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Der Perfektionist
Seit 40 Jahren leitet Claus Helmer die Frankfurter „Komödie“
Er gehört zu den dienstältesten Intendanten Deutschlands. Sein Privat-Theater ist eine Institution. Heute wird Claus Helmer mit der Goethe-Plakette des Landes Hessen ausgezeichnet.
Frankfurt. ![]()
Intendant Claus Helmer im Zuschauerraum seines Theaters in der Neuen Mainzer Straße. Foto: dpa40 Jahre Direktion der "Komödie" – für Claus Helmer nicht der einzige Grund, zu feiern. Dass der heutige Donnerstag auch sein 68. Geburtstag ist? "O.k., aber unwichtig", sagt der 1944 im mährischen Brünn geborene Theatermann. Seine Liebe zu Frankfurt reicht lange zurück. Das kam so.
"Meine Großmutter wurde 1945, nach dem Tod meines Vaters, der in russischer Gefangenschaft starb, hierher von Wien evakuiert. Sie zeigte mir am Mainufer die Dampflok und den Brief eines Frankfurter Pfarrers. Der bestätigte den Tod meines Vaters", erinnert er sich. Mit seiner Großmutter sah Helmer 1959, gerade 15, erstmals im "Theater am Rossmarkt" die Komödie "Die Türen knallen". Prompt wünschte er sich: "Hier will ich auch mal spielen". Das erfüllte sich. Zum 40. Jubiläum seiner "Komödie"-Direktion sagt Helmer: "Ich bin ein richtiger Frankfurter geworden, kein Wahlfrankfurter mehr!" Seine Schauspielausbildung hatte Helmer am Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolviert.
Schwerer Brocken
Höhen und Tiefen erlebte er in der "Komödie", die – 1950 vom Berliner Theatermann Helmut Kollek gegründet – Ende der 60er Jahre vom Rossmarkt in die Neue Mainzer Straße umgezogen war. "Kolleks Frau, die Schauspielerin Monika Siemer, animierte mich, als wir zusammen im Schwank ,40 Karat‘ spielten, die Direktion zu übernehmen. 1970 und 1971 waren mir schon Intendanzen in Berlin und Düsseldorf angeboten worden. Aber nun Frankfurt: Da konnte ich einfach nicht nein sagen."
Die finanzielle Sanierung des Theaters erwies sich als schwerer Brocken. "Zum Glück hatte ich unter bekannten und beliebten Kollegen viele Freunde: Paul Dahlke etwa, Hansjörg Felmy, Günther Ungeheuer, Walter Giller, Paul Hubschmidt und Eva Pflug, Elfe Gerhard, Anita Kupsch, Johanna von Koczian, Christine Richter usw. Sie füllten das Haus und die Kasse."
Umso katastrophaler 1997/98 die Nachricht des Gerling-Konzerns: "Das Haus wird abgerissen, dann neu gebaut." Nach zähem Hin und Her, die Lösung: Das Theater bleibt, wenn Helmer bezahlt. "1,5 Millionen hat mich das gekostet. Aber das Publikum stand mir bei. Es finanzierte u.a. Stühle und Dauerplätze. Und es feierte mit mir und dem Ensemble im Oktober 1999 eine rauschende Premiere des Schwanks ,Pension Schiller‘. In der neuen Komödie!"
Ausverkaufte Vorstellungen, zum Beispiel 98 von "Irma la Douce", 128 von "Champagner-Komödie" (mit Hubschmid und Pflug) und fast 100 von "Mein Freund Harvey" (mit Giller und Anna Teluren), erlaubten es Helmer sogar, sich in der "Komödie" seine "teuerste Produktion", das Musical "My Fair Lady", zu leisten. Aber: "Wir durften nie über unsere Verhältnisse leben, hatte ich doch erhebliche Schulden von den vorherigen Intendanten übernommen und abzubezahlen."
Dass der Schauspieler, Regisseur und Intendant ein knallharter Rechner ist, weiß die Branche: "Ich habe schon Engagements wegen fünf Euro mehr Abendgage scheitern lassen", sagt Helmer. Das Theaterblut Helmer hat seine Prinzipien. Und macht auch den Retter in der Not: "Auf dem Weg nach Düsseldorf, wo ich mir ein Stück ansehen wollte, erreichte mich die Nachricht, dass einer der Kollegen im Stück ,Alles auf Krankenschein‘ verunglückt sei, die Abendvorstellung also ausfallen muss, weil man keinen Ersatz fand. Ich fuhr sofort zurück, griff zum Textbuch und spielte die Rolle."
In Christine Glasner, die 1974 erstmals mit Gunther Phillipp in der "Komödie" zu sehen war, dort 1976 in "Guten Appetit, mein Freund" als Helmers Partnerin begeisterte und die er dann 1986 heiratete, steht dem "Komödie"-Chef die ideale Frau zur Seite. Sie teilt sein Bekenntnis zu "werkgetreuen Aufführungen und werktreuen Schauspielern" und seine Distanz zur "zeitnahen Regie".
Der Traum vom Helden
Obwohl selbst ein großer Freund von Hunden, Katzen und Kindern, bescherten ihm diese in der "Komödie" mitunter Probleme. "Im Lustspiel ,Eine Frau beginnt mit 40‘ wirkte ein Irish Setter mit. Das war ein Jagdhund. Eines Abends pfiff jemand im Zuschauerraum. Da sprang der Hund sofort von der Bühne und musste wieder eingefangen werden. Mehr Glück hatte ich mit den reizenden Kindern im Curt-Götz-Stück ,Das Haus in Montevideo‘. Das spielten wir über 100 Mal", erinnert sich Helmer.
Was sich der Theatermacher wünscht? "Noch einmal wie schon vor 12 Jahren, den Schwank ,Cyrano in Buffalo‘ zu inszenieren. Und selbst die Rolle des versoffenen Komödianten zu spielen. Oder auch die Doppelrolle des Nestor/Oscar im ,Irma-la-Douce‘-Musical. Oder den Schweizer Soldaten Bluntschli in der ,Helden-Komödie." Doch diese Rolle wird wohl ein Traum bleiben. Warum? "Dafür bin ich, leider, leider, inzwischen zu alt", sagt Claus Helmer, der leidenschaftliche Perfektionist . jwt



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