Der Pannen-Aufzug

Am ersten Arbeitstag fiel der Lift am Heddernheimer Steg schon wieder aus

Der neue Aufzug am Heddernheimer Steg macht seinem Ruf als Pannen-Pech-und-Pleiten-Bau alle Ehre. Seit vergangenem Freitag sollte er fahren. Doch der Lift bewegte sich nicht.

Heddernheim. Dem Fehler auf der Spur ist der Mitarbeiter der Baufirma im Aufzug am Heddernheimer Steg. Ein ältere Dame beobachtet interessiert, was da vor sich geht. Foto:Martin Weis Überschwänglich hatte Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) am vergangenem Donnerstag verkündet, dass der Aufzug am Heddernheimer Steg von Freitag in Betrieb gehen werde. "Eine richtig gute Nachricht für viele Menschen. Vor allem in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen und Eltern mit Kinderwagen haben sehr lange darauf gewartet, dass diese Unterlassung der Vergangenheit endlich korrigiert wird", sagte der Stadtrat. Doch die Ankündigung war kaum verhallt, es wurde Freitag – doch der Lift fuhr nicht.

Die Reaktionen aus dem Stadtteil auf diesen Reinfall kamen prompt und könnten hämischer nicht sein: "Diese Aufzugseröffnung passt sich nahtlos in die bisherigen Leistungen unserer Stadtverwaltung in dieser Sache ein. Alles andere als diese Pleite und Blamage wäre eine echte Überraschung gewesen! Dem Herrn Majer und seinen Mannen sollte man zurufen: Geht haam unn lasst Euch eisalze", heißt es auf heddernheim.de zum Beispiel. Oder: "Das ist ja wohl ein Witz mit dem Aufzug. Was sollen wir dann mit ‘nem Aufzug, der wo net funktioniert. Er bleibt immer oben. Ob Du runterfahren möchtest oder Du möchtest in runterholen."

Geduld strapaziert

Diese Reaktionen verwundern nicht, warten die Heddernheimer schließlich seit Jahren auf den versprochenen Lift – und die Geduld, so hatte der Verkehrsdezernent betont, sei durchaus strapaziert worden. Der Heddernheimer Steg wurde 1968 gebaut – nicht barrierefrei, sondern nur mit langgezogenen Stufen für Radfahrer und Leute mit Kinderwagen. Er bekam zwar einen Aufzugsschacht, aus Kostengründen verzichtete man aber auf den Lift. Seitdem stand das Vorhaben auf mehreren Tagesordnungen verschiedener Gremien, jedoch ohne Erfolg. Vor knapp drei Jahren gründeten wütende Anwohner schließlich eine Bürgerinitiative, die innerhalb kurzer Zeit 600 Unterschriften gesammelt hatte.

Probleme bei Abstimmung

Dennoch wurde der Bau immer wieder verschoben. Zunächst auf 2013, nach massiven Protesten auf 2010 vorverlegt, dann auf April und schließlich September 2010. Doch Mängel in vorgelegten Plänen und Abstimmungsprobleme zwischen den beteiligten Baufirmen führten zu weiteren Verzögerungen, so dass erst ein Jahr später die eigentliche Montage des Aufzugsturmes beginnen konnte. Nach Abschluss der Bauarbeiten und erfolgreicher TÜV-Abnahme sollte die für rund 390 000 Euro errichtete Aufzugsanlage von vergangenem Freitag an endlich zur Verfügung stehen (wir berichteten).

"Wir haben erst heute Morgen erfahren, dass der Aufzug nicht fährt", sagt Heike Reiche, stellvertretende Leiterin des Amtes für Straßenbau und Erschließung auf FNP-Anfrage. Am Donnerstag sei noch ein Mitarbeiter Probe gefahren. "Da war noch alles in Ordnung, der Lift hat einwandfrei funktioniert." Umgehend sei nun die Baufirma informiert worden, die einen Mitarbeiter schickte, der sich an Ort und Stelle kundig machte, wo der Haken hängt – und er brachte den Aufzug – nach Aussagen von Passanten – auch in Bewegung. Was nun die Gründe für den Ausfall waren, war gestern nicht mehr von Straßenbauamt zu erfahren. Die Baufirma sollte jedenfalls bei der Gelegenheit auch ein Schild aufhängen, auf dem Telefonnummern stehen, an die man sich wenden kann, wenn der Lift defekt ist. "Das wurde bei der TÜV-Abnahme bemängelt." Immerhin. So können sich die Heddernheimer sofort an die richtige Stelle wenden, wenn der Aufzug wieder nicht das tut, was er verspricht: fahren. sim

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