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Fachleute sehen die Altstadt wanken
Das Projekt ergebe ohne den Bau des Stadthauses keinen Sinn, sagt der Gestaltungsbeirat für das Dom-Römer-Areal
Die Gemeinschaft derer, die das geplante Stadthaus in der Altstadt doch haben wollen, wächst. Wenn die Überbauung des Archäologischen Gartens wegen der Sparmaßnahmen nicht komme, sei das gesamte Altstadt-Projekt in Gefahr.
Frankfurt. ![]()
Christoph Mäckler Kurzzeitig hat der Gestaltungsbeirat gestern sogar an Rücktritt gedacht. "Wir sehen unsere Arbeit in Frage gestellt", sagte der Vorsitzende Christoph Mäckler. Denn der Rat des Experten-Gremium sei offenbar nicht mehr gefragt. Er bezog sich auf die Entscheidung der schwarz-grünen Sparkommission, auf das Stadthaus über dem Archäologischen Garten aus Kostengründen zu verzichten. Damit würde man das Herzstück des gesamten Gebietes opfern, sagte der Architekt. Die Häuser am Krönungsweg würden dann "wie Kulissen" aussehen, hinter der detailgetreu rekonstruierten "Goldenen Waage" läge eine Brache. "So etwas kann doch niemand wollen, die Stadt macht sich damit bundesweit lächerlich."
In den Sand gesetzt
Das 130 Millionen Euro teure Altstadt-Projekt werde "in den Sand gesetzt" – für eine Einsparung, die laut Mäckler unterm Strich allenfalls acht Millionen Euro ausmache. "Es stellt sich die Frage, ob das gesamte Projekt noch Sinn macht." Ähnlich sieht es der Berliner Kunsthistoriker Fritz Neumeyer, der ebenfalls dem Beirat angehört: "Wenn man das Herzstück herausbricht, wackelt die gesamte Altstadt." Man müsse die Stadtverordneten jetzt vor einer Fehlentscheidung schützen. Mäckler warnte, dass wegen der neuen Diskussion potenzielle Investoren abspringen könnten. In einer Stellungnahme hat sich der dreiköpfige Gestaltungsbeirat gestern eindeutig für die Realisierung des Stadthauses ausgesprochen.
Um die Finanzprobleme zu lösen, regte Mäckler an, einige der rekonstruierten Häuser zu verkaufen, die die Stadt ursprünglich behalten wollte. Diesen Vorschlag hatte bereits der CDU-Stadtverordnete Thomas Dürbeck im Gespräch mit der FNP geäußert.
Der Stuttgarter Architekt Arno Lederer, ebenfalls Beirats-Mitglied, wies den Vorwurf zurück, das Stadthaus werde nicht gebraucht. Lederer warnte davor, das Vorhaben zu verschieben. "Wenn man so ein Bauprojekt unterbricht, wird es unterm Strich noch teurer."
Gesamtkonzept fehlt
Der Gestaltungsbeirat kritisierte nicht nur, es gab auch Lob. Insgesamt sei das Altstadt-Projekt bisher vorbildlich gelaufen, sagte Mäckler. Lediglich das Stadthaus habe man etwas "unglücklich angefangen". Es habe von Anfang an das Gesamtkonzept gefehlt, man hätte den Wettbewerb für das Stadthaus nicht von dem für das übrige Altstadt-Areal trennen dürfen.
Der Vorschlag, auf das Stadthaus zu verzichten, ist in der Politik bisher kaum auf Zustimmung gestoßen. Wie berichtet, wollen Planungspolitiker von CDU und Grünen das Projekt doch noch durchsetzen. Michael Guntersdorf, Chef der Dom-Römer GmbH, hat angeboten, stattdessen an anderer Stelle zu sparen. In großen Teilen der Bevölkerung hingegen würde ein freier Blick auf den Dom begrüßt. Aber auch in Fachkreisen wird die Haltung des Gestaltungsbeirats nicht unbedingt geteilt. Der Architekt Jochem Jourdan etwa, der die Rekonstruktion der "Goldenen Waage" plant, hält es für unproblematisch, wenn auf der Rückseite der Häuserzeile am Markt für eine gewisse Zeit nur nackte Brandwände zu sehen wären. Sein Kollege Karl-Heinz Groll spricht sich dafür aus, über dem Archäologischen Garten einen Platz anzulegen. Es würde auf diese Weise eine "Ruhezone in der Innenstadt" entstehen. Außerdem bleibe die freie Sicht auf die Schirn erhalten. Das Stadthaus wird heute auch Thema im Aufsichtsrat der Dom-Römer GmbH sein. mu



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