Euro-Gegner formieren sich

Der bisher größte Protestzug gegen Rettungsschirme bewegte sich gestern Abend durch die Frankfurter Innenstadt

Ein Grummeln im Bauch verursachen die Euro-Rettungsaktionen bei vielen Frankfurtern. Jetzt gibt es sogar eine Partei, die sich das zunutze machen will. Und sie trägt den Protest auf die Straße.

Frankfurt. Einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone fordern die Demonstranten um Partei-der-Vernunft-Landesgeschäftsführer Steffen Schleicher (Mitte) und Landesparteichef Thomas Maetzel (rechts daneben) vor dem Riesen-Euro-Zeichen und der Europäischen Zentralbank. Foto: Rainer Rüffer In der Stadt des Euros bröckelt die Zustimmung zur europäischen Währung. "Wir sind das Volk!", skandierten gestern Abend rund 100 Euro-Gegner. Erst an der Konstablerwache. Dann am Riesen-Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) am Willy-Brandt-Platz. Ihre Plakate sind eindeutig: "Raus aus dem Euro", ist zu lesen. Oder: "Nein zur Schuldenunion."

Während sich in Berlin die Politiker Gedanken machen, wie Griechenland und der Euro zu retten seien, sich Risse in der Bundesregierung zeigen, sind sich die Demonstranten in der Frankfurter Innenstadt längst sicher. Erstmals sind so viele Anti-Euro-Demonstranten zusammengekommen. Lautstark forderten sie ein Ende der Euro-Rettungsschirme – mit dem passenden, für 15 Euro erhältlichen "Raus-aus-dem-Euro-Schirm".

Es war ein bunter Haufen, der da von der Konstablerwache zur EZB lief, unterwegs Applaus, aber auch Kontra erhielt. Doch ihre Ablehnung weiterer Euro-Rettungsschirme vereinte die Demonstranten, darunter Wolfgang Hübner, Fraktionschef der Freien Wähler im Römer. "Dass es so nicht weitergeht, ist sonnenklar", sagt er. Die Freien Wähler beteiligten sich zwar an der Demonstration, "die Initiative ist aber von anderen Leuten ausgegangen".

Die Partei der Vernunft

Das sind Thomas Maetzel und seine Partei der Vernunft (PdV). Die ist noch jung, zählt in Hessen gerade einmal 50 Mitglieder. Aber "das" Parteithema ist aktuell, vielleicht aktueller denn je. "Wir fordern den Ausstieg aus dem Euro", heißt es im zehnseitigen Parteiprogramm. "Das ist ein brennendes Thema", sagt PdV-Landesvorsitzender Maetzel. Jeden Montag will seine Partei nun auf die Straße, mit "Wir sind das Volk" eine weitere Tradition an Montagsdemonstrationen begründen. Noch sei seine Partei überschaubar, gesteht Maetzel ein. Mit den Demos will man bekannter werden. "Wir wollen uns als alternative Partei etablieren", gibt der 55-Jährige, seit zwei Monaten im Amt, ein ehrgeiziges Ziel aus.

Als Beispiel, dass das funktionieren könne, nennt Maetzel die Grünen. Auch hier habe sich eine monothematische Partei weiterentwickelt und sei in die Parlamente eingezogen. "Bei den anstehenden Wahlen wollen wir auf die Liste", kündigt er an. Etwas Zeit zur Mitgliedergewinnung bleibt dazu in Hessen noch: Der nächste Urnengang steht regulär erst 2013 an.

Ansprechen will der PdV-Landesvorsitzende mit seinem Programm vor allem Nichtwähler. "Wir wollen nicht am rechten Rand fischen", lehnt er Parallelen zur Anti-Euro-Einstellung vieler rechtspopulistischer Parteien in Europa ab. Der "unwahrscheinlich großen Sorge der Leute" will sich der Sulzbacher, der eine Unternehmensberatung im Westend führt, aber annehmen. "Zurzeit läuft alles auf eine Katastrophe zu."

Erfahrung in der FDP

Politische Erfahrung hat Maetzel bereits gesammelt. Bis zum Austritt im vergangenen Jahr gehörte er 20 Jahre lang der FDP an, saß im Landesfachausschuss Wirtschaft der Partei und war drei Jahre Ortsvorsitzender in Sulzbach. Viele frühere Prinzipien der FDP wie Freiheit und Bürgerrechte findet er nach eigenen Angaben heute eher bei der PdV. "Die FDP wird im Nichts verschwinden, wenn sie so weitermacht", ist Maetzel sicher.

Ob die PdV an deren Stelle treten kann? Wichtig ist Maetzel, mit den Freien Wählern für die Demonstrationen schon einmal namhafte Unterstützung gefunden zu haben. "Da ist die Basis einfach größer." Das Zusammenfinden hat aber etwas gedauert. "Ich habe die PdV auch erst jetzt kennengelernt", sagt Hübner. Es seien "vernünftige Leute, die programmatisch nicht so weit entfernt von uns sind".

Für den FW-Fraktionschef ist der Euro nicht mehr zu retten. Ein Neuanfang, etwa mit neuer Währung, müsse gemacht werden. Maetzel selbst ist sich nicht so sicher, wie die Krise gelöst werden kann. Klar ist ihm nur, dass es so nicht weitergehen könne. Dafür sollen die Demos jeden Montag um 18 Uhr fortgesetzt werden. Dann wünscht er sich mehr Beteiligung. Denn mit den 100 Euro-Gegnern gestern war er noch nicht zufrieden. ses

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