Eiseskälte? Uns doch egal!

Noch hat der Frost die Stadt fest im Griff, ab heute wird es immerhin ein bisschen milder

Nichts wird jetzt so genau beobachtet wie das Wetter: Meteorologen, Räumdienste, Stromversorger, Schwimmbadbetreiber und Bauherren schauen auf die Kältefront. Einige von ihnen müssen sich dem Winter beugen – andere haben Spaß.

Frankfurt. Diese Badenixen haben den perfekten Ort gefunden, um der Kälte zu trotzen: Im Rebstockbad wärmten sie sich so gut auf, dass sie sogar einen ausgelassenen Ausflug ins Außenbecken wagten. Foto: Christes Auf der Baustelle für die neue Europäische Zentralbank geht nicht mehr viel: Seit gestern wird nur noch mit halber Kraft gearbeitet, statt 360 wie am Vortag kamen am Dienstag nur noch 180 Bauleute zur Arbeit. Stahlarbeiten laufen weiter, auch Verblechungen an der Fassade können trotz der Minusgrade noch montiert werden. Aber Mörtel und Beton, die fließen nun nicht mehr.

Dafür rauschen bei diesem Wetter Gas und Fernwärme in selten gekannten Größen durch die unterirdischen Leitungen. "Der Dienstag war der Tag mit dem höchsten Gasabsatz in diesem Winter", sagt Mainova-Sprecherin Ulrike Schulz. 70 Prozent mehr Gas als an den warmen Tagen im Dezember und Januar verbrauchte die Stadt, nachdem sie mit minus 14 Grad die kälteste Nacht des Winters hinter sich hatte. Spitzenwerte registrierte die Mainova auch bei der Fernwärme: 636 Megawatt schickte sie von ihren Heizkraftwerken in die Haushalte. Zum Vergleich: Am milden 7. Dezember genügten 368 Megawatt. Beim Stromverbrauch bewirkt die Frostwelle bisher keine Ausschläge. "Dafür beobachten die Kollegen, dass die Beschaffungspreise auf den Energiebörsen hochschnellen", so Schulz.

Hoch gehen auch die Energiekosten, die für den Betrieb der Frankfurter Schwimmbäder anfallen. "Wir bekommen alles schön warm", verspricht Daniel Nauheimer, Technischer Leiter der Bäderbetriebe. Auf 28 Grad Wassertemperatur werden die Schwimmbecken geheizt – auch das Außenbecken im Rebstockbad, in dem die jungen Damen auf unserem Foto planschen. Alle technischen Anlagen spielen bisher mit. "Und ich habe es in vierzig Jahren noch nicht erlebt, dass ein Schwimmbad wegen Kälte schließen musste", so Nauheimer.

Da führen die Experten vom Wasser- und Schifffahrtsamt ganz andere Statistiken. Die Mitarbeiter in der Außenstelle am Niederräder Ufer schieben jetzt "Eisdienst", das heißt, sie beobachten und melden, wie sich die Verhältnisse auf dem Fluss entwickeln. Auch wenn der Main auf Frankfurter Höhe wohl nicht zufrieren wird, in Anbetracht weiterer Frostnächte steht die Schifffahrt auch hier vor dem vorläufigen Aus. Das Problem sind die Schleusen, in denen das Wasser sich in dicken Schollen hinter die Schleusentore schiebt. Noch schaffen es die Mitarbeiter, diese mit Muskelkraft immer wieder wegzuschieben, damit die Tore ganz geöffnet werden können.

Noch ohne den ganz großen Krafteinsatz kam der Winterdienst der FES gestern aus. Um 14.40 Uhr rückten gestern 20 Räumfahrzeuge aus. Erst der vierte Schnee-Einsatz in diesem Winter. Die A-Strecken, die wichtigsten Straßen der Stadt, wurden gestreut. Stau und Eisglätte gab es am Abend trotzdem. Bis zu 157 Fahrzeuge könnte die FES einsetzen, doch alle werden wohl nicht gebraucht: "Die sehr kalte Luft kann nicht so viel Feuchtigkeit in sich tragen. Ein Schneechaos ist vorerst nicht in Sicht", sagt Rolf von Pander, Meteorologe beim Wetterdienst. Ein, zwei Zentimeter Schnee sagt er voraus.

Die dünne Schneedecke machte das Warten an der Tram-Station am Hauptbahnhof noch ungemütlicher.Das sind für die Verkehrsgesellschaften beruhigende Nachrichten. Denn Schnee ist für den Betrieb von Bussen und Bahnen weitaus hinderlicher als knackender Frost. Der hat bisher vor allem für die Lokfahrer der S-Bahnen ungemütliche Folgen: Einige von ihnen mussten auch in der Nacht zu heute als "Frostwachen" in ihren Führerständen bleiben. Indem sie die Bahnen nachts auf Betriebsspannung halten und verhindern, dass die Türen festfrieren, will die Bahn AG dafür sorgen, dass die S-Bahnen auch heute morgen nach Fahrplan rollen.ing

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