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Fechenheim – tief im Osten
Engagierte Bürger aus dem vernachlässigten Stadtteil löchern die Oberbürgermeisterkandidaten
Was wollen die zehn OB-Kandidaten für Fechenheim, den Stadtteil ganz im Osten, eigentlich tun? Sieben Kandidaten haben sich geäußert – darunter ist sogar der ein oder andere konkrete Vorschlag.
Von Andreas Haupt
Fechenheim. ![]()
Die Fechenheimer haben es satt. Ihr Stadtteil liegt abseits, nach Offenbach ist es näher, als in die Frankfurter Innenstadt. Wie sehr sie sich den Aufbruch wünschen für ihren oft negative beäugten Stadtteil, zeigt die Bürgerbefragung des Vereins Zukunft Fechenheim: Fast 700 Ideen und Wünschen für ihren Stadtteil schickten die Bürger zurück. Nun hat der Verein die Oberbürgermeister-Kandidaten gefragt, wie sie Fechenheim voran bringen wollen. Dass sie die Probleme des Stadtteils kennen, zeigen die meisten Reaktionen – doch oft mit Floskeln und längst bekannten Allgemeinplätzen. Konkrete Vorschläge, was zu machen ist, sind rar.
Umfassend geantwortet haben Ursula Fechter (FAG), Peter Feldmann (SPD), Rosemarie Heilig (Grüne), Boris Rhein (CDU) und Janine Wissler (Linke). Sie alle setzen für die Fahrt zur Zeil auf den Bau der nordmainischen S-Bahn. Die geplante "Haltestelle in Höhe der Cassellastraße" fordert Wissler, der Bau der nordmainischen S-Bahn hat für Feldmann "höchste", für Fechter und Heilig "hohe Priorität", Boris Rhein "befürwortet" ihn. Dass das Projekt seit Jahren stockt, inzwischen sogar auf der Kippe steht, erwähnt nur Heilig in einem Nebensatz.
Billiger Bus nach Offenbach
Viele Fechenheimer kaufen in Offenbach ein, betont Feldmann, der Stadtteil könnte für Offenbacher Studenten zum Wohnen attraktiv werden, hofft Heilig. Und so fordern Feldmann, Wissler, Rhein und Heilig einen preiswerten Bus-Tarif nach Offenbach. Doch genau diese Forderung des Ortsbeirat stößt seit Jahren beim RMV auf taube Ohren.
Wichtig sind den Fechenheimern vielfältige, zentrale Einkaufsmöglichkeiten. Peter Feldmann will pauschal den Einzelhandel stärken, Fechter will Läden erhalten damit "die täglichen Einkäufe zu Fuß erledigt werden können", Wissler will "Gewerbetreibende und damit zusätzliche Arbeitsplätze neu ansiedeln". Nur Rhein wird hier ausführlicher: Er will den Aufenthalt auf den Einkaufsstraßen angenehmer gestalten, besonders am Kleedreieck. Spielhallen will er "mit allen rechtlich zulässigen Mitteln" entgegentreten, ähnlich wie Feldmann.
Bündnis für Fechenheim
Rhein will auch ein Bündnis schmieden zwischen Grundstückseigentümern, örtlichen Institutionen, Konsumenten und Wirtschaftsförderung – wie, sagt er aber nicht. Das Handwerk sollen Wirtschaftstage, Gewerbeschauen und Handwerksmessen stärken. Der Gewerbeverein versucht dies schon seit Jahren, mit sinkenden Resonanz bei den Mitgliedern. Der letzte verkaufsoffene Sonntag fiel in Fechenheim aus – mangels Interesse der Ladeninhaber.
Konkret gefragt hat "Zukunft Fechenheim" auch nach dem Wohnen im Stadtteil. Alle Kandidaten wollen die Situation verbessern. Wissler fordert bezahlbaren Wohnraum, will Mietwucher und Armut bekämpfen, "Mietobergrenzen einführen" und "Treffpunkte für Jugendliche und Erwachsene" fördern. Feldmann will zusätzliche Wohnungen bauen – aber wo? Boris Rhein schlägt zwischen Ernst-Heinkel-Straße und Dieburger Straße Bauplätze für "bürgerliche Bevölkerungsgruppen" vor. Dort gibt es heute zahlreiche Kleingärten und ein Gewerbegebiet.
Rosemarie Heilig konzentriert sich bei der Verbesserung des Wohnumfelds auf einfachere Verbindungen für Radfahrer und Fußgänger, schlägt konkrete Projekte vor.
Etwa eine zusätzliche Fußgänger- und Radfahrerbrücke zur Offenbacher Innenstadt am Südende der Starkenburger Straße und zwei Brücken über die Hanauer Landstraße, die Fechenheim in Nord und Süd trennt. Sie greift die Forderung des Ortsbeirats auf, die Unterführung unter den Bahngleisen in der Cassellastraße auch dann zu bauen, wenn die nordmainische S-Bahn nicht gebaut wird. Nördlich des Flusses will sie einen neuen Mainuferweg bauen, mit einer Brücke über die Becken des Oberhafens – ein Plan, an dem die Stadt schon lange ohne Ergebnis bastelt. Wie Rhein fordert sie, die Querung der Hanauer Landstraße am Mainkur-Kreisel zu vereinfachen.
Herbert Förster (Piraten) gibt in seiner Antwort offen zu, dass er Fechenheim bislang kaum kennt. Er würde sich aber gerne mit dem Verein zum Gespräch über Fechenheim treffen.
Das verspricht auch der parteilose Carl Maria Schulte. Selbst formulierte Antworten zu Fechenheim gibt er aber kaum. Stattdessen verweist er oft pauschal auf Aussagen anderer Kandidaten, die bereits vor seiner Antwort im Internet unter http://vereinzukunftfechenheim.wordpress.com/ in voller Länge zu lesen waren.
Laut "Zukunft Fechenheim" haben Harald Frenzel, Jean-Jules Tatchouop (beide parteilos) und Oliver Schmitt (Die Partei) bislang nicht geantwortet.




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