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Die Narren feiern unsere OB Roth
Frankfurt feiert Fassenacht mit 3300 Karnevalisten, 400 000 Narren und einer ausgelassenen Oberbürgermeisterin
Hessens größter Fastnachtszug schlängelte sich gestern Nachmittag durch Frankfurts Innenstadt. Das teils recht wechselhafte Wetter tat der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch, sorgte aber mit rund 150 000 Zuschauern für weniger Zaungäste als erwartet.
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Petra Roth stand im Zentrum der diesjährigen Fastnachtskampagne. Hier gibt sie ihrem als Nachfolger auserkorenen Parteigenossen Boris Rhein das Fläschchen. Ob die „schwarze Amme“ auch das Zeug zur Bundespräsidentin hat, steht indes auf einem anderen Blatt. Foto: Weis Frankfurt. Was für ein närrisches Treiben: Pünktlich um 13.01 Uhr gab Bernard Braun, Schatzmeister des Großen Rates, den Startschuss zu Hessen größtem Fastnachtsumzug. Unter dem Motto "Frankfurt lacht und Frankfurt singt, auch die Gäul, die sind beschwingt" schlängelte sich der närrische Tross gestern dreieinhalb Stunden lang kreuz und quer durch die Innenstadt: Vom Startpunkt an der Untermainbrücke bis hin zum Römerberg eilten die vier Pferde der Polizeistaffel den Umzugsteilnehmern vorweg.
Den edlen Rossen auf dem Fuße folgten die 221 gemeldeten Zugnummern mit ihren 3300 aktiven Karnevalisten, deren einfallsreichen Motivwagen, 25 Kapellen und Spielmannszügen. Den Schluss der illustren, aus 47 Komiteewagen und 85 Vereinen bestehenden Parade bildete das Rosen verteilende Frankfurter Prinzenpaar "Seine Tollität" Marcus I. und "Ihre Lieblichkeit" Ingrid II. Gegen 13.30 Uhr erreichten die ersten Schwellköppe und Spielmannszüge die am Römerberg aufgebaute Ehrentribüne. Hier warteten bereits Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland, Sport- und Wirtschaftsdezernent Markus Frank, OB-Kandidat Boris Rhein (alle CDU) und Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) auf das Eintreffen der ersten Jecken.
Gut gelaunte Ehrengäste
"Den Spaß lasse ich mir nicht entgehen", sagte der sichtlich wohlgelaunte Fastnachter Markus Frank. Sein unverkleideter Parteigenosse Boris Rhein erfreute sich vielmehr am Anblick der Frankfurter Reiterstaffel, für deren Erhalt er sich nach wie vor unbedingt ausspricht. "Ich gebe offen zu, dass ich mich heute Morgen noch als Sträfling verkleidete, das Kostüm aber dann doch im Schrank gelassen habe", gestand der amtierende hessische Innenminister. Dessen Sohn Bruno weigerte sich auf den letzten Drücker, den Herrn Papa zum Fastnachtsumzug zu begleiten. Bernadette Weyland, zumindest protokollarisch noch vor OB Petra Roth die erste Frau im Römer, erschien mit obligatorischer Narrenkappe und hielt Roths Podest auf der Ehrentribüne so lange in Beschlag, bis die OB um 14.07 Uhr nach ausgestandenen Eisregen erschien, um ihre letzte Fastnachts-Parade als Frankfurter Oberbürgermeisterin abzunehmen. "Das Wetter ist herrlich. Ich war schon vor meiner Zeit als OB bei den Umzügen dabei und werde es auch weiterhin sein", antwortete das in roter Robe gekleidete Stadtoberhaupt auf die Frage, ob sie dem letzten närrischen Treiben ihrer 17-jährigen Amtszeit mit Wehmut beiwohne.
Im Laufe der nächsten Stunden bekamen Polit-Prominenz und das einfache Volk von den paradierenden Spielmannszügen einiges auf die Ohren und um selbige geworfen: Statt oller Kamellen verteilten die Fastnachter diesmal vornehmlich Popcorn, Pralinen, Waffeln und lustiges Spielzeug.
Wulff fehlte bei Motivwagen
Die politischen Motivwagen wiederum spotteten über die Bundes- und Europapolitik der vergangenen Wochen und Monate: Guido Westerwelle und Philipp Rösler trugen die 18 Prozent der Liberalen zu Grabe. Ministerpräsident Volker Bouffier schlummerte wohlig in seinem Bett, während über seinem Haupt die Flugzeuge kreisten. Finanzminister Wolfgang Schäuble wiederum spannte schweißüberströmt den Rettungsschirm über Griechenlands Pleite-Premier Lukas Papademos. Da die Planung der Motive schon im Dezember begann, war es für die Karnevalisten zu spät, um auf die privaten Verstrickungen des jüngst zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff anzuspielen.
Der bevorstehende Personalwechsel an der Spitze des Römers war hingegen das Top-Thema dieser Fastnachtskampagne: Während Petra Roth ihrem Parteigenossen Boris Rhein auf einem Motivwagen symbolisch das Fläschchen reichte, bedankten sich Frankfurts Abfallexperten von der FES mit dem Slogan "17 Jahre Arbeit und Brot, dank unserer lieben OB Roth, die FES sagt Danke schön, wir lassen sie nur ungern gehn". Dies alles sahen aufgrund des wechselhaften Wetters weit weniger Jecken als erwartet: So säumten lediglich 150 000 Zuschauer die vier Kilometer lange Umzugsstrecke. Laut Polizei kam es während des gesamten Nachmittags nicht zu nennenswerten Zwischenfällen.mov



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