris Wiesberg der erbosten Elternschar. Ihre Botschaft: Ab kommendem Montag werde ein neuer, vom Staatlichen Schulamt gestellter Lehrer die 2a übernehmen. Wiesberg, die den erkrankten Schulleiter vertritt, appelliert an die Eltern, dies "zum Wohle der Kinder" zu akzeptieren und mitzutragen. Jeglicher Diskussion schiebt die Konrektorin einen Riegel vor – der Pausenhof sei hierfür nicht der rechte Ort. Die Eltern reagieren mit Unverständnis und wollen sich nicht länger den Mund verbieten lassen. Ihr Vertrauen ist zerrüttet. "Wir kennen diese Versprechen schon und akzeptieren das nicht", sagt Andelko Klimdo, dessen Tochter Selena sich wie ihre Mitschüler eine Rückkehr von Giovanna Campanella wünscht.
Elternbeirat ist skeptisch
Schulelternbeirat Tom Fasig wertet die neueste Entwicklung als Schritt in die richtige Richtung, merkt aber an, dass die Schulleitung zu spät reagiert habe. Nun fehle einer anderen Frankfurter Schule der Lehrer, den die Mühlbergschule erhält. Auch sei der Rektor eigenartigerweise immer dann krank, wenn es brenzlig werde.



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