Hausbesuch vom Fast-OB

Oliver Maria Schmitt erweist sich als gut erzogener Gast

Er hat es so gewollt: Auf der Jagd nach Spenden und Wählerstimmen schlug OB-Kandidat Oliver Maria Schmitt (Die Partei) den Frankfurtern vor, ihn zu sich nach Hause einzuladen. FNP-Mitarbeiterin Inga Janovic hat eingewilligt.

Frankfurt. Prost! Oliver Maria Schmitt (Mitte) lernt neue Frankfurter kennen und scheint sich wohlzufühlen. Foto: ing Ganz sicher sind ihm die 70 Prozent Wählerstimmen, die sich Oliver Maria Schmitt selbst für den 11. März ausrechnet, wohl doch noch nicht. Aber die Gastfreundschaft verbietet es, ihm zu offenbaren, dass einige der Freunde (wohlgebildete Nordend-Bewohner), die jetzt mit ihm am Tisch sitzen, vorhin noch "Oliver wer?" gefragt haben, als wir ihnen offenbarten, dass auch der Oberbürgermeisterkandidat zum Abendessen kommt. Auch dass eine der Anwesenden den halben Abend lang überzeugt ist, Herbert (Förster, der Pirat) sei da, verschweigen wir höflich.

Oliver Maria Schmitt ist ja auch ein höflicher Gast. Er kommt die gehörigen zehn Minuten zu spät, bringt drei Begleiter – Parteivorsitzender, Fahrer und eine Jungpolitikerin –, Bier, Wein, Champagner und Werbematerial mit und klagt nicht, dass es jetzt doch ein bisschen eng wird am Tisch. Auch nicht darüber, dass es keine fünf Minuten dauert, bis er zum ersten Mal auf seine Ähnlichkeit mit dem OB-Kandidaten der CDU, Rhein, angesprochen wird. Und er raucht nur in der Küche, obwohl er doch mit der Parole "Für ein nichtraucherfreies Frankfurt" ums OB-Amt kämpft.

So genau wusste man das ja nicht. Was soll man halten von einem, den man als Satiriker und Ex-Chefredakteur der "Titanic" kennt, und der im OB-Wahlkampf ganz offen zugibt: "Ich brauch den Job"? Und der dann auch noch via Internet um Einladungen bei potenziellen Wählern bittet? "Hol Dir den Schmitt" heißt die Aktion, mit der der OB-Anwärter mit den ungewöhnlichsten Wahlkampf-Thesen – Flughafen in den Taunus, Bankentürme unter die Erde. . . – eine Samstagnacht lang versucht, Stimmen und Spenden einzuwerben. Schmitts Facebook-Anhänger finden die Idee witzig, zu sich nach Hause laden den Mann nur die wenigsten ein.

Also sind wir eingesprungen, und nun sitzt er hier am Wohnzimmer-Tisch. Isst, plaudert zum Beispiel über Brasilien, wo er noch nicht war, aber hin will und freut sich über den Rotwein. Für jeden, der es will, verfällt Schmitt sofort in seine Wahlkämpferrolle. Erklärt vollkommen ernst und routiniert, dass er das Technische Rathaus genau so rekonstruieren wolle, wie es einst stand. Mit ordentlich Beton und inklusive der Beamten . . .

Aber man kann mit ihm auch ganz ernsthaft über Politik reden. Über den Streit ums Stadthaus, die übrigen Kandidaten, die sich ums OB-Amt bewerben. Meint er es vielleicht doch ganz ernst, will Oliver Maria Schmitt wirklich Frankfurts Oberbürgermeister werden? Sein satirischer Wahlkampf hat nicht wenige Fans. Bei der FNP-Online-Umfrage zur OB-Wahl führt er derzeit sogar – und zwar mit Riesenvorsprung.

Was wäre, wenn auch Witz ernst wird? Daran mag selbst Oliver Maria Schmitt nicht denken.

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