Der Ton wird rauer

Der Wahlkampf in Frankfurt geht in die entscheidende Phase: Rund zwei Wochen vor dem Showdown verschärft sich der Ton zwischen den Kandidaten.

Der Wahlkampf in Frankfurt geht in die heiße Phase. (Archivbild) Frankfurt. Der Favorit im Frankfurter OB-Wahlkampf muss immer wieder kräftig einstecken. So mancher vom Fluglärm geplagte Frankfurter brüllt Boris Rhein wutentbrannt nieder, wenn dieser den Ausbau des Flughafens verteidigt.

Protest erntet der CDU-Politiker auch, wenn er etwa beim DGB die Senkung der Gewerbesteuer rechtfertigt oder feststellt: «In Frankfurt haben wir keine Wohnungsnot, sondern einen angespannten Wohnungsmarkt.»

Rheins weniger bekannter Konkurrent, der Sozialdemokrat Peter Feldmann, ist ebenfalls Befürworter des Flughafenausbaus. Er hat derzeit wohl die besten Chancen, gegen den amtierenden Innenminister in die Stichwahl zu ziehen. Der 53-Jährige setzt im Wahlkampf für den Urnengang am 11. März aber vor allem auf soziale Themen. Derzeit bewerben sich zehn Kandidaten für den Posten des Stadtoberhauptes. Rund 462 900 Wahlberechtigte können in der schwarz-grün regierten Hessenmetropole in zwei Wochen ihr Kreuzchen machen.

Der 40 Jahre alte Rhein bezeichnet seinen SPD-Kontrahenten im Wahlkampf immer wieder als einen unauffälligen Stadtverordneten. Feldmann spricht im Gegenzug gern vom «Minister aus Wiesbaden». Härter geht die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Nancy Faeser, mit Rhein ins Gericht. Sie hält den Innenminister für entscheidungsschwach, vermisst inhaltliche Schwerpunkte, findet ihn sogar unseriös. Ihre Schlussfolgerung für den OB-Wahlkampf: «Es tut Frankfurt nicht gut, wenn es so gemanagt wird, wie derzeit das Innenministerium.»

Für den grünen Europapolitiker und früheren Frankfurter Dezernent, Daniel Cohn-Bendit, hat die CDU bei der Wahl den Vorteil des Bekanntheitsgrades. Seiner Parteifreundin Rosemarie Heilig räumt er dagegen keine großen Chancen ein, Rathauschefin zu werden: «Es wird schwierig», sagte Cohn-Bendit dem Stadtmagazin «Journal Frankfurt».

Von ihren Gegnern hört die 55-jährige Grünen-Politikerin im Wahlkampf immer wieder das Wortspiel mit ihrem Namen «scheinheilig». Das zielt auf die Forderung der designierten Umweltdezernentin in der schwarz-grünen Stadtregierung, die neue Landebahn still zu legen.

Dafür habe sie keinen ausreichenden Rückhalt in ihrer Partei, die das Thema in dem von Rhein mit ausgehandelten Koalitionsvertrag ausklammert, meinen Kritiker. Der CDU-Stadtverordnete Ulf Homeyer sieht in Heilig Medienberichten zufolge sogar einen Störenfried der schwarz-grünen Koalition und hat dabei auch eine eher zustimmende Äußerung Heiligs zu einer Erhöhung des Gewerbesteuer-Hebesatzes im Blick.

Cohn-Bendit kündigte unterdessen bereits an, im Fall der Stichwahl zwischen Rhein und Feldmann am 25. März, den Sozialdemokraten zu unterstützen. Der CDU-Politiker sei für ihn indiskutabel, «ein stockkonservativer Mann», sagte das rhetorische Schwergewicht dem «Journal Frankfurt». «Innerhalb der CDU steht er für mich genau am entgegengesetzten Partei-Spektrum zu Petra Roth.»

Die 67-Jährige tritt nach 17 Jahren an der Spitze der fünftgrößten deutschen Stadt nicht mehr an und hatte Rhein als ihren Wunschnachfolger präsentiert.

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