Enkheim steht auf gegen Rechts

Mehr als 200 Bürger protestierten gegen die Nazi-Demo

55 Rechtsextreme demonstrierten am Samstag in Enkheim. Gleichzeitig positionierten sich 200 Gegendemonstranten. Gegen Ende der Veranstaltung kam es zu mehreren Festnahmen.

Von Alexandra Schmidt

Bergen-Enkheim. "Wir wollen euch hier nicht": Gabriele Thon (Mitte) hält ihr selbstgemaltes Plakat in die Höhe, neben ihr skandiert ein junger Mann. Die Bergen-Enkheimer gingen am Samstag auf die Straße, um gegen die genehmigte Nazi-Demonstration zu protestieren. Fotos: Christian ChristesDas selbst gemalte Plakat ist nicht besonders groß, aber es sticht ins Auge. "Schämt ihr euch nicht?" ist darauf zu lesen – und "Nazis raus". Es waren Plakate wie dieses von Gabriele Thon, mit denen die Bergen-Enkheimer am Samstag Zeichen setzten; Zeichen gegen die braune Szene, die sich Enkheim als Demonstrationsort ausgesucht hatte.

Mit einem riesigen Plakat, dass die Aufschrift "Freiheit erkämpfen" trägt, ziehen rund 55 Neonazis durch die Straßen des beschaulichen Stadtteils. Während sie durch die Leuchte, die Rangenberg-, die Ried-, und die Arnswalderstraße laufen, grölen die Jugendlichen Parolen wie "Straße frei für die deutsche Jugend" und "Nationaler Sozialismus". Immer wieder versuchen sie mit ihren Sprechchören die Anwohner zu provozieren. Hunderte von Polizisten sind demgegenüber damit beschäftigt, Konfrontationen mit Gegendemonstranten zu verhindern.

Denn davon gab es mehr als genug: Über 200 Leute fanden sich an der Endhaltestelle der Linie U7 zusammen, um gemeinsam ihren Unmut über die Nazi-Demo kund zu tun. "Ich freue mich, dass so viele Menschen gekommen sind", sagte Hans Christoph Strooth, Sprecher der "Anti-Nazi-Koordination Frankfurt". "Die Nazis sollen keine Stimme bekommen."

Der Meinung waren auch viele Jugendliche, die im Internet-Portal Facebook zu den Protesten aufriefen. Auch Parteien wie die Grünen, die SPD und die Linke wollten nicht einfach tatenlos zusehen. So riefen sie gemeinsam zu einer Mahnwache vor dem Enkheimer Volkshaus auf. "Es ist ein Unding, was hier in Bergen-Enkheim passiert", verkündete Helmut Ulshöfer von den Grünen aufgebracht. "Viele Menschen im Stadtteil haben Angst vor der Demonstration – verriegeln sogar Türen und Fenster."

Trotz unguten Gefühls vieler Anwohner hatte die Polizei die Situation weitestgehend im Griff. Durch Hunderte von Polizisten gelang es, die beiden Gruppen – Nazis und Gegendemonstranten – voneinander fernzuhalten. Lediglich ein Feuer sorgte für Aufsehen. "Sperrmüll wurde angezündet", sagte Polizeisprecher André Sturmeit. Von wem das Feuer gelegt wurde, sei bislang nicht geklärt.

Währenddessen rief Anita Krug gemeinsam mit vielen anderen immer wieder "Nazis raus". "Ich verstehe nicht, warum Rechtsextremen eine solche Plattform geboten wird." Das habe ihrer Meinung nach nichts mit Demokratie zu tun. "Die dürfen Anwohner beleidigen, ohne dass die Polizei eingreift." Dem können Helmut Ulshöfer und Hans Christoph Strooth nur zustimmen. "Was hier für Ausdrücke gefallen sind, ist unglaublich." Demzufolge hätte die Demonstration frühzeitig abgebrochen werden müssen.

Gabriele Thon konnte über all das nur den Kopf schütteln. Mit ihrem "Schämt ihr euch nicht? Wir schämen uns für euch"-Transparent wollte sie den Rechtsextremen zeigen, dass sie hier nicht willkommen sind. "Die Nazis haben nicht mal den Mut, sich zu erkennen zu geben", schimpfte die Bergen-Enkheimerin. Stattdessen zeigten sie sich vermummt. "Und wegen solcher Blödmänner wird ein ganzer Stadtteil auf den Kopf gestellt."

Auch wenn die Veranstaltung weitestgehend ohne großen Ärger ablief, versuchten linke Demonstrationsteilnehmer am Ostbahnhof die Abreise der Nazis zu stören. "Dabei kam es zu mehreren Festnahmen und Sicherstellungen", berichtete Sturmeit.

"Ich bin froh, dass die Demo ohne Ausschreitungen ablief", sagte Ulshöfer. Nichtsdestotrotz ist er entsetzt darüber, dass die Polizei den kompletten Stadtteil lahm gelegt hat. "Viele Menschen durften nicht die Absperrungen übertreten und mussten so große Umwege gehen." Auch die Geschäfte hätten unter dem Einsatz zu leiden gehabt. "So was darf nicht wieder passieren."

Auch wenn es am Samstag größtenteils ohne Krawalle ablief, muss laut Aljoscha Ziller etwas im Ortsbeirat passieren. "Wir müssen uns gegen diese rechte Szene zur Wehr setzen", ist das SPD-Mitglied überzeugt. "Nur gemeinsam können wir etwas bewirken." Ein Anfang ist immerhin gemacht.

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