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Der Wortjongleur vom Gagern
Bhavesh Agarwal hat als einziger Frankfurter an der Debattier-WM in Südafrika teilgenommen
Als einziger Schüler aus Hessen ist Bhavesh Agarwal im deutschen Debattier-Nationalteam. Für zwei Wochen nahm der Abiturient mit vier anderen Schülern aus Deutschland an der Weltmeisterschaft im Debattieren in Kapstadt teil.
Von Carina Berg
Ostend. ![]()
Bhavesh Agarwal ist erst 18 Jahre alt, aber wenn er redet, wirkt er viel erwachsener. Der Abiturient des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums weiß sich auszudrücken, er spricht klar, deutlich und strukturiert. Vor allem aber wirkt er dabei immer sicher, überzeugend und authentisch. Sobald man mit ihm redet, wird klar, warum er einer der Schüler des deutschen Nationalteams im Debattieren geworden ist, das im Januar an der Schulweltmeisterschaft in Kapstadt (Südafrika) teilgenommen hat.
"Ich mache das erst seit zwei Jahren, aber der argumentative Schlagabtausch macht mir einfach riesengroßen Spaß", sagt Bhavesh. Seit er in der elften Klasse ist, nimmt er an nationalen Debattierturnieren teil. Dort muss er Marie Schreier – Studentin aus Tübingen und Coach des Deutschen Teams – aufgefallen sein. Sie holte den Frankfurter in ihre Mannschaft.
Club beigetreten
Auf die Idee brachte ihn seine Englischlehrerin Christina Scheneman-Wolf. Sie organisiert seit sechs Jahren den "Debating Club" an dem Gymnasium. In Hessen gibt es bislang nur zwei Schulen, an denen es einen Debattierclub gibt. Gerade auf der Ebene der Schulen ist Debattieren in Deutschland noch nicht sehr bekannt.
Die Tradition stammt aus Großbritannien und anderen englischsprachigen Ländern. Dort hat es aufgrund der traditionsreichen parlamentarischen Auseinandersetzung eine lange Geschichte.
"Ich habe das englische Debattieren an der Deutschen Schule in Budapest kennengelernt und einfach mitgebracht", erklärt Scheneman-Wolf die Entstehung des Clubs am Gagern-Gymnasium. Das englische Debattieren sei eine noch größere Herausforderung als das deutsche, weil es mit einer fremden Sprache und viel Theatralik verbunden sei. Im Schnitt haben fünf bis acht Schüler in ihrem "Debating Club" geübt, Themen argumentativ aufzubauen, gegnerische Argumente zu entkräften und frei auf Englisch zu reden.
"Momentan haben die Schüler aufgrund von G8 aber wenig Zeit und der Club ruht", bedauert Scheneman-Wolf. "Debattieren gewinnt aber auf jeden Fall an Popularität. Nächstes Jahr werden 80 Länder an der Weltmeisterschaft teilnehmen und sie findet sogar in Berlin statt", fügt Bhavesh hinzu.
Die Weltmeisterschaft war sein bisher größtes Turnier. Immer drei Sprecher eines Teams nehmen an einer Debatte teil. Sie müssen jeder in einer achtminütigen Rede Themen wie Alkoholverbot, Verbot religiöser Parteien oder Kinderarbeit verteidigen oder kritisieren. Dabei werden sie von Richtern nach dem Inhalt und der Art ihrer Präsentation der Argumente bewertet und gewinnen oder verlieren so eine Debatte. "Wir haben von acht Debatten in der Vorrunde drei gewonnen und damit unter den insgesamt 48 teilnehmenden Nationalmannschaften den 36. Platz belegt", sagt der Frankfurter. Er ist zufrieden mit diesem Ergebnis, die Teilnahme sei ohnehin wichtiger gewesen.
Für den 18-Jährigen ist es kein Problem, seine Argumente in fließendem Englisch vorzutragen. Seine Eltern kommen aus Indien, er hat die Sprache schon in seiner Kindheit gelernt. "In Kapstadt haben wir eigentlich auch in unserer Freizeit nur Englisch gesprochen, denn wir waren auch in unserer Freizeit viel mit den anderen Teams zusammen", sagt er.
Gesehen hat er von Kapstadt am Tag manchmal bis zu 20 verschiedene Schulen, weil jede Debattierrunde in einer anderen stattfand. "Trotzdem blieb viel Zeit für Freizeit. Wir haben den Tafelberg gesehen, sind zu Robben Island gefahren, wo wir Pinguine und Seehunde bestaunt haben, und haben das Kap der Guten Hoffnung besucht", schwärmt der Gymnasiast für die tolle Landschaft. "Es war ein sehr schönes Erlebnis, ich habe viele neue, internationale Freundschaften geknüpft, andere Kulturen kennen gelernt und viel Selbstbewusstsein und Allgemeinwissen gewonnen", urteilt Bhavesh rückblickend.
Noch ein Turnier
Wie es mit dem Debattieren jetzt nach der Weltmeisterschaft für ihn weitergeht, weiß er noch nicht genau. "Ich mache dieses Jahr mein Abitur, danach darf ich an den Schülerwettbewerben nicht mehr teilnehmen. Vielleicht melde ich mich noch für ein letztes nationales Turnier im Mai an."
Zum Studieren möchte Bhavesh allerdings in Deutschland bleiben. Ob es einen renommierten Debattierclub an der Universität gibt, wird für ihn allerdings ein wichtiges Kriterium bei der Wahl seiner Hochschule sein.



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