Eisenbahner brauchen mehr Kohle

Verein fehlt Geld für Reparaturen

Die Mitglieder des Vereins Historische Eisenbahn Frankfurt kümmern sich um alte Dampfloks. Doch das Hobby ist kostenintensiv.

Ostend. Matthias Kopitzki, Stephan Körschger und Patrick Emelius hängen gern im Lokschuppen ab und schrauben. Dass sie dabei dreckig werden, stört sie absolut nicht. Foto: Benni Kilb Mit acht Jahren bestaunte Matthias Kopitzki (31) das erste Mal die 52er. Seit er die legendäre Dampflok, von der 6000 gebaut wurden, gesehen hat, lässt sie ihn nicht mehr los. Mit Stephan Körschger (20) und Patrick Emelius (19) hilft er regelmäßig beim Verein Historische Eisenbahn Frankfurt: Dieser wartet Dampfloks und bereitet Fahrten vor. Doch der Verein steht vor großen finanziellen Herausforderungen, zwei Loks sind seit Monaten fahruntüchtig. Sie müssen repariert werden. Und immer weniger Menschen teilen die Liebe zur Lok.

"Ihr kommt aus der Geldstadt Frankfurt und fragt nach Geld?" Das bekommen der Vereinsvorsitzende Albert Eckert und seine Kollegen oft zu hören, sobald sie um Spenden bitten. Dem Verein geht es finanziell aber tatsächlich nicht gut. Mit den Fahrten verdient er rund 100 000 Euro im Jahr, vorausgesetzt, alle Loks sind fahrbereit. Von der Stadt erhalten die Eisenbahnfreunde 1000 Euro pro Monat Unterstützung, auch private Gönner fördern die Arbeit des Vereins mit rund 40 000 Euro im Jahr, doch das ist zu wenig.

Fahrten fielen aus

Da die beiden Aushängeschilder, die Loks 52 48 67, kurz 52er, sowie die 01 118, noch immer in Stand gesetzt werden, kommen auf Eckert und Mitstreiter Reparaturkosten und Einnahmeausfälle in Höhe von rund 300 000 Euro zu. Seit Mitte vergangenen Jahres mussten alle Fahrten abgesagt oder mit angemieteten Ersatzloks durchgeführt werden, auch die Hafenbahnfahrten in der Adventszeit fielen aus.

Ein Teil der ausstehenden Reparaturkosten soll nun über einen zinsgünstigen Kredit der Volksbank über 30 000 Euro beglichen werden. Der für 60 000 Euro überholte Kessel für die 52er wurde bereits abgezahlt, zudem erfolgte eine Anzahlung in Höhe von 40 000 Euro für den Kesselaustausch bei der 01 118. Beglichen sind die Gesamtkosten damit jedoch lange nicht.

Eckert, sein Stellvertreter Klaus Mühleisen und weitere Eisenbahnfreunde sitzen in ihrem Aufenthaltsraum in der Wartungshalle in der Intzestraße, die Hände rußverschmiert. Sie beraten, wie es weitergeht mit ihrem Verein. Manche der ehrenamtlich Tätigen verbringen jede freie Minute im Ostend. Eisenbahnen sind eben ihr Hobby.

Die 52er, eine jener alten in Schwarz und Rot gehaltenen Dampfloks, steht inzwischen wieder in der Intzestraße. Wegen Oberbaumängel hatte sie im Spätsommer 2011 Schäden am Fahrgestell erlitten. Zwar hat die 52er bei der Hafenbahnfahrt am 15. Januar nach langer Standzeit wieder die ersten Kilometer zurückgelegt. "Aber leider eignet sich die 80 km/h schnelle und 130 Tonnen schwere Lok nicht für alle Fahrten, vor allem nicht für die weiten", weiß Eckert. Im Gegensatz zur 171 Tonnen schweren 01 118, die es auf 130 Sachen bringt. Nur befindet sich diese bereits seit Herbst 2010 zur Kesselhauptuntersuchung im Dampflokwerk in Meiningen. "Hoffentlich haben wir sie bis April zurück", hofft Mühleisen.

Von einem drohenden Aus des Vereins "Historische Eisenbahn" wollen die Männer nicht sprechen. "Wir sind optimistisch, ansonsten hätten wir die Reparatur der Loks nicht in Auftrag gegeben", sagt Mühleisen. Trotz des in Frankfurt üppigen Freizeitangebots hoffen die Eisenbahner, mehr Menschen für ihre Leidenschaft begeistern zu können. Laut Mühleisen wussten viele, die sich inzwischen für den Verein und seine Angebote interessieren, bis vor kurzem nicht einmal, dass es die vor 33 Jahre gegründete Interessengemeinschaft gibt.

Diejenigen, die den Eisenbahnfreunden mal über die Schultern schauen möchten, laden Eckert und Mühleisen in die Intzestraße ein. "Vielleicht finden sich ja ein paar helfende Hände oder neue Mitglieder, totarbeiten muss sich keiner. Mittwochs ab 17 Uhr ist garantiert immer jemand von uns hier", so Mühleisen.

Preise wurden erhöht

Um etwas mehr Geld einzunehmen, hat der Verein erst kürzlich die Preise für die Hafenbahnfahrten erhöht. Statt 4,50 Euro wie bisher, zahlen Erwachsene nun sechs Euro für eine 40-minütige Fahrt. Auch planen Eckert und Co., künftig mehr Fahrgäste durch Kooperationen mit der Tourismus und Congress GmbH zu gewinnen.

Neben den zwei Dampfloks besitzt der Verein noch fünf Personenwagen sowie einen Buffetwagen. Bald soll zudem ein Erste-Klasse-Waggon den Fuhrpark erweitern.

Nächster Höhepunkt im Programm der Eisenbahner ist die Mittelhessenrundfahrt mit der 52er am 29. Januar 2012. Für 39 Euro geht es um 9.52 Uhr vom Südbahnhof über Hanau, Gelnhausen, Büdingen bis nach Glauburg-Stockheim, wo der Besuch des Modellbahnhofs Stockheim ansteht.bki

Infos über den Verein "Historische Eisenbahn Frankfurt" finden sich im Internet unter http://www.frankfurt-historischeeisenbahn.de

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