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"Die Landebahn macht krank!"
Namhafte Referenten aus Medizin, Rechtswissenschaft und Naturschutz gehen mit der Fraport, dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt hart in Gericht. Sie sind überzeugt, dass der Landebahnausbau Menschenleben gefährdet.
Frankfurt. ![]()
Rudi Schreiber Während die Mediziner die ungeklärte Mehrbelastung durch Schadstoffe anprangern, sehen Juristen noch reichlich Spielraum für Klagen gegen die Auswirkungen der Landebahn. Ihre Argumente brachten die Experten bei der ersten Mitgliederversammlung des neu gegründeten Vereins Stop-Fluglärm in Sachsenhausen zur Sprache. Dessen Gründer freuten sich über 300 Besucher und 50 neue Mitglieder. Die anberaumte Vorstandswahl musste aufgrund der vielen Fragen verschoben werden. FNP-Mitarbeiter Mirco Overländer hat die Referenten gebeten, ihre Gründe gegen die Landebahn zu formulieren.
Den Anfang macht Rudi Schreiber. Er wuchs in Sachsenhausen auf, wo er, abgesehen von einer mehrjährigen Auszeit, seit 1940 lebt. Da wundert es nicht, dass der Mitbegründer des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schlecht auf die Fraport, die Stadt und die Landesregierung zu sprechen ist: „Der Bau der Landebahn war ein Verbrechen. Ich hoffe nur, es war keine böse Absicht, sondern Dummheit“, sagt Schreiber. Für ihn steht fest, dass die Epoche des ungezügelten Wachstumsdenkens längst vorüber sei: „Immer mehr geht nicht. Immer besser geht aber immer!“ Schreiber ist überzeugt, dass Frankfurt das angestrebte Image als grüne Hauptstadt Europas nach Eröffnung der Nordwestlandebahn nicht mehr erreichen werde. Wer die Fraport als das Herz der Region ansieht, dem sei gesagt, dass man auch an einem Herzinfarkt sterben kann, gibt der Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu bedenken.
Die Landesregierung habe mit dem Ausbau die Vernichtung eines riesigen Naherholungsgebiets billigend in Kauf genommen: Nicht genug, dass der Vogelgesang im Stadtwald nun vom Dröhnen der Turbinen übertönt werde. Schreiber rechnet aufgrund der erhöhten Lärm- und Schadstoffkonzentration auch mit der Abwanderung von Bio-Gärtnern sowie harten Zeiten für Biergärten und Frischluft-Freunde.
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Prof. Rafael Dudziak
Die Frage, ob Flugzeugabgase tödlich sein können, beantwortet Prof. Rafael Dudziak mit einem klaren „Ja, das ist so“. Der ehemalige Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie an der Frankfurter Uniklinik hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Studien zu Flugzeugabgasen beschäftigt und stellt der wissenschaftlichen Grundlagenarbeit der Fraport ein vernichtendes Urteil aus.
„Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird seit Oktober massiv verletzt“, sagt Dudziak und rechnet vor, dass die vorliegenden Studien zur erwarteten Schadstoffbelastung lückenhaft seien, da die Berechnung ab einer Höhe von 1000 Fuß (rund 300 Metern) abbreche.
„Noch nie sind echte Schadstoffmessungen in den neuen Einfluggebieten erfolgt.“ Bei den der Öffentlichkeit zugänglichen Daten handele es sich lediglich um mathematische Computermodelle. Dabei sei klar, dass mehr Flugverkehr mehr Schadstoffe nach sich ziehe. Dudziak fordert eine wissenschaftliche Überprüfung der vorliegenden Studien. Diese Überprüfung würde den Verein Stop-Fluglärm eine Viertelmillion Euro kosten.
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Prof. Volker SeifertProf. Volker Seifert ist Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der Uniklinik der Goethe-Universität. „In meinen 30 Jahren Berufserfahrung habe ich noch nie so verzweifelte Leute wie jetzt gesehen“, sagt Seifert, der als Neurochirurg täglich mit Schwerstkranken zu tun hat. Für die erfolgreiche Rehabilitation seiner Patienten sei ein positives Heimatgefühl sowie ausreichend Ruhe besonders wichtig.
Doch „deren Heimatgefühl ist Verzweiflung gewichen. Das geht bis hin zum Gedanken an Selbstmord“, warnt der Experte aufgrund seiner Erfahrung im Umgang mit Patienten, die im Einzugsgebiet der Nordwestlandebahn leben. Gerade der sonst aufmunternd wirkende Gedanke an den nahenden Frühling sei der schieren Angst vor noch mehr Lärm gewichen. Da neue Flugrouten den Lärmpegel in Nähe der Landebahn nicht verringern würden, gebe es nur eine legitime Forderung: „Aus Sicht meiner Patienten kann ich nur die Stilllegung und den Rückbau der Landebahn fordern“, sagt Seifert und fügt an, dass man andernfalls sehenden Auges auf „eine menschliche Katastrophe, deren Ausmaß wir uns nicht vorstellen können“ zusteuere.
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Prof. Lutz EidingDer Fachanwalt für Verwaltungsrecht Prof. Lutz Eiding kämpft seit Jahren deutschlandweit gegen den Flughafenausbau und Nachtflüge. Sein Fazit: Roland Koch hätte lediglich die Fraport ins Benehmen setzen müssen, um Nachtflüge kategorisch zu verhindern. Beim Mitte März anstehenden Revisionsverfahren zur Gültigkeit des Nachtflugverbots rechnet der Experte mit einer Bestätigung des Ist-Zustands.
Das heiße aber nicht, dass es nicht noch mannigfaltige Optionen gebe, die Fraport empfindlich zu stören. „Man kann beim Verwaltungsgerichtshof einen Eilantrag auf Schließung der Landebahn einbringen“, sagt Eiding. Zudem stünde es Immobilienbesitzern frei, eine Schadensersatzklage gegen die Fraport anzustreben, weil der Landebahnbetrieb den Wert vieler Immobilien mindere. „Wenn 100 Millionen Euro geltend gemacht werden, tut das der Fraport sicher weh“, sagt Eiding. Bei einer entsprechenden Krankenakte sei es theoretisch auch möglich, die für die Planfeststellung verantwortlichen Personen und Ministerien wegen Körperverletzung zu verklagen. Auch bei der Größe der Lärmschutzzonen gebe es noch juristischen Spielraum.



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