Ein Farbtupfer für das Nordkap

Frankfurter sprayte das nördlichste Graffiti der Welt

In Sachsenhausen betreibt Mario Laugell ein Fachgeschäft für Sprüherbedarf. Nachdem sich der Frankfurter im norwegischen Gjesvær mit dem nördlichsten Graffiti der Welt verewigte, ist dessen Entstehungsgeschichte nun auch im Internet dokumentiert.

Erst die Pflicht, dann das Vergnügen: Zum Warmmachen besprühte Mario Laugell die Fassade einer stillgelegten Fischfabrik am Nordkap. Fotos: R. Glatz Sachsenhausen/Gjesvær. Der nordnorwegische Winter ist nichts für sonnenverwöhnte Frostbeulen: Tageslicht gibt es nur drei Stunden von 10 bis 13 Uhr. Die Temperaturen schwanken zwischen zehn und 27 Grad minus. Eine Reise ins 130-Seelen-Dorf Gjesvær am Nordkap ist folglich eher etwas für Polar-Forscher als für luxusverwöhnte Großstadtbewohner. Doch Mario Laugell (38) alias "Klark Kent" nahm die beschwerliche Reise auf sich, um etwas zu schaffen, was vor ihm noch kein Mensch gemacht hat: Es sprühte dort das nördlichste professionelle Graffiti der Menschheitsgeschichte.

Das Ergebnis und die Entstehungsgeschichte sind ein Jahr nach Vollendung des Grafitti endlich im Internet dokumentiert – unter http://www.montana-cans.com/montana-blog/2011.

Das kuriose Vorhaben des Graffiti-Künstlers wurde wahr, weil ihm ein bekannter Sprühdosenhersteller die verrückte Aktionen bezahlte. "Die Idee kam mir bei einem Abendessen mit Freunden. Nach einiger Recherche war klar, dass es so weit im Norden sonst keine Graffitis gibt", begründet Laugell seinen einwöchigen und 2500 Euro teuren Ausflug. Mit dabei waren nur ein Fotograf, acht Sprühdosen und einige Wikinger-Fotos.

Dosen einfliegen lassen

Per Flugzeug ging es zum nächstgelegen Flughafen in Alta. Die letzten 300 Kilometer bis ans Nordkap legte Laugell mit einem Mietwagen auf teils stark vereisten Fernstraßen zurück. Beinahe wäre sein Projekt schon kurz nach der Ankunft gescheitert. "Ich habe 120 Sprühdosen per Kurier vorausgeschickt. Die kamen aber erst einen Tag später als wir am Flughafen an", erinnert sich der abenteuerlustige Sprayer. Da die erforderliche Rückfahrt ihn einen wichtigen Arbeitstag gekostet hätte, half ihm sein Herbergsvater Björn aus der Patsche, indem er kurzerhand die 600 Kilometer-Fahrt auf sich nahm, um das dringend benötigte Arbeitsmaterial für Laugell abzuholen.

Hilfsbereite Norweger

Auch sonst sei Björn eine große Hilfe gewesen. Da einer seiner Verwandten beim örtlichen Straßenverkehrsamt arbeitet, wurde das Graffiti ohne Probleme genehmigt. "Das Bild befindet sich an der Ausfallstraße zur nächsten, 30 Kilometer entfernten Ortschaft. Der Felsen war bis zu einer Höhe von 1,50 Metern eingeschneit, wir mussten ihn erst frei räumen", sagt Laugell, der noch immer beeindruckt ist von der Hilfsbereitschaft der Norweger. Das Bild zeigt den legendären Wikinger-Fürst Tore Hund, der um 1026 nach Christus auf die Bekehrungsversuche des christianisierten Wikingers Karle denkbar schlecht reagierte: Er töte ihn kurzerhand.

Nicht nur die Geschichte des abgeschiedenen Ortes, auch dessen landschaftlicher Reiz und die Abgeschiedenheit haben den Frankfurter beeindruckt. Nirgends habe er sich sonst so frei und in sich ruhend gefühlt. Trotz widriger Witterung, wenig Sonnenlicht und schweren Schneestürmen habe die Arbeit großen Spaß gemacht. Das beste aber sei, dass Herbergsvater Björn seinen Gästen nun eine wirklich ungewöhnliche Touristenattraktion zeigen kann. "Erst vor zwei Wochen hat er mir neue Fotos geschickt, auf denen zu sehen ist, dass das Bild kaum unter der Witterung gelitten hat", freut sich Laugell über die Früchte seiner Arbeit.mov

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