Frankfurt, bitte zum Diktat

Wie gut schreibt Frankfurt? Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und ihre Partner wollten es genau wissen – und riefen den Diktatwettbewerb "Frankfurt schreibt!" ins Leben.

Frankfurt. Trotz schwieriger Wörter ließen sich die Schüler den Spaß am Diktat nicht verderben. Foto: Chris ChristesZum ersten Mal stellten gestern Abend 200 Schüler, Eltern und Lehrer ihre Orthografiekenntnisse auf die Probe. Unter professioneller Aufsicht: Jury-Vorsitzender war Werner Scholze-Stubenrecht, Leiter der Duden-Redaktion. Die Preise, Eintracht-Karten oder ein Erlebnis im Flugsimulator, motivierten zusätzlich. Wie schwierig sind die 367 Wörter? FNP-Mitarbeiterin Julia Rösch hat den Selbstversuch gewagt.

Wie schreibt man diese leckeren, in Fett ausgebackenen Naschsachen? Quarkkeulchen? Quarkkäulchen? Sieht beides komisch aus. Ich entscheide mich für die erste Variante. Eigentlich sollte ich die korrekte deutsche Orthografie im Schlaf beherrschen; ich verdiene damit mein Geld. Dass es dennoch Fallstricke gibt, bewies gestern die Aktion "Frankfurt schreibt!". Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft hatte zum Diktat geladen. Mit dabei: 200 Mädchen, Jungen, Lehrer aus 13 Frankfurter Schulen sowie ein paar mutige Eltern. Und ich, Mitarbeiterin bei der Frankfurter Neuen Presse.

Die Organisatoren haben sich viel Mühe gegeben. Die Bühne in der Aula der Musterschule ist wie ein Schulzimmer hergerichtet, mit Hessen-Wandkarte, Tafel, Pult. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnischen Gesellschaft, und FAZ-Herausgeber Werner d‘Inka, philosophieren über die Rechtschreibung. Am besten sei er im Auffinden der Fehler anderer, gluckst Kaehlbrandt und wird sogleich von HR-Moderatorin Constanze Angermann von der Bühne geschoben. "Handys aus, Stifte weg! Wir schreiben ein Diktat."

Wir nehmen die blauen Klemmbretter zur Hand. An jedem steckt ein grüner Stift. Das ist wichtig. Grün ist der Text, den die Kandidaten schreiben. Hinterher korrigieren wir selbst mit rot. Angermann weist auf die Regeln hin: Kein Abgucken, sonst droht der Katzentisch. Hilfsmittel sind verboten. Deutlich schreiben! "Ich lese jeden Satz im Ganzen vor und dann noch einmal in Sinnabschnitten. Fertig?"

Wäldchestag ist Thema

Das Diktat hat es in sich. Es geht um den Wäldchestag, um Ratatouille, langstängelige und ockerfarbene Jelängerjelieber und Bouillabaisse. Man stöhnt, Stifte kratzen über das Papier. Ich habe die anderen Teilnehmer ausgeblendet und konzentriere mich ganz auf die fünf weißen Linienblätter. Manchmal halte ich inne. Karussells? Fahre ich nicht so oft und vergesse – wie jedes Mal! – ein l zum Schluss. Bei den französischen Wörtern hilft mir mein Schulwissen, das noch ziemlich frisch ist; dennoch kapituliere ich vor der Fischsuppe. Zwei s zum Schluss! Ich rolle mit den Augen. 15 Fehler in 357 Wörtern.

Warum das Ganze? "Die Schriftsprache ist in der heutigen Zeit stark mündlich geprägt – unter anderem durch soziale Netzwerke wie Facebook und SMS", erläutert Roland Kaehlbrandt. "Gleichzeitig sind die Anforderungen an korrekte Rechtschreibkenntnisse sehr hoch. Wir möchten mit dem Diktat die Freude an der Schreibkultur wieder aufleben lassen." Und dann verrät er auch noch seine ganz persönliche Schwachstelle: "Bei der Frage, ob etwas getrennt oder zusammengeschrieben wird, muss ich doch öfter im Wörterbuch nachschauen."

Fallstricke

Ich auch. Die halbe Stunde ist herum. Angermann wirft die Lösung per Beamer an die Wand. Wir erhalten die roten Stifte. Duden-Redaktionsleiter Werner Scholze-Stubenrecht erklärt ein paar besonders fiese Fallstricke. Ab und zu geht ein Jubeln durch die Reihen, öfter ein Verzweiflungsschrei. Zum Schluss stehen Eltern, Lehrer und Schüler nach Fehlerzahl gestaffelt auf; die besten drei aus jeder Gruppe bekommen einen Preis: Duden-Lernhilfen, Symphonie-Orchester-Karten, Eintracht-Karten.

Ich bin mit meinen 15 Fehlern gut dabei, lief aber außer Konkurrenz: Die Eltern irrten durchschnittlich 24,9-mal (erster Preis: Kristin Diemer, acht Fehler), die Lehrer 23,4-mal (erster Preis: Karl Kaiser von der Ernst-Reuter-Schule, 14 Fehler), die Schüler 38,5-mal (erster Preis: Stella-Marie Felsinger Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, 15 Fehler).

Übrigens: Es heißt Quarkkäulchen, vom mittelhochdeutschen Wort "Kaul" für Kugel. Wieder was gelernt.

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