Ex-"Titanic"-Chefredakteur zieht in den Wahlkampf

Er will das Bankenviertel unter die Erde verlegen und mehr niedliche Tiere für den Zoo – der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic", Oliver Maria Schmitt, zieht als Oberbürgermeisterkandidat in den Frankfurter Wahlkampf.

Von Sandra Trauner

Frankfurt. Der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins «Titanic», Oliver Maria Schmitt, kandidiert als Frankfurter Oberbürgermeister. Das Bankenviertel wird unter die Erde verlegt ("Frankfurt 21"), der Flughafen zieht aus Lärmschutzgründen in den Taunus um, und Villenbewohner werden in Problembezirke umgesiedelt ("Zwangsintegration statt Parallelgesellschaft"). Oliver Maria Schmitt, der frühere Chefredakteur der Satirezeitschrift "Titanic", ist vielleicht nicht der aussichtsreichste Kandidat im Rennen um den Frankfurter Oberbürgermeister-Posten, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber der lustigste.

Am Donnerstag stellte er sein Wahlprogramm ("9,5 Thesen für Frankfurt - und keine für Offenbach") und seine Wahlkampfstrategie "Occupy Römer!" vor: "Smoke-ins" für die Raucher der Stadt, Diskussionsrunden für Alkoholiker ("Trinker fragen - Politiker antworten") und eine "arten-kritische Ortsbegehung" im Zoo, in dem er "mehr kleine und niedliche Tiere" haben will. Gegen eine großzügige Spende lasse er sich gern als Gast zu privaten Feiern einladen, sagte der 45-Jährige. Er werde auch an Haustüren klingeln mit den Worten "Hallo, ich bin Rhein, darf ich rein?".

"Rhein in den Main, Schmitt in den Römer"

Denn Schmitt sieht dem aussichtsreichsten OB-Kandidaten, Boris Rhein von der CDU, ziemlich ähnlich - "ein biologischer Nachteil", findet der Satiriker, sein Motto sei schließlich "Rhein in den Main, Schmitt in den Römer". Für die zahlreichen Fotografen beim Wahlkampf-Auftakt im Museum für Komische Kunst, einen Steinwurf vom Rathaus entfernt, setzte Schmitt mehrfach sein "Rhein-Gesicht" auf, ein verkrampftes Lächeln unter schwarzer Hornbrille. Kollegen von der Piraten-Partei, die sich unters Publikum gemischt hatten, hatten sichtlich ihren Spaß.

Seine Zeit im Römer würde er vorwiegend mit der Suche nach der Haushaltskasse verbringen und mit Untätigkeit: "Wer nichts macht, macht auch keine Fehler." Seine Motivation für die Kandidatur ist auf einem der Wahlkampf-Plakate seiner Partei namens "Die Partei" nachzulesen: "Ich brauch den Job!" Der Leiter des Caricatura Museums, Achim Frenz, lobte augenzwinkernd Schmitts "ungewöhnliche, völlig neuartige und noch nie erprobte campaigning-tools" wie zum Beispiel das "Wasserhäuschen-Hopping".

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