Der schreibende Marathon-Mann

Autor Gerd Fischer lässt in seinen Krimis auch Läufer sterben

Gerd Fischer ist ein echtes Multitalent: Als Marathonläufer, Verleger, Herausgeber, Lektor und vor allem als Autor hat er sich mit seiner Krimireihe einen Namen gemacht. Sein jüngstes Buch dreht sich um die Finanzkrise und um Mord während des Frankfurt-Marathons.

Frankfurt. Gerd Fischers jüngstes Werk "Robin Tod" handelt von zwei toten Investmentbankern und zugleich auch von der Finanzkrise. Foto: WeisAlles begann im Bali-Urlaub 2004. Gerd Fischer (41) gönnte sich eine Auszeit, relaxte am Strand. Dabei ging er seiner Lieblingsfreizeitbeschäftigung nach: dem Lesen. In seiner Strandtasche lag auch ein Krimi – Fischers bevorzugtes Genre. Während er sich also ins Schmökern vertieft, kommt dem Frankfurter die Idee, selbst einen Krimi zu schreiben. Und welche Umgebung könnte sich besser anbieten als die asiatische Trauminsel, auf der er gerade verweilt?

Als gebürtiger Hanauer und zugezogener Bockenheimer möchte Fischer seiner Hauptfigur vor allem Lokalkolorit verleihen. Also wird ein Frankfurter Hauptkommissar in seinem Bali-Urlaub in Ermittlungen der asiatischen Kollegen eingebunden. Die Figur des Andreas Rauscher ist geboren. Dessen Name ist kein Zufall. "Als passionierter Apfelweinliebhaber habe ich mich für diesen gärenden Most als Nachnamen entschieden", verrät Fischer, der eines seiner Bücher dem "besten Getränk der Welt widmet" – dem Stöffche natürlich. Rauscher, die Hauptfigur Fischers, ist etwa Mitte dreißig, dynamisch und stets im Konflikt zwischen Beruf und Privatleben. Ein bisschen also vielleicht wie Gerd Fischer selbst? "Nein, das denke ich nicht", wiegelt er ab. "Obwohl so mancher doch sagt, dass wir uns ähneln."

Vor allem, wenn man bedenkt, dass Fischer, mehrfacher Marathonteilnehmer, vergangenes Jahr mit "Lauf in den Tod" den ersten deutschen Marathon-Krimi vorgelegt hat – noch weit bevor sich der Frankfurter Tatort mit den Kommissaren Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) mit diesem Thema befasste. Zwar bewältigt in diesem Fall nicht Kommissar Rauscher selbst die Extremdistanz von mehr als 42 Kilometern, doch muss der Kommissar im Niddapark den Fragen nachgehen, ob Laufen zu einer tödlichen Leidenschaft werden kann? Fischer selbst hat schon neun Mal am Frankfurter Marathon teilgenommen. Am Sonntag wird der Bockenheimer indessen lediglich als Zuschauer dabei sein. Denn seine Arbeit lässt keine Mußezeiten für das Multitalent zu. "Ich nehme mir einmal im Jahr zwei Wochen Auszeit, die ich auf der griechischen Insel Naxos verbringe. Ansonsten arbeite ist fast jeden Tag", erklärt er. Denn so "ganz nebenbei" ist Fischer auch Inhaber seines eigenen Verlages: Bei "Mainbook" sind auch andere Autoren unter Vertrag.

Mit "Robin Tod" hat er dieses Jahr bereits den vierten Rauscher-Krimi aus der Mainmetropole vorgelegt. Darin geht es um zwei Investmentbanker, die tot, beide mit einem Pfeil in der Brust, aufgefunden werden. "Die Finanzkrise hat mir dabei natürlich als Grundlage gedient. Gerade in Frankfurt spielen Geld, Macht und Banken eine ganz besondere Rolle. Hier passt mein Krimi bestens rein", erklärt Fischer, der nach seinem Germanistik-Studium an der Goethe-Universität als Werbetexter tätig war. Derzeit schreibt er an seinem nächsten Buch. Auch wenn er noch nicht zu viel verraten möchte, so kann er den Rauscher-Fans doch mitteilen: "In meinem neuen Werk werde ich das Thema Mobbing in Schulen behandeln. Natürlich wird es einen Mord geben, und Andreas Rauscher wird wieder einmal einen fast unlösbaren Fall vorfinden".sdr

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